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Berliner Grundwasser muss ökologisch bewirtschaftet werden

© BUND Berlin

In Berlin ist der Wasserverbrauch seit 1990 stetig gesunken; die Berliner Wasserbetriebe schlossen deshalb aus KostengrĂŒnden einzelne Wasserwerke. Damit stieg der Grundwasserspiegel in einigen Gebieten zwar wieder auf den natĂŒrlichen Stand - im Gegenzug wird jedoch in anderen Gegenden deutlich mehr Wasser gefördert. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt, wertvolle Feuchtgebiete trocknen aus.

Der BUND fordert deshalb seit langem einen Grundwasserbewirtschaftungsplan, der sich an langfristigen ökologischen Kriterien, den Vorgaben der FFH-Richtlinie und der europĂ€ischen Wasserrahmenrichtlinie orientiert. Die Förderung des Grundwassers muss rĂ€umlich so auf die Stadt verteilt werden, dass Naturschutzbelange ebenso berĂŒcksichtigt werden wie der verstĂ€ndliche Wunsch der BĂŒrger nach trockenen Kellern.

Neues „Wasserversorgungskonzept fĂŒr Berlin“

Die Berliner Senatverwaltung hat nun endlich ein „Wasserversorgungskonzept fĂŒr Berlin“ vorgelegt. Darin wird dargelegt, wie die Berliner Wasserversorgung bis 2040 aussehen soll. Leider ist das Konzept alles andere als ökologisch ausgefallen. Die geplante endgĂŒltige Stilllegung der drei Wasserwerke Jungfernheide, Buch und Alt-Glienicke bedeutet, dass die verbleibenden neun Wasserwerke entsprechend mehr fördern mĂŒssen – auch in ökologisch sensiblen Gebieten wie im Grunewald. Die anhaltende oder steigende Förderung von Grundwasser in den Berliner Waldgebieten wird zu einer SchĂ€digung der dortigen Ökosysteme fĂŒhren. Insbesondere die unter Naturschutz stehenden Grunewaldmoore, die Große und Kleine Pelslake, der Teufelssee mit seinem Moor, die Krumme Laake und die Uferbereiche des MĂŒggelsees sind bereits jetzt stark geschĂ€digt. Alle diese FlĂ€chen sind als Schutzgebiete nach der europĂ€ischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) ausgewiesen.

Das Konzept geht zudem von der nicht zu begrĂŒndenden Annahme aus, dass sich der Trend des sinkenden Wasserverbrauchs umkehren wird. Entsprechend viel zu hoch sind die Fördermengen, die das Konzept vorschreibt. Statt den 217 Millionen Kubikmeter Wasser, die 2006 gefördert wurden, sollen es bis 2040 wieder 235 Millionen Kubikmeter werden. Dazu kommt noch ein ĂŒppiger „Sicherheitszuschlag“. Ob das Berliner Grundwasser auch in Zukunft so viel Wasser hergeben wird, darĂŒber werden keine Daten geliefert. Es darf jedoch angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der immer trockeneren Sommer in Berlin bezweifelt werden.

 

Wasserrechtliche Genehmigungen fehlen bis heute

FĂŒr die Berliner Wasserwerke fehlen bis heute (mit Ausnahme des Wasserwerks Wuhlheide) die erforderlichen Genehmigungen. Die Wasserwerke im Osten der Stadt besitzen zwar „wasserrechtliche Nutzungsgenehmigungen“, diese entsprechen aber nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen an den Grundwasserschutz.

Die Genehmigungen mĂŒssen also neu erteilt werden, inklusive einer UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung (UVP) fĂŒr jedes einzelne Wasserwerk. Diese UVPs werden zur Zeit von den Berliner Wasserbetrieben durchgefĂŒhrt, sind aber noch nicht abgeschlossen. Umso unverstĂ€ndlicher ist es, dass die Berliner Senatsverwaltung das neue Wasserversorgungskonzept als verbindlichen Beschluss versteht, ohne die Ergebnisse der UVPs abzuwarten. Mit der geplanten Stilllegung der Wasserwerke Jungfernheide, Alt-Glienicke und Buch werden Fakten geschaffen, obwohl fĂŒr die verbleibenden neun Wasserwerke noch gar nicht geklĂ€rt ist, welche Förderleistung Natur und Landschaft dort jeweils vertragen. 


Hinhaltetaktik bei den Genehmigungsverfahren schadet Berlins Natur

Die Berliner Wasserbetriebe hatten schon 1996 AntrĂ€ge zur Genehmigung der Grundwasserförderung in allen Berliner Wasserwerken gestellt. Aber erst 2007 wurde das Bewilligungsverfahren fĂŒr die Wasserwerke eingeleitet, nachdem der BUND wegen der fehlenden Umsetzung mit einer Klage gedroht hatte.

Diese Hinhaltetaktik hat massive Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Der BUND fordert daher, die Genehmigungsverfahren fĂŒr die Wasserwerke zu beschleunigen und Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen festzulegen. Dabei mĂŒssen die großen Wasserwerke zuerst bearbeitet werden, um deren ökologischen Auswirkungen zu minimieren. FĂŒr die Wasserwerke, deren Betrieb zu einer SchĂ€digung von FFH-Gebiete fĂŒhrt, muss unverzĂŒglich die nach geltendem Recht erforderliche FFH-PrĂŒfung durchgefĂŒhrt werden. Bis dahin darf das Wasserversorgungskonzept fĂŒr Berlin" von der Senatverwaltung nicht als rechtverbindlich, sondern nur als Orientierungsgrundlage fĂŒr die im Jahr 2011 abzuschließenden Bewilligungsverfahren fĂŒr die einzelnen Wasserwerke verstanden werden.


Das „Wasserversorgungskonzept fĂŒr Berlin“ des Berliner Senats finden Sie hier: Wasserversorgungskonzept als Pdf-Download (1,7 MB)

Die Kritik des BUND und der anderen Berliner UmweltverbÀnde am neuen Wasserversorgungskonzept finden Sie hier:
Stellungnahme als Pdf-Download

Die Kritik des BUND und der anderen Berliner UmweltverbĂ€nde an der Schließung der Wasserwerke Buch, Jungfernheide und Altglienicke finden Sie hier:
Stellungnahme als Pdf-Download

Einen offenen Brief der Berliner UmweltverbÀnde an die Umweltsenatorin Lompscher vom 8.12.08 finden Sie hier:
Offener Brief als Pdf- Download



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