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Berlin ist kein Vorbild fĂĽr Energieausweispflicht und Energieeffizienz

 

BUND Berlin überprüft öffentliche Gebäude auf Energieausweise und Energieeffizienz

Seit 1. Juli 2009 ist der Energieausweis auch für alle Nicht-Wohngebäude keine Kür, sondern Pflicht. Danach müssten neben Wohngebäuden auch Rathäuser, Schulen, Kindergärten, Gerichte und alle anderen öffentlichen Gebäude Berlins mit mehr als 1000 m² Nettogrundfläche und regelmäßigem Publikumsverkehr einen Energieausweis gut sichtbar aushängen haben. Müssten - denn was die aktuelle Energieeinsparverordnung gesetzlich vorschreibt, ist in den Berliner Liegenschaften von Land und Bezirken noch längst keine gängige Praxis.
Der BUND Berlin hat einige der Gebäude überprüft. Über die Hälfte weist keinen oder keinen leicht zugänglichen Energieausweis auf. Pförtner und Hausmeister waren auf Nachfrage ahnungslos.

Das Ziel, mit dem Energieausweis die energetische Qualität aller öffentlicher Gebäude transparent zu machen, wird in Berlin meilenweit verfehlt.
So gleicht die Energieausweislandschaft einem Flickenteppich: Während Bezirke wie Steglitz-Zehlendorf bereits seit 2006 Energieausweise in Liegenschaften und im Internet veröffentlichen, beschränken sich andere wie Lichtenberg nur auf die Veröffentlichung im Netz. Andere wiederum sind ihrer gesetzlichen Pflicht überhaupt nicht nachgekommen –weder im Gebäude noch im Netz.

Die Deutsche Energieagentur (dena) schätzt, dass lediglich 25 Prozent der 55.000 öffentlichen Gebäude in Deutschland mit einem Energieausweis ausgestattet sind. Die 381 öffentlichen Gebäude, die von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), eine 100prozentige Tochter des Landes Berlins, verwaltet werden, sind mit einem Energieausweise ausgestattet. Darunter Senatsverwaltungen, das Rote Rathaus, Gerichte, Museen, Feuerwehrgebäude und Polizeidienststellen. Doch allein in Berlin nutzen Land und Bezirke zusammen über 6.600 Einrichtungen.

Energetisches Trauerspiel – Gebäude von Land und Bezirken keine Vorbilder

Fehlen bei vielen Einrichtungen die Energieausweise noch ganz, sieht es bei denjenigen, die mit Ausweisen ausgestattet sind, energetisch dĂĽster aus.
Der Zustand der von Land und Bezirken genutzten Gebäude ist ein energetisches Trauerspiel. Dabei ist es gerade Ziel und Zweck, mit dem Energieausweis und niedrigen Verbrauchswerten eine Vorreiterrolle in Sachen Energieeffizienz einzunehmen und Kosten zu sparen. Stattdessen zahlt sich der Senat an Energiekosten dumm und dusselig.

Die Berliner Immobilienmanagement (BIM), die laut eigenen Angaben ca.
900 Gebäude verwaltet, hat bis zum 30.06.2009 im Auftrag des Berliner
Senats für 379 Gebäude einen bedarfsorientierten Energieausweis
erstellen lassen. Im Durchschnitt verbrauchte jedes der von der BIM
verwaltete Gebäude allein 192,475 kWh/m²*a (!) Primärenergie.

Liste mit den Werten der Landesimmobilien

Vor diesem Hintergrund stellt der BUND Berlin  folgende Forderung an Senat und die Bezirke:

  • Alle Gebäude gemäß den gesetzlichen Anforderungen mit einem bedarfsabhängigen Energieausweis auszustatten und diesen fĂĽr jedermann und –frau zugänglich und sichtbar im Gebäude zu veröffentlichen. Kleine A 4-Rahmen, wie sie in allen Landes- und Bezirksliegenschaften hängen, reichen dafĂĽr nicht aus.
  • DarĂĽber hinaus sind die Ergebnisse fĂĽr alle Berliner Liegenschaften zentral im Internet in einer Datenbank darzustellen. Das Energiemanagement des Hochbauamtes der Stadt Frankfurt kann hier als Vorbild dienen.
  • Zudem ist dem desolaten energetischen Zustand der Gebäude bei Sanierungszyklen von 50 Jahren entgegen zu treten, in dem Sanierungen auf Passivhausniveau durchgefĂĽhrt werden. Mittel aus bestehenden Investitionsprogrammen zur Gebäudesanierung mĂĽssen dazu beitragen, diesen Standard zu erreichen. Daneben braucht Berlin ein zusätzliches Investitionsprogramm, das die Sanierungsquote erhöht und gleichzeitig ĂĽber die Lebenszeit der Gebäude die Energiekosten massiv senkt.


Bislang im Internet veröffentlichte Energieausweise der Bezirksimmobilien:

Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg:

Liste aller Objekte mit Energieausweis

Bezirk Lichtenberg:

http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/verwaltung/wiimm/immo-energie.html


Bezirk Steglitz-Zehlendorf:

http://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/verwaltung/juggesum/umwelt/energiepass.html

Bezirksliste aller Objekte mit Energieausweis

Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf:

http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/org/liegenschaften/energieausweise_der_bezirklichen_leigenschaften.html#f

Lediglich vier von zwölf Berliner Bezirken haben die für die vorliegenden Gebäude erstellten Energieausweise bislang im Internet veröffentlicht.
Anders als beispielsweise Frankfurt hat das Land Berlin bislang keine Veröffentlichung der vorliegenden Energieausweise im Internet vorgenommen. Eine Datenbank aller öffentlichen Gebäude zum Vergleich der Verbräuche wie vom BUND gefordert fehlt ebenfalls!

Vorbild Frankfurt: http://www.stadt-frankfurt.de/energiemanagement/

Die Anfrage des umweltpolitischen Sprechers der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus zu Berlin, Daniel Buchholz und Antwort der Senatsverwaltung fĂĽr Stadtentwicklung zu
"Energieausweise(n) für private und öffentliche Gebäude in Berlin: Lästige Vorschrift oder wirksames Instrument für mehr Klimaschutz?! sind auch ein Beleg dafür, dass Berlin noch weit von einem konsequenten Handeln im Gebäudebestand entfernt ist.

Anfrage und Antwort im Berliner Abgeordnetenhaus


 

Energieausweise für Wohn- und Nicht-Wohngebäude

Zwei Arten von Energieausweisen werden unterschieden:
Beim Bedarfsausweis wird der Energiebedarf des Gebäudes auf Grundlage der energetischen Qualität der Gebäudehülle und der haustechnischen Anlagen ermittelt.
Für den Verbrauchsausweis werden aus drei aufeinander folgenden Jahren Wärmeverbrauch (Beheizung, ggf. zentrale Warmwasserbereitung) und bei Nicht-Wohngebäuden zusätzlich Stromverbrauch (Beleuchtung, Lüftung und Klimatisierung) ermittelt und daraus Energieverbrauchskennwerte berechnet, die auch klimatische Schwankungen und längere Leerstände berücksichtigen. Allerdings liefert der kostengünstigere Verbrauchsausweis keine sachdienlichen Hinweise zur Sanierung und Bedarfsreduzierung. Der BUND fordert daher den Bedarfsausweis.
Sie wollen einen bedarfsabhängigen Energieausweis für Ihr Haus erstellen lassen? Gern helfen wir Ihnen weiter.


Wärmenachfrage in Gebäuden

Mit dem Ziel in Berlin die CO2-Emissionen bis 2020 entgegen 1990 um 40 Prozent zu reduzieren sind Verbrauche von Strom und Wärme von 146 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr wie im Roten Rathaus weit von den klimapolitischen Anforderungen und ökonomischer Vernunft entfernt. Denn allein im Gebäudebereich entstehen rund 40 Prozent der CO2-Emissionen. Dazu müsste der Heizwärmebedarf der Gebäude von derzeit durchschnittlich 200 kWh/m²*a bis 2050 auf Passivhausstandard bzw. durchschnittlich 23 kWh/m²*a reduziert werden. Bei einer gegenwärtigen Sanierungsquote von nicht einmal einem Prozent scheint dieses Ziel aber um Lichtjahre entfernt. Notwenig wäre hingegen eine jährliche Sanierungsquote von mindestens 3 Prozent. Damit könnten über die Lebensdauer der Sanierung Energiekosten von schätzungsweise mindestens 5,2 Mrd. Euro gespart werden.

Wie in Zukunft der Wärmebedarf reduziert werden kann, verdeutlicht auch eine Studie des Wuppertalinstituts für die Stadt München.

Studie: MĂĽnchen - Wege in eine CO2-freie Zukunft



Kontakt

Matthias KrĂĽmmel

Referent fĂĽr Klimaschutzpolitik

Telefon:

(030) 78 79 00-63

E-Mail: Kruemmel[at]BUND-Berlin.de

Aktuelle Unterschriftenaktion des BUND Berlin

trifft sich mittwochs um 19.30 Uhr. Interessierte sind jederzeit willkommen.

Infos unter (030) 78 79 00-0 oder akklee[at]bund-berlin.de

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