BUND Landesverband Berlin

BUND-Bilanz der letzten 5 Jahre Radverkehrsförderung

02. September 2021 | Fahrrad, Verkehr, Infrastruktur, Stadtentwicklung

Die 5. Auflage des BUND-Fahrradplans Berlin zeigt zahlreiche Fortschritte, aber auch Stagnation in einzelnen Bezirken

Info 29 / Berlin, 3. September 2021: Der Berliner Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin) hat anlässlich der Vorstellung der Neuauflage seiner Fahrradstadtpläne für Berlin und Berlin-Südwest/Potsdam eine Bilanz der Radverkehrsförderung der letzten fünf Jahre gezogen. Die neu erschienenen BUND-Fahrradstadtpläne zeigen mit ihrer intuitiven Farbsystematik, wo in Berlin gut geradelt werden kann und wo eher schlecht. Die präzise Darstellung und Bewertung aller Straßen und Wege erleichtere Radfahrerinnen und Radfahrern die Routenplanung, um gut und sicher durch Berlin zu kommen.

Der Vergleich mit der letzten Auflage der Fahrradstadtpläne aus dem Jahr 2016 zeige zudem auf, was sich konkret durch die Radverkehrspolitik des rot-rot-grünen Senats und der jeweiligen Bezirke verbessert hat. Demnach wurden in Umsetzung des neuen Mobilitätsgesetzes insbesondere in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln deutliche Fortschritte erzielt, während in Außenbezirken wie Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf der Ausbau der Radinfrastruktur weitgehend stagniere. Tempo in eine schnellere Realisierung hätten insbesondere die in Pandemiezeiten angelegten Pop-Up-Radwege gebracht, die nun verstetigt werden.

Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des BUND Berlin: „Der Ausbau einer attraktiven und sicheren Radverkehrsinfrastruktur in Berlin nimmt nach fünf Jahren rot-rot-grüner Koalition endlich Tempo auf. Gemessen an den Erwartungen an die Regierungskoalition und den Zielen des Mobilitätsgesetzes ist zwar zu wenig passiert, allerdings besteht durch den erfolgreichen Aufbau von Planungskapazitäten im Senat, einigen Bezirken und der Infra-Velo GmbH, die Bereitstellung der notwendigen Haushaltsmittel und der fortlaufenden Optimierung von Planungsprozessen in der kommenden Legislaturperiode die Chance, zügig die Planungen für das Berliner Radverkehrsnetz tatsächlich auf die Straße zu bekommen. Um lange Umsetzungszeiten zu überbrücken und kurzfristig Verbesserungen für den Radverkehr zu erreichen, sollte auch weiterhin das Instrument der Pop-Up Radstreifen genutzt werden. Jedoch müssen auch diejenigen Bezirke, die bisher wenig Engagement zeigen, endlich ihre Widerstände gegen den Ausbau einer sicheren Radinfrastruktur auch zu Lasten des ruhenden Autoverkehrs aufgeben.“

Fortschritte und Stagnation in den Bezirken

Tilo Schütz, Radverkehrsexperte des BUND und Verfasser des Fahrradplans: „Das Tempo beim Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur hängt in Berlin maßgeblich von den Bezirken ab. Während insbesondere in den Innenstadtbezirken dank engagierter Bezirksstadträte und Planer teilweise in kurzer Zeit erhebliche Fortschritte für einen sicheren und attraktiven Radverkehr erzielt werden konnten, stagniert in anderen Bezirken der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur.“

In den Innenstadtbezirken fallen im Vergleich der BUND-Fahrradstadtpläne von 2016 und 2021 insbesondere zahlreiche neue Radstreifen auf - hier gab es auch einen Schub durch die Pop-Up-Radstreifen, die nun verstetigt werden. Hervorzuheben sind hier die Kantstraße in Charlottenburg, die Uferstraßen entlang des Landwehrkanals und der Kottbusser Damm in Kreuzberg und die Danziger Straße in Prenzlauer Berg. Der Tempelhofer und Mariendorfer Damm hat auf 3 km Länge Radstreifen erhalten. Diese für den Berliner Süden so wichtige Maßnahme ist dem Schienenersatzverkehr der BVG für die U 6 zu verdanken. Senat und Bezirk haben den Fortbestand der Radstreifen bis zu deren endgültiger Ausgestaltung zugesagt.

Außerdem wurden zahlreiche neue Fahrradstraßen im Bereich der Inneren Stadt angelegt. Hier sind insbesondere die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg (Weidenweg, Rigaer Str., Körtestr., Mariannenstr., Grimmstr.) und Neukölln (Weserstr, Herfurthstr., Weigandufer) hervorzuheben. Auch in Mitte sind im Zuge der vom BUND 2016 vorgeschlagenen Vorrangroute vom Schlossplatz nach Tegel Asphaltierungen und Fahrradstraßen geplant und teilweise in der Umsetzung. Pankow hat sich nach der Ossietzkystraße und der Stargarder Straße einen festen Fahrplan für weitere Fahrradstraßen gegeben.

Als ein Beispiel für Bezirke, die ihre Potenziale bislang unzureichend ausschöpfen, ist dagegen Steglitz-Zehlendorf genannt. Dieser Bezirk ist in der nun ebenfalls erschienenen 2. Auflage des BUND Fahrradplans Berlin-Südwest/Potsdam dargestellt. Neben Radwegsanierungen und Asphaltierung einer Anzahl von Nebenstraßen des bezirklichen Routennetzes wurde hier der Straßenzug Lauenburger Straße – Sedanstraße auf Initiative des BUND als Fahrradstraße ausgewiesen. Weitere Fahrradstraßen, für die es in vergangenen Legislaturperioden Prüfaufträge der BVV gab, sind bislang nicht weiter verfolgt worden (Hochbaumstr., Altdorfer Straße, Markelstr. Anhaltiner Straße).

Auch die Anordnung von Radstreifen an Hauptverkehrsstraßen kommt in Steglitz-Zehlendorf kaum voran. Mehrere intensiv diskutierte Planungen wurden nicht umgesetzt, so Radstreifen in der Birkbuschstraße (zugleich Teil des bezirklichen Routennetzes), der Mühlenstraße oder auch der Lindenthaler und Argentinischen Allee im Zuge des sog. Pedelec-Korridors (Projekt Pedelec-Pendeln) von Kleinmachnow nach Zehlendorf. In allen diesen Fällen scheute man die Inanspruchnahme von Autostellplätzen.

Tilo Schütz: „Fahrradstraßen sind der Königsweg bei der Radverkehrsförderung. Sie sind ein zentrales Element für die Verkehrswende und motivieren viele Menschen zum Umstieg vom Auto aufs Rad, Der BUND möchte die zögerlichen Bezirke ermuntern, mehr und schneller Fahrradstraßen anzuordnen. Die zügige Realisierung von sicheren Radstreifen und Fahrradstraßen bedarf allerdings einer engagierten Bezirkspolitik. Entscheidend für die Umsetzung ist – nachdem die rot-rot-grüne Regierungskoalition in den letzten fünf Jahren die Planungskapazitäten und Haushaltsmittel für den Radverkehr massiv aufgestockt hat – der politische Wille in den Bezirken.“

BUND-Fahrradpläne

Titelblatt der Fahrradkarten als jpg zum Download

Entwicklung der Radwegeinfrastruktur zwischen 2016 und 2021 in Friedrichshain-Kreuzberg

Potentielle Fahrradstraßen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf

 

 

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