Können Kinder zur Schule laufen? Ja, sie sollen sogar, denn nur so lernen sie, sich sicher und selbstständig in der Stadt zu bewegen. Der Schulweg macht die Kinder wach und kommt ihrem natürlichen Bewegungsbedürfnis entgegen. Auf diese Weise schulen sie Motorik, schärfen ihre Sinne und erkennen räumliche Zusammenhänge. Wer Tag für Tag mit dem Elterntaxi zur Schule oder zum Kindergarten kommt, lernt das nicht.
Für viele Eltern sprechen Sicherheitsbedenken gegen einen unbegleiteten Schulweg zu Fuß, per Rad oder mit den Öffentlichen. Das ist nur allzu verständlich, denn gefährliche Straßen und Kreuzungen sind in Berlin keine Seltenheit. Allerdings kann (und muss) man mit den Kindern das Verhalten im Straßenverkehr trainieren – je mehr Übung sie haben, desto besser reagieren sie in einer gefährlichen Situation. Das gilt natürlich nicht nur für den Schulweg, sondern mehr noch für die (statistisch gesehen gefährlicheren) Freizeitwege. Die Kinder zu Fuß oder per Rad zu begleiten und mit ihnen zusammen sichere Wege festzulegen, bringt einen größeren Lerneffekt als der Unterricht auf dem Verkehrsübungsplatz. Nebenbei bemerkt: Die Fahrt zur Schule im elterlichen Auto schützt zwar die eigenen Kinder, vergrößert aber das Unfallrisiko für die anderen, die nicht gefahren werden.
Wo stehen Ampeln, welche Kreuzungen sind besonders gefährlich, wo führt ein Radweg zur Schule? Für jede Berliner Grundschule gibt es einen Schulwegplan, der den jeweiligen Einzugsbereich abbildet.
Natürlich tragen nicht nur die Eltern Verantwortung für die Sicherheit auf dem Schulweg. Der Berliner Senat hat angekündigt, vor allen Schulen, nicht nur vor den Grundschulen, Tempo 30 anzuordnen. An diesem Versprechen wird er sich messen lassen müssen. Grundsätzlich fordert der BUND, sich bei der Planung immer an den schwächsten Verkehrsteilnehmern, also den Kindern, zu orientieren.