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Kohle

Kein anderes Land der Welt fördert so viel Braunkohle wie Deutschland. Eine Fläche von mehr als 245.000 Fußballfeldern ist vom Tagebau in Anspruch genommen – und es soll noch weiter gebaggert werden: 188 Ortschaften fielen dem Braunkohletagebau in Deutschland bereits zum Opfer. Weitere 18 sind aktuell akut von den Expansionsplänen der Kohleindustrie bedroht. Mit über 350 Milliarden Euro wurde das Geschäft mit der Kohle hierzulande seit 1950 staatlich subventioniert.

Zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung hat der BUND im Juni 2015 einen Kohleatlas entwickelt. Denn Kohle ist aber nicht nur für ökologische Probleme verantwortlich, sondern unser Verbrauch hat auch weitreichende soziale Folgen. Zu nennen sind hier die tausenden von Bergleuten, die in Minen arbeiten, wo Arbeitsschutz und Sozialstandards keine Rolle spielen (aus denen deutsche Versorger aber dennoch einen Großteil ihrer Steinkohleimporte beziehen). Oder die gefährlichen Geschäfte der Kohleindustrie, ihre weltweite Vernetzung und ihre Verstrickung mit den Regierungen.

Gift fĂĽr die Gesundheit

Quelle: Kohleatlas 2015


Mehr als 5000 kg Quecksilber landen dank deutscher Kohlemeiler jährlich in der Atmosphäre – das sind zwei Drittel der Gesamtemissionen dieses Schwermetalls in Deutschland. Dass Quecksilber hochgradig giftig ist, ist dabei kein Geheimnis – Fieberthermometer mit diesem Stoff wurden deshalb etwa bereits vor einigen Jahren verboten. Vor allem die geistige Entwicklung wird durch Quecksilber beeinträchtigt, da das zentrale Nervensystem angegriffen wird. Daher sind besonders Kinder gefährdet, doch auch bei Erwachsenen gibt es Hinweise darauf, dass Quecksilber mit einem erhöhten Risiko, an Parkinson zu erkranken in Verbindung steht. Aufgenommen wird die giftige Substanz übrigens nicht aus der Luft sondern vor allem über die Nahrung, im Speziellen über Fisch. Denn das durch Kohlekraftwerke ausgestoßene Quecksilber gelangt bis in die Arktis und schließlich in die Meere.

Neben Quecksilber ist auch die durch Kohlemeiler verursachte erhöhte Feinstaubbelastung hochgradig gesundheitsschädigend. Und nicht zuletzt trägt der Abbau von Kohle zu einer erhöhten Belastung unseres Trinkwassers durch Sulfat.

Berlin und die Kohle

Ein großes Problem im Zusammenhang mit dem Kohleabbau auch und vor allem in Berlin ist die steigende Sulfat-Belastung der Gewässer. Insbesondere in Bezug auf die Trinkwasserversorgung sind die hier gemessenen Sulfat-Werte höchst problematisch. Im Frühjahr 2014 wurde eine Sulfatbelastung von 244 mg/l in der Spree gemessen, damit kann unter bestimmten Bedingungen schon 2015 der Grenzwert von 250 Milligramm Sulfat je Liter in der Berliner Spree überschritten werden. Zu viel Sulfat im Trinkwasser führt u.a. zu Durchfall und Erbrechen.

Daher wurde ein Grenzwert von 250 mg/l festgelegt – allerdings gilt dieser nur für das Trinkwasser. Für Oberflächengewässer dagegen gibt es keinen Grenzwert. Das Problem: Oberflächenwasser wird als Uferfiltrat in das Grundwasser infiltriert und dann von den Förderbrunnen der Wasserwerke gefasst. Durch das ebenso landseitig zuströmende Grundwasser wird bisher in allen Wasserwerken im Trinkwasser der Grenzwert von 250 mg/l unterschritten. Daher fordert der BUND, dass es auch für das Oberflächenwasser einen Grenzwert geben muss.

Berlin und Brandenburg mĂĽssen gemeinsam Perspektive fĂĽr Kohleausstieg entwickeln. Berlin muss den Kohleausstieg anstreben und gemeinsam mit Brandenburg, entgegen allen Protest, der aus Potsdam kommen mag, durchsetzen.

Der BUND Berlin fordert vom Senat Maßnahmen, um die Qualität des Berliner Trinkwassers vor steigenden Sulfatwerten zu sichern. Der Braunkohleabbau in der Lausitz ist Hauptverursacher für den Anstieg der Sulfat-Konzentration. Schon seit 1996 steigen diese in der Dahme, Müggelspree und Stadtspree an. In der Lausitz und im Spreewald sind dagegen die „braune“ Spree und die toten, mit Eisenschlamm verseuchten Fließgewässer rund um die Tagebaue zum Synonym für die Verantwortungslosigkeit der Kohlelobby geworden.

Von daher fordert der BUND, dass nach dem Verursacherprinzip alle erforderlichen Maßnahmen von Vattenfall übernommen werden, die die Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinie – insbesondere die Beachtung des Verschlechterungsverbots – nötig machen.

Kohle gehört in die Erde

Vor diesem Hintergrund ist es nicht akzeptabel, dass der Berliner Senat stillschweigend die Erschließung neuer Tagebaue in Brandenburg und Sachsen akzeptiert. Um die Schäden für die Umwelt in Grenzen zu halten, darf der Großteil der Kohle gar nicht erst gefördert werden. Soll das Klimaziel einer Erderwärmung von maximal 2°C eingehalten werden, müssen 80 Prozent der bekannten Kohlereserven im Boden bleiben.

Konkret fordert der BUND vom Senat Folgendes:

  • Die Konsequenzen bei weiterhin steigendem Sulfatgehalt in der Spree fĂĽr die Infrastruktur und Kosten der Trinkwasseraufbereitung mĂĽssen festgestellt werden.
  • Es muss sichergestellt werden, dass die Kosten der Trinkwassergewinnung nach dem Verursacherprinzip auch bei Verkauf der Braunkohletagebaue durch Vattenfall oder Nachfolger gedeckt werden.
  • Das Land Berlin muss sich fĂĽr den Ausstieg aus dem Braunkohletagebau einsetzen, um den   Sulfateintrag dauerhaft zu reduzieren.
  • Berlin muss die EU-Wasserrahmenrichtlinie beachten, die eine Verschlechterung der Gewässerqualität untersagt.
Quelle: Bundesnetzagentur 2014

Kohleausstieg selber machen:

Wenn die Berliner Politik mal wieder auf der Stelle tritt, gilt es den Kohleausstieg selbst in die Hand zu nehmen. Jeder Einzelne kann durch den Wechsel zu einem Ökostromanbieter seinen Beitrag zum Kohleausstieg leisten. Wie die Bundesnetzagentur ermittelt hat, sind 79% der Deutschen bei ihrem Grundversorger – gerade mal 21% haben den Wechsel zu einem alternativen Versorger vollzogen. Dabei hat ein Wechsel auch viele finanzielle Vorteile, da Ökostromanbieter in der Regel sogar günstiger sind als konventionelle Anbieter. Weitere Infos zu Wechseloptionen und BUND-Empfehlungen finden Sie hier.

Weitere Informationen:

•    "Kohleatlas" herunterladen (PDF)
•    Faktenblatt zum "Kohleatlas" herunterladen (PDF)
•    Gedruckten "Kohleatlas" bestellen (unter "Klima & Energie")
Appell an die Bundesregierung: Kohleausstieg



Kontakt

Matthias KrĂĽmmel

Referent fĂĽr Klimaschutzpolitik

Telefon:

(030) 78 79 00-63

E-Mail: Kruemmel[at]BUND-Berlin.de

trifft sich mittwochs um 19.30 Uhr. Interessierte sind jederzeit willkommen.

Infos unter (030) 78 79 00-0 oder akklee[at]bund-berlin.de

Der "Kohleatlas" zeigt die Auswirkungen der Kohle von Klima bis Gesundheit

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