Bundestagsabgeordnete Annika Klose (SPD) nennt Zustand des Grundwassers „besorgniserregend“

24. Juli 2025 | Grundwasser, Wasser

Politikerin informierte sich bei Beprobung durch den BUND Berlin in Mitte

Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr

Berlin, 24. Juli 2025: Im Rahmen einer öffentlichen Beprobung durch den Umweltverband BUND Berlin informierte sich die Berliner Bundestagsabgeordnete Annika Klose (SPD) über die Qualität des Berliner Grundwassers. Die Beprobung fand diesen Donnerstagmittag an einer Schwengelpumpe am Reichstagufer direkt vor dem ARD-Hauptstadtstudio statt. Der Standort liegt in Annika Kloses Wahlkreis in Berlin-Mitte.

Direkt vor Ort wurden elektrische Leitfähigkeit, Temperatur, Sauerstoffgehalt und pH-Wert festgestellt. Eine Wasserprobe wird auch auf die Ewigkeitschemikalien PFAS getestet. Dies kann allerdings nur in einem Labor erfolgen, so dass diese Ergebnisse erst später vorliegen werden.

Die vor Ort durchgeführten Messungen des Grundwassers zeigen zum Teil besorgniserregend schlechte Werte:
 

  • Die elektrische Leifähigkeit lag mit 1200 Mikrosiemens über den natürlich vorkommenden Werten von 500 bis maximal 1000 Mikrosiemens im Berliner Bereich. Das ist ein Indikator für einen zu hohen Salzgehalt.
     
  • Fast doppelt so hoch wie die natürlichen Werte war auch die gemessene Temperatur des Grundwassers von 16,7 Grad. Unter natürlichen Bedingungen liegt die Grundwassertemperatur in Berlin bei acht bis neun Grad.
     
  • Gering war auch der Sauerstoffgehalt von 1,8 Milligramm pro Liter sowie der pH-Wert von 5,4. Damit ist das Grundwasser etwas saurer als die für Berlin üblichen Werte von 6,5 bis 8,5 pH. Das kann aber an den im Boden vorhandenen Huminstoffen liegen, die ein Erbe der einstigen Sümpfe und Moore im Gebiet sind.


Diese Werte liegen auch zum Teil deutlich über denen, die bei einer Messung an der selben Schwengelpumpe im Januar dieses Jahres erfasst worden sind.

Die Aktion wurde von Christian Schweer, Wasserexperte des BUND Berlin, sowie Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Wasser des BUND durchgeführt. Das Wasser wird dort aus 22 Meter Tiefe und damit aus dem zweiten Grundwasserleiter gefördert.

Die Überwärmung des Grundwassers ist eine ernsthafte Bedrohung für das dortige Leben.
„Das ist für die Tiere im Grundwasser ein ganz schöner Stress. Das wäre so, als ob wir Menschen immer bei über 40 Grad leben müssten. Bei 20 Grad Grundwassertemperatur stirbt die Hälfte der Hüpferlingpopulation innerhalb von fünf Tagen. Andere Grundwassertiere sterben bereits bei niedrigeren Temperaturen. Dabei haben sie eine wichtige Rolle. Sie reinigen das Grundwasser von Verunreinigungen und halten auch die Porenräume im Boden offen, so dass das Wasser auch versickern kann“, sagte Christian Schweer bei dem Termin.

Das ist wirklich sehr besorgniserregend. Und mir war auch nicht bewusst, dass die Temperatur im Untergrund eine derartige Problematik ist“, sagte die Bundestagsabgeordnete Annika Klose (SPD) zu den Befunden. „Das ist für mich ein Anlass, mich mehr mit dieser Thematik zu beschäftigen“, so Klose weiter.

Die Wärme wird durch Fundamente, Tiefgaragen, Versorgungsleitungen, Tunnels und Bodenversiegelung in den Untergrund getragen. Abhilfe würde neben der Entsiegelung von Flächen der Entzug von Wärme zur Beheizung von Gebäuden schaffen. Damit könnten gleichzeitig CO2-Emissionen reduziert werden.

Gabi Jung, Geschäftsführerin des Landesverbands Berlin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin), sagte bei der Beprobung: „Grundwasser ist die Lebensgrundlage für uns alle. Wir müssen es unbedingt schützen. Wir müssen darauf achten, dass es nicht verunreinigt wird. Aber auch die zunehmende Erwärmung des Grundwassers ist ein Thema. Beide Faktoren sind nicht nur schlecht für die Wasserqualität, sondern auch die Biodiversität.

Letztendlich brauchen wir den Schutz auf allen Ebenen. In Berlin, im Bund und auch auf EU-Ebene. Wir als BUND setzen uns dafür ein.

Grundwasser erholt sich auch nicht so schnell. Was wir jetzt an Schaden anrichten, das wird uns ewig begleiten.“

Jung appellierte an die SPD-Politikerin Annika Klose. „Unterstützen Sie uns bitte bei den Bemühungen, einmal auf EU-Ebene, dass wir eine gute Wasserrahmenrichtlinie bekommen. Unterstützen Sie uns bitte auch auf Bundesebene bei der Arbeit an der Wasserstrategie. Strategien und Richtlinien sind das eine, aber fast noch wichtiger ist, dass sie auch umgesetzt werden. Damit wir die Lebensgrundlage Wasser erhalten.“

Ulrike Kallee, Abteilungsleiterin Stoffe & Technologien beim Bundesverband des BUND, sagte im Rahmen der Probennahme:
„Wir haben ja immer den Eindruck, dass wir in einem wasserreichen Land leben. Das war sicherlich auch mal so, das hat sich aber geändert. Unsere aktuelle Studie Grundwasserstress in Deutschland zeigt, dass das Grundwasser in mehr als der Hälfte der Landkreise unter Druck ist. Das heißt, dass die Grundwasserspiegel gesunken ist oder das Grundwasser strukturell übernutzt wird. Das gilt fast flächendeckend in Berlin und Brandenburg.

Wir müssen wieder zusehen, dass das Grundwasser auch nachgebildet wird. Wir brauchen Schwammstädte, Schwammlandschaften.

Wir müssen das Grundwasser auch vor Verschmutzung bewahren. Dazu gehören Nitratbelastungen, für die zu einem Großteil die Landwirtschaft verantwortlich ist.

Wir nehmen deutschlandweit Trinkwasser- und Grundwasserproben, um festzustellen, wie sehr diese mit Ewigkeitschemikalien belastet sind. Dabei geht es um PFAS. Bei diesen Industriechemikalien handelt es sich um Fluorverbindungen. Die werden in der Natur nicht abgebaut. Das heißt, sie sind quasi ewig da. Und wir finden sie eben auch jetzt schon im Trinkwasser und im Grundwasser. Und sie werden nicht mehr weggehen. Deswegen brauchen wir dazu ganz dringend Gesetzgebung. Und das ist ein Grund, warum wir auch auf dieses Problem hinweisen wollen. Die Ergebnisse werden wir im Herbst veröffentlichen.“

Wie so eine Beprobung des Grundwassers abläuft, können Sie in diesem Beitrag nachlesen.

Kontakt
Christian Schweer, Referent für Gewässerschutz BUND Berlin, schweer(at)bund-berlin.de

 

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb