BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Mobilität will gelernt sein

© Paul-Georg Meister/pixelio

Können Kinder zur Schule laufen? Ja, sie sollen sogar, denn nur so lernen sie, sich sicher und selbstständig in der Stadt zu bewegen. Der Schulweg macht die Kinder wach und kommt ihrem natürlichen Bewegungsbedürfnis entgegen. Auf diese Weise schulen sie Motorik, schärfen ihre Sinne und erkennen räumliche Zusammenhänge. Wer Tag für Tag mit dem Elterntaxi zur Schule oder zum Kindergarten kommt, lernt das nicht.

Für viele Eltern sprechen Sicherheitsbedenken gegen einen unbegleiteten Schulweg zu Fuß, per Rad oder mit den Öffentlichen. Das ist nur allzu verständlich, denn gefährliche Straßen und Kreuzungen sind in Berlin keine Seltenheit. Allerdings kann (und muss) man mit den Kindern das Verhalten im Straßenverkehr trainieren – je mehr Übung sie haben, desto besser reagieren sie in einer gefährlichen Situation. Das gilt natürlich nicht nur für den Schulweg, sondern mehr noch für die (statistisch gesehen gefährlicheren) Freizeitwege. Die Kinder zu Fuß oder per Rad zu begleiten und mit ihnen zusammen sichere Wege festzulegen, bringt einen größeren Lerneffekt als der Unterricht auf dem Verkehrsübungsplatz. Nebenbei bemerkt: Die Fahrt zur Schule im elterlichen Auto schützt zwar die eigenen Kinder, vergrößert aber das Unfallrisiko für die anderen, die nicht gefahren werden.

Wo stehen Ampeln, welche Kreuzungen sind besonders gefährlich, wo führt ein Radweg zur Schule? Für jede Berliner Grundschule gibt es einen Schulwegplan, der den jeweiligen Einzugsbereich abbildet.

Natürlich tragen nicht nur die Eltern Verantwortung für die Sicherheit auf dem Schulweg. Der Berliner Senat hat angekündigt, vor allen Schulen, nicht nur vor den Grundschulen, Tempo 30 anzuordnen. An diesem Versprechen wird er sich messen lassen müssen. Grundsätzlich fordert der BUND, sich bei der Planung immer an den schwächsten Verkehrsteilnehmern, also den Kindern, zu orientieren.

Nachdenken über das eigene Mobilitätsverhalten

Seit 2004 sieht das Berliner Schulgesetz Mobilitätserziehung vor. Anders als der klassische Verkehrsunterricht mit der abschließenden Radfahrprüfung in der Grundschule, wo es nur um sicherheitsbewusstes und regelgerechtes Verhalten im Straßenverkehr geht, wendet sich die Mobilitätserziehung auch an Jugendliche. Dementsprechend hat sie mehr im Blick. Zum einen geht es um die eigene Rolle im Verkehrsgeschehen: Welche spezifischen Bedürfnisse haben Kinder und Jugendliche, wenn sie draußen unterwegs sind? Muss die Klassenfahrt unbedingt nach Thailand gehen? Zum anderen soll die Schule weiterführende Fragen behandeln. Welche Bedeutung hat Mobilität für die Gesellschaft? Welche Folgen hat der Verkehr für die Umwelt? Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Verkehrsmittel in ökonomischer wie ökologischer Hinsicht? Diese Fragen gilt es, den Altersstufen entsprechend zu vermitteln und durch praktische Übungen zu ergänzen: von der gemeinsamen Erstellung eines Kinderstadtplans über den Fahrradreparaturworkshop bis zu Verkehrszählungen oder Klassenausflügen per Rad oder Bahn.

Zu Fuß zur Schule

Der Aktionstag „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ findet jedes Jahr am 22. September statt - oder am darauf folgenden Montag, wenn der 22. auf das Wochenende fällt. Die Eltern werden dabei aufgerufen, das Auto stehen zu lassen und ihre Kinder zu Fuß zur Schule zu begleiten. Mehr über den Aktionstag unter www.fuss-ev.de...

Arbeitskreis Mobilitätserziehung

Der BUND hat sich mit anderen Verbänden im Arbeitskreis Mobilitätserziehung Berlin zusammengetan, um einen Beitrag zur dauerhaften Verankerung von Mobilitätserziehung in Berliner Schulen und Kitas zu leisten. Mehr unter www.mobilitaetserziehung-berlin.de...

Quelle: http://www.bund-berlin.de/bund_berlinde/home/mobilitaet/mobilitaetserziehung/