Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND Landesverband Berlin

ÜBER DEN WERT DER NATUR

Ökosystemleistungen werden von allen genutzt, aber von vielen nicht wertgeschätzt. Wäre es ein Ausweg, den Gegenwert der Natur in Euro und Cent zu bemessen?

Wie viel Geld ist eine Wiese wert? Für viele Menschen hängt das zunächst von der Frage ab, ob es sich um ein potenzielles Baugrundstück handelt. Seit einigen Jahren untersuchen die Wirtschaftswissenschaften jedoch, welchen Preis die Dienstleistungen haben, die ein Stück Natur erbringt. Ein Stückchen Grün in der Stadt schützt vor Hitze, säubert die Luft und beugt Überschwemmungen und Überlastung der Kanalisation vor, da das Wasser im Boden versickern kann. Was es leisten kann, hängt dabei von seiner Ausstattung ab: je artenreicher, desto nützlicher. Beispielsweise nimmt eine Wiese deutlich mehr Wasser auf, wenn sie von Regenwürmern bewohnt ist, schließlich haben sie den Boden schön aufgelockert.

Für eine fiktive Wiese in Berlin-Wilmersdorf ermittelte das Forschungsvorhaben „Naturkapital Deutschland“ einen monetären Nutzen von 2,5 Millionen Euro pro Jahr, während der Gewinn bei Bebauung nur bei 1,5 Millionen Euro liegt. Dieses Beispiel betrachtet den in Geld umgerechneten Gewinn an Lebensqualität bei der Wohnbevölkerung in der Nähe. Interessanter wird die Monetarisierung dann, wenn die Natur als Dienstleisterin ausfällt. Dann entstehen Kosten an anderer Stelle, etwa im Gesundheitssystem oder in den öffentlichen Haushalten. Die Frage ist nur, wem sie entstehen. In der Regel trifft es eher die Allgemeinheit und weniger diejenigen, die den Ausfall verursacht haben oder von ihm sogar profitieren. Etwa Baudamen und -herren, die Stadtwildnis planieren lassen, oder Agrarkonzerne, die Weideland in Mais- und Rapswüsten verwandeln.

Das Preisschild hilft nur bedingt

Wenn politische und rechtliche Entscheidungen anstehen, kann es hilfreich sein, den finanziellen Gegenwert einer Ökosystemleistung zu erfassen – vor allem dann, wenn ökonomisch gegen Umwelt- und Naturschutz argumentiert wird. Problematisch ist es jedoch, ganze Arten oder Ökosysteme mit einem Preis zu versehen. Nicht alle Teile der Natur haben einen klar erfassbaren Marktwert, viele können – glücklicherweise! – gar nicht gehandelt werden. So bleibt die Preisbildung hypothetisch und subjektiv, zumal uns immer relevante Daten fehlen werden. Und was, wenn sich herausstellt, dass eine Art (wie zum Beispiel die Großtrappe, siehe dazu Seite 7) keinen monetären Wert hat? Der Eigenwert der Natur findet in den ökonomischen Konzepten überhaupt keine Berücksichtigung. Der BUND ist dagegen, den monetären Wert von Ökosystemleistungen zur Entscheidungsgrundlage zu machen. Ökonomische Instrumente wie Steuern und Abgaben können hingegen sehr sinnvoll sein, um menschliches Handeln in eine gewünschte Richtung zu lenken.

Sinnvoll ist die Monetarisierung auch dann, wenn Menschen das Funktionieren der Natur sicherstellen. Etwa wenn die Landwirtschaft bestimmte Aufgaben übernimmt, die ihren Ertrag nicht erhöhen oder sogar verringern: Hecken pflegen, Blühstreifen im und am Feld tolerieren, mehr Abwechslung beim Anbau der Feldfrüchte walten lassen, Feuchtwiesen nicht entwässern und so weiter. Diese Leistungen müssen einen Preis haben, schließlich stellen die Bäuerinnen und Bauern damit wichtige öffentliche Güter bereit. Die derzeitige EULandwirtschaftspolitik kennt zwar das Schlagwort Greening, mit dem Maßnahmen zum Umweltschutz beschrieben werden. Aber nach wie vor werden 70 Prozent der Direktzahlungen an Landwirtschaftsbetriebe unabhängig von den landwirtschaftlichen Methoden ausgeschüttet. Viel Geld bekommt, wer viel Fläche hat, nicht aber zwingend wer viel für Biodiversität tut. Genau so müsste Agrarpolitik aber funktionieren, wenn die Artenvielfalt noch eine Chance haben soll. 

Mehr zu „Naturkapital Deutschland“ unter
www.ufz.de/teebde

BUND-Position zur Monetarisierung von Natur:
www.kurzlink.de/monetarisierung 

Autor: Sebastian Petrich

BUND-Bestellkorb