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Brache bei Berlin Lichtenberg. Foto: ☟/flickr.com

Artenschutz in Berlin

Auch wenn es im ersten Moment paradox klingt: Die Stadt ist ein attraktiver RĂŒckzugsort fĂŒr viele Tiere, Amphibien und Insekten. Die vielen GrĂŒnflĂ€chen und GewĂ€sser aber auch gerade alte Parkanlagen und brach liegende GrundstĂŒcke bieten gute Beding- ungen fĂŒr viele Arten, fĂŒr die das Überleben in der ausgerĂ€umten und oft pestizidbelasteten Agrar- landschaft schwer geworden ist – so auch die durch Pesitzide gefĂ€hrdeten Wildbienen. Aber auch wegen der fehlenden Jagd fĂŒhlen sich viele Tiere in der Stadt sicherer.

Berlin ist eine der artenreichsten StĂ€dte der Bundesrepublik. Doch die Knappheit öffentlicher Mittel und kurzfristige Profitinteressen gefĂ€hrden in der Hauptstadt das Leben und Überleben vieler Tier- und Pflanzenarten. Ein wichtiges Beispiel sind die GebĂ€udebrĂŒter wie Spatzen, Mauersegler, Turmfalken oder FledermĂ€use die in Neubauten oder nach Sanierungen an Glas oder Betonfassaden keine LĂŒcken mehr zum BrĂŒten finden. Die Folge ist, dass in Berlin und Brandenburg immer mehr Arten vom Aussterben bedroht sind, wie ein Blick auf die Roten Listen Berlins zeigt. Auf der Seite der Senatsverwaltung Berlins fĂŒr den Bereich Stadtentwicklung und Umwelt gibt es eine Datenbank  mit den Roten Listen der in Berlin vorzufindenden Arten und deren Einstufung.

Der Biber ist eine der vielen Arten in Berlin, die zunehmend Probleme haben, sich in der Stadt zurecht zu finden. Immer wieder fĂ€llt er dem Straßenverkehr zum Opfer, vor allem im Stadtteil Spandau. Weitere Informationen zum Biber in Berlin finden Sie hier. Doch der Biber ist nicht die einzige Art, die durch den Straßenverkehr in der Stadt gefĂ€hrdet ist. Auch zahlreiche Amphibien wie zum Beispiel Kröten werden hĂ€ufig beim Überqueren von Straßen ĂŒberfahren. Mit SchutzzĂ€unen oder Krötentunneln versuchen NaturschĂŒtzer, diesem Problem zu begegnen.


Die Ursachen fĂŒr Artenschwund in der Stadt sind vielseitig

Schmucke Neubauten mit ihren glatten Beton- oder Glasfassaden bieten außerdem keinerlei RĂŒckzugsorte mehr fĂŒr Vogelarten, die an GebĂ€uden brĂŒten – wie beispielsweise der Mauersegler. Diese sogenannten GebĂ€udebrĂŒter, zu denen auch FledermĂ€use und Turmfalken zĂ€hlen, haben daher in der von Baustellen ĂŒbersĂ€ten Hauptstadt zunehmend Probleme LĂŒcken zu finden, in denen sie ihre Nester bauen können. Ein weiteres Problem stellen Glasfassaden fĂŒr Vögel da, die diese nicht sehen können und in vollem Flug gegen die Scheiben prallen. NĂ€heres zum Problem des Vogelschlags finden sie hier.

Ebenfalls im Zusammenhang mit einer stetig wachsenden und sich modernisierenden Stadt wie Berlin steht die GefĂ€hrdung vieler sogenannter Brachearten. In der Hauptstadt werden brach liegende FlĂ€chen, auf denen sich kleine Wildnisbiotope entwickeln können, zunehmend an Investoren verkauft, um ein wenig Geld in die klamme Stadtkasse zu spĂŒlen. Arten wie etwa der Brachpieper oder die Zauneidechse leiden unter der zunehmenden Bebauung.

Neben dem Straßenverkehr und der zunehmenden Bebauung und Modernisierung ist ein mangelnder Baumschutz eines der Hauptproblemfelder in Sachen Artenschutz in Berlin. Zwar gilt die Stadt als die grĂŒnste Metropole Europas – doch der Baumbestand ist auch hier gefĂ€hrdet. BĂ€ume, die Bauarbeiten oder der Verkehrssicherheit zum Opfer fallen, werden hĂ€ufig nicht ersetzt, weil die Stadtkasse dafĂŒr kaum SpielrĂ€ume lĂ€sst. Bestimmten Arten, wie den HöhlenbrĂŒtern, HolzkĂ€fern und FledermĂ€usen wird damit ihr Lebensraum genommen. NĂ€heres zum Baumschutz in Berlin finden Sie hier.

Schließlich gibt es auch das Problem der ĂŒbermĂ€ĂŸigen Pflege von GrĂŒnflĂ€chen. Leider ist es in der Regel gĂŒnstiger, den berĂŒhmten „englischen Rasen“ zu warten als aufwendiger gestaltete Anlagen. Allerdings bietet ein solch pflegeintensiver Rasen kaum geeignete RĂŒckzugsorte fĂŒr Tiere und Insekten. Arten, die unter einer solch extensiven GrĂŒnpflege in Berlin leiden, sind vor allem Insekten und Nachtigallen.

In Brandenburg hĂ€ngt der zunehmende Artenschwund nicht zuletzt mit der hohen ProfitabilitĂ€t des Anbaus von Monokulturen zur Energiegewinnung zusammen. Solche Mais- und Rapsteppiche verdrĂ€ngen auch in Brandenburg zunehmend wichtige RĂ€ume, auf denen seltene Arten gedeihen könnten. Doch vor allem ist die industrielle Landwirtschaft ganz generell ein großes Problem fĂŒr den Artenschutz in Deutschland aber auch in Brandenburg. Massiver Einsatz von hoch toxischen Pestiziden, eine ÜbersĂ€uerung des Bodens durch zu viel GĂŒlle als Erbe einer expandierten Massentierhaltung und ausgelaugte NutzflĂ€chen sind die Hauptprobleme. Weitere Informationen zu diesem Themenkomplex und welche Vorteile die ökologische Landwirtschaft fĂŒr die Umwelt und Artenvielfalt allgemein hat, finden Sie hier.


Weitere Informationen:

-    Der BUND Berlin bietet regelmĂ€ĂŸig Termine zum Bewundern der Berliner Artenvielfalt an, etwa zum Entdecken seltener Vogelarten bzw. der einzigartigen BiodiversitĂ€t auf dem Schöneberger SĂŒdgelĂ€nde, einem ehemaligen und ĂŒber die Jahrzehnte von der Natur zurĂŒck eroberten Rangierbahnhof.

-    Wenn Sie aktiv werden wollen, sind Sie herzlich eingeladen, den BUND Berlin bei einem seiner Naturschutzprojekte  zu unterstĂŒtzen.

-    Weitere Infos zum Artenschutz in Berlin finden Sie auf der Seite der Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Umwelt.



Was kann ich tun, wenn

  • BĂ€ume gefĂ€llt werden?
  • Wildschwein, WaschbĂ€r und Co auftauchen?
  • Schwalbennester abgeschlagen werden?

Am 1. Montag jeden Monats finden öffentliche Veranstaltungen zum Stadtnaturschutz statt mit folgendem Programm (download).

Sie sind herzlich eingeladen!

Kontakt

Herbert Lohner

Referent fĂŒr Naturschutz

Telefon:
(030) 78 79 00-24

E-Mail: lohner[at]BUND-Berlin.de

Schließen Sie sich der BUND-Kampagne an!


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