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Jugendverkehrsschulen in Berlin

Viel Verkehr in der JVS Charlottenburg ©BUND Berlin

In Berlin gibt es zurzeit 28 Jugendverkehrsschulen (JVS). Sie sind in der Regel zentraler Anlaufpunkt fĂŒr die Grundschulen, deren SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der 4. Klasse ihre RadfahrprĂŒfung ablegen mĂŒssen. Pro Jahr betrifft das ca. 1.100 Schulklassen der Klassenstufe 4 mit 24.000 Kindern.
ZusĂ€tzlich zu den morgendlichen Angeboten fĂŒr Schulklassen und Kitas sind viele JVS am Nachmittag geöffnet, damit Kinder radfahren ĂŒben können. Einige JVS haben darĂŒber hinaus weitere Angebote wie Übungsmöglichkeiten fĂŒr Migranten und Senioren sowie Aktionstage und Feste.

Noch vor zehn Jahren war die Polizei fĂŒr die Jugendverkehrsschulen und die Ausbildung der Kinder zustĂ€ndig. Dann aber wurde die ZustĂ€ndigkeit an die Bezirke ĂŒbertragen und nun ist der Betrieb der JVS in fast jedem Bezirk anders geregelt. Fast ĂŒberall wurde ein anderer BeschĂ€ftigungstrĂ€ger beauftragt, eine einheitliche Organisation gibt es nicht.

Übersicht der Berliner Jugendverkehrsschulen

Hauptproblem: Personalmangel

Es gibt große Unterschiede in der personellen Ausstattung. Die Angestellten aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen haben meist ein kurzfristiges ArbeitsverhĂ€ltnis von sechs bis zwölf Monaten, lediglich ein Bezirk hat einen festangestellten Mitarbeiter. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JVS werden also vom Jobcenter gestellt. Obwohl viele von ihnen sehr engagiert sind, haben sie in der Regel keine pĂ€dagogische Ausbildung.

In vielen Bezirken besteht massiver Personalmangel, sodass vor allem das Nachmittagsangebot des freien Fahrens stark eingeschrĂ€nkt werden musste und die JVS teilweise auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen sind. Besonders betroffen davon sind Kinder, die vor dem Beginn des Unterrichts an der JVS gar nicht oder nur unsicher radfahren können und daher noch großen Übungsbedarf haben.

Dazu kommt, dass viele JVS sanierungsbedĂŒrftig sind. Nicht nur die GebĂ€ude sind oft in einem schlechten Zustand, auch viele Fahrbahnen sind marode.

Zwar hat die Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung die Bedeutung der Jugendverkehrsschulen hervorgehoben und einen Leitfaden zur Qualifizierung und Weiterentwicklung herausgegeben. Dennoch gibt es von der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung kein Konzept zur Radfahrausbildung, obwohl es zu den schulischen Pflichtaufgaben gehört. Stattdessen verweist sie auf die ZustĂ€ndigkeit der Bezirke fĂŒr die Infrastruktur der JVS. So sind die Planung, ein kontinuierliches Arbeiten und eine qualitative Radausbildung nur schwer möglich.

UnfÀlle mit Rad fahrenden Kindern in Berlin 2013

2013 gab es in Berlin insgesamt 917 gemeldete VerkehrsunfĂ€lle mit Kindern als aktive Verkehrsteilnehmende, davon waren 475 UnfĂ€lle mit beteiligten Kindern als Radfahrende. 358  UnfĂ€lle wurden von Kindern als Radfahrende verursacht, 116 davon von 11- bis 12-jĂ€hrigen Kindern und 93 von 13- bis 14-jĂ€hrigen Kindern.

HÀufigste Unfallursachen bei UnfÀllen mit radfahrenden Kindern

‱    84% Fehler beim EinfĂ€deln in den Fließverkehr
‱    27% falsche Fahrbahnbenutzung
‱    22% ungenĂŒgender Sicherheitsabstand

Unfallentwicklung und Risiko von Rad fahrenden Kindern

Quelle: Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Umwelt. Verkehrssicherheitsbericht 2014. Berlin, Oktober 2014.

Wie die Grafik aus dem Berliner Verkehrssicherheitsbericht zeigt, haben Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren unter den Radfahrenden bezogen auf ihren Einwohneranteil das grĂ¶ĂŸte Risiko zu verunglĂŒcken und tragen das grĂ¶ĂŸte Risiko fĂŒr schwere Verletzungen. Dieser Trend hĂ€lt seit Jahren an.
Im Bericht werden die Daten jeweils fĂŒr drei Jahre gemittelt, um Besonderheiten einzelner Jahre auszugleichen.

Forderungen des BUND Berlin zu Jugendverkehrsschulen (JVS)

  • Jede JVS muss einen festen Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation haben
  • Berlinweite Standards fĂŒr die Ausstattung
  • Zentrale ZustĂ€ndigkeit fĂŒr Berlin
  • JVS sollten fĂŒr alle zur VerfĂŒgung stehen (unabhĂ€ngig von den Bezirksgrenzen)
  • Schulen sollten die JVS nutzen können, die sie am besten erreichen können
  • Alle JVS-Standorte erhalten
  • Alle drei Senatsverwaltungen mĂŒssen Verantwortung ĂŒbernehmen (Bildung, Inneres und Stadtentwicklung)
  • Finanzierung durch Senat und Bezirke gemeinsam (evtl. an SchĂŒlerzahl angepasst)





Kontakt

Martin Schlegel

Referent fĂŒr Verkehrspolitik

Telefon:

(030) 78 79 00-17

E-Mail: mschlegel[at]BUND-Berlin.de

trifft sich wöchentlich donnerstags in der BUND-LandesgeschÀftsstelle. Verkehrspolitisch Interessierte sind jederzeit willkommen.

Statement zur "Radspuren frei" Kampagne

Christian WiesenhĂŒtter, Stellvertr. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der IHK Berlin:

„Wenn sich Berlin als lebenswerte, touristisch attraktive Stadt und gleichzeitig als wettbewerbsfĂ€higer Wirtschaftsstandort weiterentwickeln soll, dann Weiter ...


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