BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Weniger Abfall, besser trennen und recyceln

Allein in den privaten Haushalten und im kleingewerblichen Bereich fielen im Jahr 2013 in Berlin etwa 1,3 Mio. t Abfall an. Das sind 395 kg pro Kopf. Das meiste davon, nämlich 65 Prozent, landet in der grauen Restmülltonne oder im Sperrmüll. Nur gut ein Drittel (35 Prozent) wird in der braunen Bio- und den anderen „bunten“ Wertstofftonnen gesammelt. Möglichst hochwertig verwertet, etwa durch Papier- und Glasrecycling oder Verarbeitung in der Biogasanlage, wird deshalb zurzeit nur dieser relativ kleine Teil des Müllaufkommens.

Alles aus der grauen Tonne wird verbrannt

Fast zwei Drittel der Berliner Abfälle werden verbrannt, nämlich alles, was in der grauen Tonne endet. Dann bleibt nur noch, aus dem Abfall Energie zu gewinnen. Das geschieht zum Teil durch die Mitverbrennung von Abfällen in Kraft- und Zementwerken. Da die Filter dieser Anlagen jedoch nicht auf Abfälle ausgerichtet sind, gelangen dabei viele Schadstoffe in die Luft. Der BUND lehnt daher diesen Einsatz von Müll als sogenannten Ersatzbrennstoff ab. Außerdem gehen bei der Verbrennung viele Rohstoffe unwiederbringlich verloren. Um die natürlichen Ressourcen zu schonen, heißt es daher, möglichst viele gebrauchte Wertstoffe getrennt zu sammeln und hochwertig zu recyceln – dazu ist die Berliner Abfallpolitik stark gefordert.

Biogasanlage, Wertstofferfassung, Bürgerinformation

Der BUND begleitet die Berliner Abfallpolitik kritisch und fordert immer wieder ökologische Verbesserungen im Umgang mit den Abfällen unserer Stadt ein:

  • Die Berliner Bioabfälle müssen möglichst klima- und umweltschonend verwertet werden. Es ist gut, dass aus ihnen seit 2013 Biogas als Kraftstoff für die Berliner Müllfahrzeuge gewonnen wird. Trotzdem muss der gesamte Prozess der Verwertung im Blick behalten werden. Vom Genehmigungsverfahren über den heutigen Regelbetrieb der Biogasanlage bis hin zum möglichen Bau einer zweiten Anlage hat der BUND hier stets ein kritisches Auge auf die Bioabfallverwertung der Stadt. Mehr zu den Aktivitäten und Positionen des BUND zur Bioabfallverwertung in Berlin finden Sie hier.
  • Ressourcen sparen und die Ausbeutung der Natur stoppen – das sind die Ziele einer ökologischen Kreislaufwirtschaft. Damit auch von den Berliner Abfällen möglichst viel hochwertig verwertet werden kann, gilt es zuallererst, bürgernahe Erfassungssysteme zu erhalten und auszubauen. Der BUND fordert daher den Erhalt bzw. die Wiedereinführung der Hoftonnen zur Altglassammlung im Holsystem in allen Berliner Bezirken und eine kostenfreie Biotonne. Mehr zu den Aktivitäten und Positionen des BUND zur Wertstoffsammlung in Berlin finden Sie hier.

Wenn Sie selbst mithelfen wollen, die Berliner Abfallpolitik kritisch zu begleiten und unsere Stadt zu einer ressourcenschonenden, umweltfreundlichen Metropole zu machen, dann engagieren Sie sich in unserem Arbeitskreis. Mehr Informationen zur ehrenamtlichen Mitarbeit im AK Abfall- und Ressourcenpolitik des BUND Berlin erhalten Sie hier.

  • Für die Qualität der erfassten Wertstoffe sind vor allem die Berlinerinnen und Berliner selbst verantwortlich. Eine umfangreiche und vielfältige Bürgerinformation zu Fragen der Abfalltrennung und -vermeidung ist daher von allergrößter Wichtigkeit. Der BUND Berlin fordert dies von der Politik und den zuständigen Unternehmen kontinuierlich ein, etwa wenn es um die korrekte Beschriftung der 2013 eingeführten Wertstofftonne geht. Mehr dazu hier. Im Projekt „Berliner Abfallcheck“ klären außerdem vom BUND geschulte Beraterinnen und Berater über alle Fragen zur korrekten Sortierung und Reduzierung von Abfall im Haushalt auf.

Abfallvermeidung - besser als Recycling

Vor dem Wegwerfen eines Produkts steht die Nutzung – und weit davor Kauf und Herstellung. Da (fast) jedes Produkt irgendwann einmal zu Abfall wird, sollte schon früh über die Umweltfolgen der Entsorgung nachgedacht werden. Nach dem Grundsatz „Der beste Abfall ist der, der überhaupt nicht entsteht“ setzt sich der BUND für eine Abkehr von reinem Wachstumsstreben, Konsumrausch und Wegwerfmentalität ein. Denn jede Form von Sortierung, Behandlung, Verwertung und vor allem Beseitigung von Abfall ist auch mit dem Verbrauch oder Verlust von Rohstoffen und Energie verbunden.
Eine konsequente Abfall- und Ressourcenstrategie muss also viel früher ansetzen: bei einer möglichst umweltschonenden Beschaffung von Rohstoffen, beim Bau langlebiger und reparaturfähiger Produkte, durch ökologisches Produktdesign und bewusstes Einkaufen. Reparieren statt wegschmeißen, leihen statt kaufen, nutzen statt besitzen sind wichtige Schlüsselprinzipien auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Stadtgesellschaft. In Berlin gibt es eine Vielzahl spannender Initiativen, wie Leih- und Umsonstläden, Tauschbörsen, verpackungsfreie Supermärkte, Kampagnen gegen den vorzeitigen Verschleiß von Produkten oder Repair Cafés. Diese zu fördern, muss zentrales Element einer ökologischen Stadtpolitik sein. Denn Abfallvermeidung hat höchste Priorität, wie auch die im Kreislaufwirtschaftsgesetz festgeschriebene Abfallhierarchie zeigt:

  • Abfallvermeidung
  • Vorbereitung zur Wiederverwendung
  • Recycling
  • Andere Verwertungsverfahren, beispielsweise thermische Verwertung (Verbrennung unter Energierückgewinnung)
  • Beseitigung

Der BUND setzt sich gleich mehrfach für eine Reduzierung der Berliner Abfallmengen ein:

  • Im Projekt „Berliner Abfallcheck“ haben es sich die BUND-Abfallberater zum Ziel gesetzt, Ideen und Aktionen zur Abfallvermeidung zu verbreiten und interessante Initiativen in der Berliner Bevölkerung bekannter zu machen. An zahlreichen Infoständen und in Haushaltsberatungen vor Ort geben sie konkrete Tipps, welche Projekte es im jeweiligen Kiez gibt. Wenn Sie selbst im Projekt „Berliner Abfallcheck“ ehrenamtlich beraten wollen, erfahren Sie hier mehr.
  • Im BUND-Repair Cafe sorgen engagierte Aktive einmal im Monat für Nachhaltigkeit zum Anfassen: Viele Elektrogeräte, Haushaltsgegenstände und Textilien erhalten hier durch gekonnte Handgriffe ein längeres Leben. Die technischen Expertinnen und Experten leisten Hilfe zur Selbsthilfe – durch gemeinsames Reparieren wird so auch das Bewusstsein für die Wertigkeit von Produkten und die Belastung der Umwelt durch steigende Produktion, Wachstum und Konsum geschärft. Wenn Sie selbst im BUND-Repair Cafe ehrenamtlich aktiv werden wollen, erfahren Sie hier mehr.

Umweltbildung

Der Arbeitskreis Abfall- und Ressourcenpolitik veranstaltet gemeinsam mit dem Projekt Bildungsagenten der BUNDjugend Bildungsaktionen in Schulen oder Jugendeinrichtungen. Mit Mülltrennspiel und Upcycling-Workshops haben die Aktiven u.a. bei TIK e. V., an der Grundschule Kaulsdorf und im FEZ für eine Schärfung des Bewusstseins zum Thema Abfalltrennung und -vermeidung gesorgt. Außerdem stehen unsere Experten für Seminare zum Thema Abfall zur Verfügung, sei es im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes oder des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) oder in Kooperation mit anderen Institutionen (bislang u. a. Stiftung Naturschutz, Malteser Hilfsdienst und das Theaterbündnis Blumenstrauß).

Ganz praktisch geht die BUND-Bezirksgruppe Südwest vor: Mit Säcken, Besen, Harken und Handschuhen bekämpfen die Aktiven die Vermüllung von Grünflächen und anderen öffentlichen Plätzen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Mehr Informationen zur ehrenamtlichen Mitarbeit im AK Abfall- und Ressourcenpolitik des BUND Berlin erhalten Sie hier. Wenn Sie sich bei der Bezirksgruppe Südwest engagieren möchten, finden Sie hier weitere Informationen.

Quelle: http://www.bund-berlin.de/bund_berlinde/home/abfallwirtschaft.html