Seit Generationen sind Havel und Spree durch menschliche Eingriffe stark verändert worden. Heute sind sie durchgängig gestaut und ausgebaut, für die Schifffahrt verbreitert und vertieft. Trotzdem hat sich vor allem an der Havel noch eine Vielfalt und Schönheit erhalten können, die es zu schützen gilt. Hier gibt es noch Biber, Fischotter und Seeadler, an der Berliner Unterhavel finden sich noch ausgedehnte Röhrichtbestände, die vielen bedrohten Tierarten einen Lebensraum bieten.
Doch die Idylle ist bedroht: 1992 wurde im Rahmen des Aufbaus Ost das „Verkehrsprojekt Deutsche Einheits Nr. 17“, kurz VDE 17 genannt, ins Leben gerufen, um die Wasserstraßen von Hannover bis Berlin für Großmotorgüterschiffe bis 110 Metern Länge und Großschubverbände bis 185 m Länge auszubauen. Dabei soll die gesamte Strecke von durchschnittlich 2,60 Metern auf vier Meter Tiefe ausgebaggert, die Ufer auf 50 Meter und in Kurven auf 75 Meter abgegraben und teilweise mit lebensfeindlichen Spundwänden bebaut werden. Der Ausbau soll zudem für Begegnungsverkehr, also "zweispurig" erfolgen - obwohl nach den letzten Prognosen von 2000 lediglich alle zehn Tage ein einziger Großschubverband auf dieser Strecke fahren wird! Die Planungen für VDE 17 stützen sich noch immer auf Verkehrsprognosen von 1995, die sich längst als überholt erwiesen haben.
So teuer und unsinnig das Mammutprojekt VDE 17 ist, so verheerend sind auch seine Folgen für Natur und Umwelt: der Wasserhaushalt wäre nachhaltig gestört, die jetzt schon negative Wasserbilanz Berlins würde sich weiter verschlechtern. Feuchtgebiete wie die Tiefwerder Wiesen in Spandau würden endgültig austrocken, große Teile des Röhrichbestands zerstört. Die Wasserqualität würde stark beeinträchtigt. Durch die Vernichtung von Lebensräumen am Ufer und im Gewässer würden seltene Tierarten wie Biber und Fischotter für immer verschwinden.