Bausenator Gaebler geriert sich als Tempelhofer Feldherr

28. August 2025 | Bauen, Stadtnatur, Stadtentwicklung, Flächenschutz, Klimaschutz

Weil die Bevölkerung nicht spurt, soll die Bebauung ohne sie durchgedrückt werden

Foto: LR.127 (CC BY 4.0)

Berlin, 28. August 2025: Bausenator Christian Gaebler (SPD) will für seine Bebauungsfantasien des Tempelhofer Felds nun gleich ganz die Bevölkerung außen vor lassen. „Das Gesetz in allen Ehren – aber man kann Gesetze auch ändern. Dazu braucht es keinen neuen Volksentscheid, sondern das Parlament kann das Gesetz jederzeit ändern, in zwei Lesungen“, erklärte der Bausenator nun gegenüber einer Zeitung.

Damit hält Gaebler sogar das Feigenblatt einer Volksabstimmung für überflüssig. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte kürzlich zumindest angekündigt, erneut über eine Bebauung abstimmen lassen zu wollen, blieb jedoch die Antwort schuldig, wie das technisch umgesetzt werden soll. Volksbefragungen von oben sind in der Berliner Verfassung nicht vorgesehen.

Dazu erklärt Dirk Schäuble, Referent für Naturschutz des BUND Berlin:
Die Berliner Bevölkerung hat bereits 2014 entschieden: Sie möchte das Tempelhofer Feld von Bebauung freihalten. Auch das Argument, dass diese Entscheidung bereits ein Jahrzehnt zurückliegt, verfängt nicht. Denn ansonsten beruft sich Berlin bei Neubauten im Westteil der Stadt mit dem Baunutzungsplan auf eine Planung aus dem Jahr 1958 und hält trotz aller Kritik daran fest.

Zudem ist die Ablehnung jeglicher Bebauung erst 2024 in einer Beteiligungswerkstatt mit 275 repräsentativ ausgewählten Berlinerinnen und Berlinern bestätigt worden. Die Teilnehmenden haben sich einstimmig gegen die Bebauung des Tempelhofer Felds ausgesprochen – obwohl alles darauf angelegt war, ihnen eine Zustimmung abzuringen. Da hilft es nicht, wenn der Bausenator nun erklärt, dass es sich um keine Entscheidung für oder gegen Bebauung handelte.

Halbwahrheiten verbreitet Christian Gaebler auch mit Behauptungen, dass Veränderungen  auf dem Feld nicht möglich seien. Vielmehr werden in einem demokratischen Prozess der Feldkoordination u.a. auch die Pflanzung von Bäumen organisiert. Wir möchten dringend allen Menschen empfehlen, das Faktencheckheft zu lesen, wo die vielen falschen kursierenden Behauptungen widerlegt werden.

Eine Bebauung des Tempelhofer Feldes wäre ein Fanal für die Zukunftsfähigkeit Berlins. Die Folgen der Bebauungsfantasien für Menschen, Klima und Umwelt wären fatal. Berlin muss klimafit werden. Berlin muss alle noch nicht versiegelten Flächen freihalten: Um die immer kostbarer werdenden Niederschläge im Boden versickern zu lassen. Um die immer weitere Aufheizung der Stadt zu verhindern und sie stattdessen abzukühlen. In den letzten Jahren gab es mehr Hitzetote als Verkehrstote. Und nicht zuletzt muss die Stadtnatur geschützt werden.

Für den benötigten Wohnungsbau gibt es mehr als ausreichend ungenutzte Potenziale in Berlin. Dazu zählen 1,6 bis 1,8 Millionen Quadratmeter leere Büroflächen, bis zu 30.000 illegale Ferienwohnungen, die Nutzung bereits versiegelter Flächen und Dachgeschosse und auch das Flughafengebäude selbst.“
 

Am 19. September lädt der BUND Berlin zu einer Informations- und Diskussionveranstaltung auf das Tempelhofer Feld: „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“ – Wie wertvoll ist das Tempelhofer Feld?


Zu Neubau und Mieten

Die große Leerstelle in der ganzen Bebauungs-Argumentation ist die Frage, wie sie den Berlinerinnen und Berlinern helfen sollte. Denn bis auf dem Tempelhofer Feld gebaut werden könnte, würden ein bis zwei Jahrzehnte ins Land gehen.
 
Die allergrößte Beschwernis der Bevölkerung sind die explodierenden Mietpreise. Die Mieten über Neubau regulieren zu wollen ist ein absurdes Vorgehen, das volkswirtschaftlich und vom Ressourcenverbrauch her unsinnig wäre. Die Mietpreise lassen sich durch Neubau allerdings nicht einfangen oder gar senken. Es sind die in den letzten Jahren vervielfachten Bodenpreise, die Neubaukosten und das Mietpreisrecht, die diese Entwicklung befördert haben.
 
Es bräuchte einen massiven Wohnungsüberhang in sechsstelliger Höhe, um mit simplen Marktmechanismen die Mietpreise zu stabilisieren oder zu senken. Den gab es im Nachwende-Berlin nur wegen des Absturzes des regionalen Wirtschaftsleistung und daraus folgenden schrumpfenden Bevölkerungszahlen, die diametral zu den Prognosen eines schnellen Hauptstadtbooms erfolgte. Private Marktakteure werden keinesfalls massenhaft potenziell leerstehende Wohnungen bauen.

Kontakt
Dirk Schäuble, Referent für Naturschutz BUND Berlin, Tel: 030-78 79 00-39, schaeuble(at)bund-berlin.de

 

 

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