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Situation der Berliner Trinkwasserversorgung

Dieter Sch√ľtz/pixelio.de

Berlin gewinnt sein Trinkwasser als einzige deutsche Gro√üstadt aus eigenen Grundwasser und Uferfiltrat. Die Herausforderung f√ľr die Versorgung Berlins mit Trinkwasser ist neben den begrenzten Wasserressourcen der Eintrag von Substanzen, die die Wasserqualit√§t gef√§hrden.

Perchlorat im Wasserwerk Tegel

So wurden Anfang des Jahres (2015) im Wasserwerk Tegel R√ľckst√§nde von Perchlorat festgestellt. Ein Oxidationsmittel, das in der Galvanik verwendet wird und beim Menschen die Jodaufnahme behindert. Im Vorjahr war die nicht abbaubare Chemikalie bereits im Kl√§rwerk Sch√∂nerlinde nachgewiesen worden. Dorthin gelangte sie √ľber die Mischwasserkanalisation aus dem Stadtgebiet, offensichtlich aus einem Industrie- oder Gewerbebetrieb, der diesen Stoff nutzt.
Da es bisher keinen Grenzwert f√ľr Perchlorat gibt, aber Gesundheitssch√§den nicht ausgeschlossen sind, hat nun das Landesamt f√ľr Gesundheit und Soziales (Lageso) einen Richtwert von 16 Mikrogramm pro Liter erlassen, die bisherigen gemessenen Werte liegen mit zwei Mikrogramm weit darunter. Trotzdem haben die Berliner Wasserbetriebe (BWB) Ma√ünahmen ergriffen, um die Konzentration im Tegeler See durch Zuleitung von Wasser aus der Oberhavel zu reduzieren und nach Aussagen des Pressesprechers der BWB die Trinkwasserf√∂rderung aus dem Uferfitrat des Wasserwerks Tegel um 20 Prozent reduziert. Andere Informanten gehen davon aus, dass diese zumindest zeitweise ganz eingestellt werden musste. Das F√∂rderminus wurde durch die anderen Wasserwerke in der Stadt kompensiert.

Nicht abbaubare Chemikalien in Berliner Gewässern

Am Beispiel des Tegeler Sees wird deutlich, wie empfindlich Berlins Trinkwasserversorgung ist, denn dieses wird √ľberwiegend zu etwa 2/3 nicht aus Grundwasser, sondern aus sogenanntem Uferfiltrat gewonnen. Entlang der Gew√§sserufer an Tegeler See, Unterhavel und M√ľggelsee befinden sich Brunnengalerien, die das im sandigen Untergrund versickernde Seewasser abpumpen. W√§hrend der Bodenpassage werden die im Seewasser enthaltenen organischen Stoffe gefiltert und abgebaut.
Inzwischen tauchen im Seewasser jedoch immer mehr Spuren von schwer oder gar nicht abbaubaren Chemikalien z.B. von Medikamenten auf, die offensichtlich durch die Uferfiltration nicht mehr zur√ľckgehalten werden.
So wird √ľber den Nordgraben das gesamte gereinigte Abwasser des Kl√§rwerks Sch√∂nerlinde in den Tegeler See eingeleitet. Die Stoffe, die dort jedoch nicht herausgefiltert werden konnten, landen unweigerlich im Tegeler See und √ľber das Uferfiltrat wieder im Trinkwasser.

Durch die immer mehr steigende Zahl von nicht oder nur schwer abbaubaren chemischen Stoffen (Medikamente, Industrie- und Haushaltschemikalien) und die enge Verkn√ľpfung von Kl√§rwerkseinleitungen und Uferfiltratbrunnen wird das Berliner Trinkwassersystem immer anf√§lliger.
Hinsichtlich der Medikamentenr√ľckst√§nde, die ja von uns allen stammen, hilft nur eine mengenm√§√üige Reduzierung des Konsums und bei der Neuentwicklung von Medikamenten muss zuk√ľnftig vorn vorneherein ihre biologische Abbaubarkeit in den Kl√§rwerken ber√ľcksichtigt werden.

Bernd Kasper/pixelio.de

Gro√üe Herausforderungen f√ľr zuk√ľnftige Versorgung

Somit m√ľssen die Berliner Wasserwerke immer mehr einen Zwei-Fronten Abwehrkampf f√ľhren:
1. der zunehmende Anteil von persistenten Chemikalien und Medikamentenr√ľckst√§nden in den Oberfl√§chengew√§ssern steigt an
2. ebenso gibt es einen beängstigenden Anstieg des Sulfats in der Spree, das aus den neuen und alten aufgelassenen Brandenburger Braunkohletagebauen stammt.

Diese Stoffe werden durch die Uferfiltratpassage nicht oder nur unzureichend zur√ľckgehalten!

Plan fehlt bisher

Bisher haben weder die Berliner Wasserbetriebe noch die zust√§ndigen Berliner Landespolitiker daf√ľr L√∂sungsvorschl√§ge bereit, bei manchen scheint die gesamte Tragweite des Problems noch gar nicht richtig angekommen zu sein.

So muss innerhalb der n√§chsten zehn Jahre die Berliner Trinkwasserversorgung durch die Einf√ľhrung einer vierten Reinigungsstufe bei den Kl√§rwerken und durch die Reduzierung der Einleitung umweltrelevanter Stoffe in die Kanalisation sowie die drastische Reduzierung des Sulfateintrags in die Spree aus den Braunkohlerestl√∂chern zukunftssicher gemacht werden.
Bricht das Uferfiltratsystem auch nur teilweise zusammen, gibt es kaum Reserven, einen m√∂glicherweise noch steigenden Wasserbedarf aus dem Grundwasser zu decken. Dazu sind die Niederschlagsmengen in der Region zu gering. Gelingt dies nicht, scheitert die von den Politikern beschworene ‚Äěwachsende Stadt‚Äú schon an den mangelnden Trinkwasserressourcen.



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