Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr
Berlin, 11. Juni 2026: Es ist eine bezirkliche Pressemitteilung, die BUND-Baumexperten Uwe Bahr aufhorchen ließ. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg meldete, dass 25 Exemplare der Rotblühenden Rosskastanie im Kreuzberger Besselpark nahe dem Checkpoint Charlie aus Gründen der Verkehrssicherheit „zeitnah“ gefällt werden müssten – also mitten in der Vegetationsperiode, in der Baumfällungen in der Regel tabu sind. Grund sei ein weit fortgeschrittener Befall mit dem Bakterium Pseudomonas syringae pv.aesculi. Obwohl die Bäume auf den ersten Blick vital wirkten und gut belaubt seien, gebe es ein erhöhtes Risiko von Ast- und Stammbruch.
Dazu erklärt Uwe Bahr, Baumexperte des BUND Berlin:
„Eine Vor-Ort-Begehung anlässlich der Mitteilung des Bezirks bestätigt den schwerwiegenden Befund. Die Bäume sehen tatsächlich zunächst gut belaubt und vital aus. Sofort sind jedoch die schweren Schädigungen der Baumrinden zu erkennen – Aufplatzungen, die die darunter liegenden Strukturen freilegen. Das Stamminnere ist erkennbar stark geschädigt, das Holz brüchig und stark verfärbt.
Diese Tatsache betrifft allerdings nicht nur die 25 in der Mitteilung genannten Rotblühenden Rosskastanien, sondern alle rund 100 Bäume dieser Sorte. Somit werden absehbar alle Bäume im Besselpark gefällt werden müssen.
Offensichtlich war es ein Fehler, den Park Ende der Achtziger Jahre mit so einer regelrechten Monokultur zu bepflanzen. Bis in die jüngste Zeit sind diese Bäume noch durch Nachpflanzungen Rotblühender Rosskastanien ergänzt worden – bis zu einem Zeitpunkt, zu dem der Befall mit dem Bakterium womöglich schon ersichtlich war.
Der bevorstehende Verlust der stark geschädigten Bäume ist äußerst bedauerlich. Der Fall ist jedoch ein Lehrstück, wie in Zukunft nicht mehr gepflanzt werden sollte. Durch lang anhaltende Trockenheit, zu starke Bodenversiegelung und mitunter zu enge Bepflanzung werden die Stadtbäume derart geschwächt, dass Baumschädlinge und Infektionen ein sehr leichtes Spiel haben.
Der Fall zeigt auch, dass allererste Priorität in Berlin der Erhalt der bestehenden Straßenbäume sein muss. Durch ausreichend Personal und Sachmittel und zügige Interventionen wie die oft dringend nötige Erweiterung von Baumscheiben. Dass mitten in der Vegetationsperiode erst der besorgniserregende Zustand der Bäume im Besselpark auffällt und sofortiges Handeln erforderlich macht, deutet auf eklatanten Personalmangel bei der Baumpflege hin. Erst wenn eine ausreichende Pflege des Bestands sichergestellt ist, kann die Neupflanzung von Bäumen einen nachhaltigen Beitrag zur Begrünung Berlins leisten.“
Die Bodenfeuchte in Berlin hat in den letzten Tagen kritische Werte für die Berliner Straßenbäume erreicht, wie die Bodenfeuchteampel zeigt. Hitze und ausgeprägte Trockenphasen sind eine starke Belastung für Straßenbäume mit ihren extremen Standortbedingungen. Jungbäume benötigen in der Anwuchsphase besonders viel Wasser und drohen abzusterben. Aber auch die Altbäume sind durch die zahlreichen Dürren der vergangenen Jahre geschwächt.
Zeigt ein Baum erste Anzeichen von Trockenstress, kann Gießen noch helfen. Diesen erkennt man daran, dass sich die Blätter einrollen und vergilben. In letzter Konsequenz werden sie abgeworfen. Das ist eine natürliche Anpassung und führt nicht zum Absterben der Pflanze. Ab diesem Punkt ist eine Hilfestellung durch Wasserzufuhr nicht mehr sinnvoll, da mit dem Laub auch das Potenzial zur Wasseraufnahme verloren geht.
Die Internetseite Gieß den Kiez gibt einen Überblick, ob Bäume in der eigenen Nachbarschaft zusätzliches Wasser benötigen könnten. Hier können auch Gießpatenschaften übernommen werden.
Kontakt:
Uwe Bahr, Baumschutzexperte BUND Berlin, Tel. 030-78 79 00 46, bahr(at)bund-berlin.de


