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Tempelhofer Feld als Wiesenmeer erhalten

© Sebastian Petrich

Seit Mai 2010 erleben wir Berlinerinnen und Berliner inmitten der pulsierenden Metropole Berlin die einmalige Naturlandschaft und die beeindruckende Weite des Tempelhofer Feldes. Der BUND Berlin plädiert dafür, dieses lebendige Naherholungsgebiet in Gänze zu erhalten und zusammen mit den Berlinerinnen und Berlinern sensibel und behutsam weiter zu entwickeln.

Für die Berliner Bevölkerung war das raue, ungestaltete Flugfeld nach Öffnung des Geländes im Mai 2010 Liebe auf den ersten Blick: eine herrlich undefinierte Spielwiese für alle, die auf und mit ihr etwas unternehmen wollen. Ein Ort der persönlichen Freiheit im besten Sinne: frei von Aufmerksamkeitslenkung, frei von aufdringlichen Zusatzangeboten. Das Ergebnis: 1,6 Mio. besuchten 2011 das Feld. Warum also sollte man an diesem Ort etwas verändern, der auch im Jahr 2020 oder 2030 nichts von seinem Zauber eingebüßt haben wird?

Das Tempelhofer Wiesenmeer weist aufgrund seiner Größe und seines Vorkommens von offenen trockenwarmen Lebensräumen eine hohe Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz auf. Außer gefährdeten Wiesen- und Trockenrasenpflanzen leben dort die nach EU- und Bundesrichtlinien streng geschützten Grauammern, Braunkehlchen, Steinschmätzer und Brachpieper sowie einige Gastvogelarten (Mäusebussard, Turmfalke, Ortolan, Habicht, Waldohreule, Sumpfohreule) und rd. 250 verschiedene heimische Hummel- und Bienenarten. 25% aller Berliner Feldlerchenbrutreviere finden wir hier in den ausgedehnten Glatthaferwiesen. Warum diese vertreiben?

Das Wiesenmeer ist außerdem ein besonders bedeutsames Kaltluftentstehungsgebiet. Es kühlt in den Nachstunden über Luftaustauschbahnen die aufgeheizten Wohngebiete im Umkreis von bis zu 800 Meter. Berlins Bewohner im Klimawandel werden diese erfrischende nächtliche Abkühlung bei mehr heißen Tagen und Tropennächten und häufigeren und intensiveren Hitzeperioden noch mehr zu schätzen wissen!


Was bisher geschah:

Eine künstliche Parklandschaft als Nukleus zur Entwicklung neuer anspruchvoller Baufelder, das war die Vision der Landesplaner für das ehem. Flugfeld. Doch mittlerweile sind diese Planungen bereits wieder in den Sinkflug übergegangen.Noch bis vor Kurzem hatte der Senat hochfliegende Pläne: Das Flughafengelände Tempelhof sollte in eine künstliche Parklandschaft mit Randbebauung für Wohnen und zukunftsträchtiges Gewerbe verwandelt werden und eine Internationale Gartenbausstellung IGA-2017 das Gelände international bekannt machen. Abgerundet werden sollte das Gesamtprojekt schließlich mit einer Internationalen Bauausstellung IBA-2020.Doch im Frühjahr 2012 leitete die Landesregierung einen vorsichtigen Kurswechsel ein. Im April die Ankündigung, dass die IGA 2017 nach Hellerdorf/Marzahn verlegt wird, im August die Feststellung von Stadtentwicklungssenator M. Müller, dass die künstliche Parklandschaft „aus Kostengründen“ und weil sie das „Wohlfühl-Gefühl“ der BerlinerInnen nicht trifft abgesagt wird. Mittlerweile genießt keines der geplanten Baufelder in Politik und Verwaltung noch Priorität, selbst der Bau der Zentral- und Landesbibliothek erscheint ungewiss. Ursache für diese Planungsrevisionen waren zum einen die zunehmende Kritik der Umwelt- und Stadtentwicklungsexperten und die aufkeimenden Bürgerproteste. Zum anderen die Gesamtkosten der beabsichtigten Planungen im dreistelligen Millionenbereich.

©BUND Berlin


In welche Richtung soll es nun weitergehen?

Neue Beteiligungsformen erproben!

Für die Pflege und Weiterentwicklung des Tempelhofer Felds muss eine vorbildliche Bürgerbeteiligung verankert werden.
Der BUND fordert die Einrichtung eines Parkbeirates, dessen Aufgabe ist, die mitgestaltende Bürgerbeteiligung sicherzustellen, für Transparenz zu sorgen, auf ein faires, ergebnisoffenes Planungsverfahren zu achten und Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Felds auszusprechen.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es der für die Parkplanung zuständigen GrünBerlinGmbH nicht gelungen ist, den Bürgerwillen realistisch abzubilden. Erst ein Machtwort von Stadtentwicklungssenator M. Müller und Bürgermeister Wowereit konnte die Planungsmaschinerie stoppen. Jetzt gilt es, neue, modellhafte Beteiligungsformate für die Freiraumplanung zu entwickeln. Daran aktiv mitzuarbeiten, hat sich der BUND-Berlin für die kommenden Monate vorgenommen.

Planungsmoratorium für das Tempelhofer Feld!

Die immer noch laufenden Vorbereitungen zur Aufstellung von Bebauungsplänen sind zu Gunsten einer „Denkphase“ und dem Aufbau einer umfassenden Bürgerbeteiligung zur Zukunft des Tempelhofer Feldes zu stoppen.

Neue Prioritäten setzen!

Vorrang muss jetzt vor Allem die Sanierung des Flughafengebäudes auf Grundlage eines stimmigen Nutzungskonzepts haben.
Derzeit sind von den 300.000 qm Bruttogeschoßfläche des Flughafengebäudes lediglich 200.000qm vermietbar, weil der Rest sich noch immer im Rohbauzustand befindet. Ca. 150.000 qm sind an Unternehmen – darunter auch verschiedene  Messeveranstalter – vermietet. Den jährlichen Betriebskosten in Höhe von 10 – 12 Mio. € stehen derzeit Mieteinnahmen in Höhe von rd. 10 Mio. € gegenüber. Noch existiert kein langfristiges nachhaltiges Nutzungskonzept für Europas größtes Gebäude. Eng damit zusammen hängt auch, dass noch kein belastbares Sanierungskonzept für das ehem. Flughafengebäude vorliegt. Die Sanierungskosten werden offiziell auf „mehr als 100 Mio. €“ geschätzt, andere Kostenschätzungen kommen auf mehr als 250 Mio. €.  Fest steht jedenfalls: Jede weitere Verzögerung würde die Sanierungskosten weiter erhöhen, weshalb es jetzt Zeit ist, zu handeln. Diese Lasten dürfen nicht auch noch kommenden Generationen aufgebürdet werden!

Aufgaben für Planer neu definieren!

Der Senat hat zwei Landesplanungsgesellschaften mit der Verwaltung und Entwicklung des Flughafengebäudes und des Tempelhofer Felds betraut. Die Tempelhof Projekt GmbH und die GrünBerlin GmbH. Das Abgeordnetenhaus ist jetzt gefordert, die Aufgaben neu zu definieren. Der Senat ist aufgefordert, auf dieser Basis den Arbeitsauftrag für die beiden Gesellschaften zu formulieren.

Tempelhof Projekt GmbH
Die Tempelhof Projekt GmbH mit ihren rd. 30 Mitarbeitern sollte vorrangig die Sanierung des Flughafengebäudes in Angriff nehmen und ein tragfähigen Nutzungskonzepts für das Gebäude erarbeiten. Alle Vorbereitungsarbeiten zur Aufstellung von Bebauungsplänen müssen eingestellt werden.

GrünBerlin GmbH

Die GrünBerlin GmbH sollte sich an der Bildung eines neuen Bürger-Beteiligungsmodells zur Pflege und Entwicklung des Tempelhofer Felds aktiv beteiligen und bis dahin Alleingänge auf dem Feld unterlassen.


Wir bleiben am Ball!

Wir setzen uns für den Erhalt der Freifläche mit seinen großen Qualitäten ein, wobei eine behutsame Entwicklung in der Art jetziger Pioniernutzungen möglich ist. Dafür sind aber die Planungen zu stoppen, die eine weitgehende Umgestaltung oder Bebauung des Feldes beinhalten. Deshalb sprechen wir mit VertreterInnen aus Politik und Verwaltung, Unternehmen und Verbänden, Initiativen und Presse. In unseren Arbeitskreisen Stadtnaturschutz und Mobilität ist das Tempelhofer Feld eines unserer wichtigen Themen.
Bleiben auch Sie am Ball! Tragen Sie Ihre Standpunkte Ihrem Abgeordneten vor, machen Sie mit beim BUND oder werden Sie aktiv in den Bürgerinitiativen zum Tempelhofer Feld!



Kontakt

Tilmann Heuser

Landes-

geschäftsführer

Telefon:

(030) 78 79 00-13

E-Mail: heuser[at]BUND-Berlin.de


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