Ende der Baumfällsaison: Erfolge und Last-Minute-Fällungen

01. März 2026 | Bauen, Bäume, Kampagne Grüne Flächen retten, Stadtentwicklung, Stadtnatur

Baumschutz-Beratung des BUND Berlin läuft auch in der Vegetationsperiode weiter

Gefällte Bäume vor der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg, Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr

Berlin, 01. März 2026: Am 28. Februar ist die Baumfällsaison zu Ende gegangen. Außer bei akuten Verkehrssicherheitsproblemen sind bis 1. Oktober Rodungen und Rückschnitte von Bäumen und Gehölzen nun in der Regel ausgeschlossen.

Baumfällfieber zum Saisonende

Gerade die letzten Tage vor dem Beginn der Vegetationsperiode am 1. März sind geprägt von intensiven Versuchen von Bauverantwortlichen, Fällungen für Baufeldfreimachungen noch auf den letzten Drücker durchzuziehen. Mit Blitzaktionen wird versucht, die Öffentlichkeit zu überrumpeln und vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor eingeschritten und überprüft werden kann, ob Artenschutz-Vorgaben tatsächlich eingehalten worden sind. Regelmäßig wird der BUND Berlin in dieser Zeit mit Anfragen so überhäuft, dass nicht jedem Fall in der wünschenswerten Intensität nachgegangen werden kann.

Artenschutz auch für Landes-Wohnungsunternehmen bindend

In zwei Fällen schob das Verwaltungsgericht Berlin nach Intervention des BUND Berlin und teilweise anderer Naturschutzverbände geplanten Rodungen einen Riegel vor. Es geht um ein Bauprojekt der Gesobau nahe dem Schlosspark in Pankow sowie der Howoge im Karlshorster Ilsekiez im Bezirk Lichtenberg. In beiden Fällen folgte das Verwaltungsgericht Berlin den Nachweisen des BUND Berlin, dass gesetzliche Artenschutz-Bestimmungen nicht erfüllt worden sind.

Diese Verfahren sind oft langwierig und binden große Kapazitäten beim BUND Berlin. Außerdem sind sie teuer – schnell kommen fünfstellige Summen zusammen. Ohne eine anhaltende Spendenbereitschaft für den Schutz der Stadtnatur wäre diese Form des Engagements nicht möglich. In der Regel wird damit jedoch nur Zeit gewonnen, um bessere Lösungen zu finden. Letztlich braucht es ein Umsteuern beim politischen Willen, den Schutz der Stadtnatur ernst zu nehmen. Der BUND Berlin will mit der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ das Bewusstsein schärfen.

Beratung ist vor allem Hilfe zur Selbsthilfe

Die BUND-Baumschutzhotline erreichen in der Regel die vielen kleineren Fälle aus allen Teilen Berlins, bei denen Bäume in Gefahr sind. „Dabei muss es nicht nur um Fällungen gehen. Auch der Schutz von Bäumen vor Beschädigungen bei laufenden Baumaßnahmen oder radikale Rückschnitte, die die Lebensfähigkeit des Baums gefährden können, sind Themen“, sagt der zuständige BUND-Experte Uwe Bahr. „Ebenso sind wir leider mit radikalen Strauchrückschnitten in öffentlichen Grünanlagen und um größere Wohnanlagen herum beschäftigt. Diese Eingriffe zerstören oftmals die Schutz-und Lebensräume von Spatzen und anderen Arten und stören die Blühzyklen etlicher Kleingehölze.“
 
„Manchmal sind wir mit einer großen Anspruchshaltung konfrontiert. Wir können vor allem beraten zur Rechtslage und Zuständigkeiten. Also Hilfe zur Selbsthilfe geben. Was wir in der Regel nicht leisten können, ist, sämtliche Schritte zu übernehmen, um Bäume möglicherweise vor der Motorsäge zu retten. Dafür sind es einfach viel zu viele Fälle in Berlin“, erläutert Baumexperte Bahr.

Wache Naturschutzbehörden sind wichtig – ein aktueller Fall aus Marzahn-Hellersdorf

Engagierte Naturschutzbehörden können Schnellschüsse verhindern. So im Falle des geplanten zusätzlichen Park-and-Ride-Platzes am S- und U-Bahnhof Wuhletal in Marzahn-Hellersdorf. Für 45 Stellplätze an der Altentreptower Straße sollten rund 40 Bäume gefällt werden. „Die Rodungen erfüllen sämtliche Vorgaben des Natur- und Denkmalschutzes“, teilte das Bezirksamt bei der Ankündigung der ursprünglich für den 21. Februar geplanten Rodungen mit.

Die Fällungen sind vorläufig abgesagt worden, nachdem die Fläche als optimaler Lebensraum für Zauneidechsen identifiziert worden ist. Nun sollen zunächst Kartierungen des Geländes und Ausgleiche für den Eingriff erfolgen. Das Bezirksamt möchte jedoch ab Oktober die Rodungen nachholen. Der BUND Berlin hält die Fläche nach einer Beschau nicht nur als Zauneidechsen-Habitat für ökologisch sehr wertvoll.

Wenn es tatsächlich einen Bedarf für zusätzliche Pendel-Parkplätze geben sollte, ließe er sich einfach durch den Bau eines Parkdecks auf der bereits bestehenden Park-and-Ride-Fläche mit rund 100 Stellplätzen realisieren. Laut Preisangaben eines Stahlherstellers dürfte der Kostenrahmen von einer halben Million Euro auch für so eine Lösung ausreichend sein. Die gedankenlose Vernichtung von Stadtnatur in Berlin muss endlich ein Ende finden!

Was für eine erfolgreiche Baumberatung wichtig ist

Erste Voraussetzung für eine erfolgreiche Beratung ist, möglichst viele Informationen zu den gefährdeten Bäumen zu liefern. Anzahl und genaue Standorte der Bäume beispielsweise. Wichtig ist auch die Frage, ob die Bäume auf Privatgrund oder auf öffentlichem Land, zum Beispiel am Straßenrand oder auf Mittelstreifen stehen. Denn das entscheidet über Zuständigkeiten und die Rechtslage.  Auch aussagekräftige Fotos der Bäume helfen bei der Einschätzung der Möglichkeiten.

„Es kann sehr hilfreich sein, Arbeiter anzusprechen, um von ihnen genauere Informationen zu den geplanten Maßnahmen zu bekommen. Dabei gilt, wie im ganzen Prozess, dass man mit einer freundlichen Ansprache in der Regel mehr erreicht, anstatt ohne Vorrede Schuldzuweisungen vorzunehmen“, sagt Bahr. Das gelte genauso für Anfragen an die bezirklichen Straßen- und Grünflächenämter oder Naturschutzbehörden.

Scheitern gehört leider zum Alltag

„Das Scheitern der Baumrettung gehört leider zu meiner Arbeit. Und leider gibt es aufgrund der Gesetzeslage viele Fälle, die von vornherein nahezu aussichtslos sind. Mit unserer Beratung gelingt es allerdings auch hin und wieder, Bäume zu retten. Da sich die Informationsbeschaffung und der Kontakt mit Zuständigen oft sehr aufwendig gestalten, können wir Anfragenden in der Regel nur das Handwerkszeug in die Hand geben, um Einfluss auf die Verfahren zu nehmen. Sie müssen sich selber organisieren, Mitstreiter finden, Druck aufbauen“, sagt Uwe Bahr.

Kontakt und weiterführende Informationen

Baumschutzexperte Uwe Bahr ist immer dienstags und donnerstags von 10 bis 11:30 Uhr unter der Nummer 030-78 79 00 46 zu erreichen. Eine alternative Kontaktmöglichkeit besteht per E-Mail: baumschutz(at)bund-berlin.de

Weitere Informationen zum Baumschutz finden sich unter folgendem Link: https://www.bund-berlin.de/mitmachen/baeumen-helfen/

Ein kleiner Leitfaden zur Baumrettung bei Bauprojekten findet sich hier: https://umweltzoneberlin.de/2022/09/30/der-fruehe-vogel-rettet-den-baum-vielleicht-ein-kleiner-leitfaden/

Kontakt:
Dirk Schäuble, Naturschutzexperte BUND Berlin, Tel. 030-78 79 00 39, schaeuble(at)bund-berlin.de
Uwe Bahr, Baumschutzexperte BUND Berlin, Tel. 030-78 79 00 46, bahr(at)bund-berlin.de
 

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