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BUND Landesverband Berlin

BUND: Berlin muss Grenzen des Siedlungsflächenwachstums definieren

20. Mai 2019 | Artenvielfalt, Bäume, Flächenschutz, Immer.Grün, Stadtentwicklung, Stadtnatur, Umweltgerechtigkeit

Info 17 / Berlin, 20. Mai 2019: Der Berliner Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin) begrüßt die von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz vorgelegte „Charta für das Berliner Stadtgrün“. Mit dieser Selbstverpflichtung von Senat, Abgeordnetenhaus und Bezirken sollen konkrete Ziele und Leitlinien definiert werden, um Berlin als grüne Metropole zu erhalten und die grünen Qualitäten möglichst auszubauen. Der Umweltverband ruft alle Berlinerinnen und Berliner dazu auf, sich am Online-Dialog unter meingruenes.berlin.de zu beteiligen und sich für einen wirksamen Schutz von Natur und Biodiversität sowie grünen Freiflächen in Berlin einzusetzen.

Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des BUND Berlin: „Der Erhalt und die Sicherung der grünen Infrastruktur müssen die gleiche Priorität bekommen wie der Ausbau des Wohnungsangebots und der Umbau der Verkehrsinfrastruktur. Mit einem zunehmenden Verlust des Stadtgrüns verliert die Stadt ihre Lebensqualität für Mensch und Natur und wird zum unwirtlichen Ort für Alle. Berlin muss daher sein grünes Erbe für die Erholung, ein verträgliches Stadtklima und den Erhalt der Artenvielfalt schützen und weiterentwickeln. Wir begrüßen daher grundsätzlich die im Entwurf der Charta definierten Ziele. Ob sie erreicht werden, hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die im Handlungsprogramm vorgeschlagenen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden.“

Der Entwurf der Charta für das Berliner Stadtgrün weist nach Auffassung des BUND Berlin grundsätzlich in die richtige Richtung. Das im Landschaftsprogramm definierte Grundgerüst an grüner Infrastruktur soll gesichert und ausgebaut, die Grünpflege verbessert und ihre Qualität durch zusätzliches Personal und Sachmittel sowie eine bessere Einbindung des Engagement der Berlinerinnen und Berliner verbessert werden.

Insbesondere zum Schutz der grünen Freiflächen wie Parks, Wälder, ökologisch wertvollen Brachen, Friedhöfe, Kleingärten, Weide- und Landwirtschaftsflächen sowie naturnahen Gewässerstreifen müsse jedoch eine verbindliche und langfristige Flächensicherungsstrategie definiert werden. Dazu bedürfe es neben dem Aufkauf ökologisch wertvoller Flächen durch das Land auch einer Weiterentwicklung der rechtlichen Sicherungsinstrumente.

Für zusätzlichen Wohn- und Gewerberaum müsse insbesondere die vorhandene Siedlungs- und Verkehrsfläche intensiver genutzt werden. Zwar enthalte der Entwurf des Stadtentwicklungsplans Wohnen einen Strategiewechsel dahingehend, dass verstärkt Ausbau- und Qualifizierungspotentiale auf versiegelten Flächen genutzt werden sollen. Jedoch lägen die Schwerpunkte der politischen Diskussion und des Verwaltungshandelns weiterhin auf der Bebauung sogenannter „ungenutzter“ grüner Freiflächen.  

Tilmann Heuser: „Die immer wiederkehrende Diskussion um die Bebauung des Tempelhofer Feldes und anderer großer grüner Freiflächen macht deutlich: Für zahlreiche politische Akteure sind Grünflächen vor allem potenzielles Bauland, nicht aber wertvolle und unabdingbar zu schützende Infrastruktur. Statt immer wieder in mühsamen Kompromissen bei einzelnen Bauflächen zu retten, was zu retten ist, ist ein gesamtstädtischer Aushandlungsprozess darüber notwendig, wo in Zukunft noch – unter Beachtung hoher ökologischer Standards - gebaut werden soll und wo nicht. Da Fläche nicht vermehrbar ist, müssen die Grenzen des Siedlungsflächenwachstums verbindlich festgelegt werden“.

Zudem müssten Naturschutzbehörden und Grünflächenämter deutlich gestärkt werden, um die grüne Infrastruktur wirksam zu schützen und ihre ökologischen Qualitäten sowie die Artenvielfalt durch naturnahe Pflege zu erhöhen. Die im Handlungsprogramm der Charta bisher vorgeschlagenen drei Stellen pro Bezirk seien dafür noch nicht ausreichend.

Eine Stärkung der Grünverwaltung sei zudem notwendig, um entsprechend der Ziele der Charta auch das Stadtgrün jenseits der grünen Freiflächen zu bewahren und weiterzuentwickeln. Der Verlust an Straßenbäumen in den letzten Jahren sei durch ein ehrgeiziges Pflanzprogramm auszugleichen. Die Begrünung von Fassaden und Dächern von Gebäuden sowie die Entsiegelung von Innenhöfen und Parkplätzen leiste einen entscheidenden Beitrag für ein verträgliches Stadtklima und die Sicherung der Artenvielfalt in der Stadt, erfordere aber auch eine entsprechende Rahmensetzung und Unterstützung durch Land und Bezirke.

Christian Hönig, Referent für Baumschutz des BUND Berlin: „Grün in der Stadt ist angesichts zunehmender Hitzebelastung durch den Klimawandel die beste und wirksamste Klimaanlage. Durch das vielfältige Grün ist Berlin zudem ein Hotspot der Artenvielfalt. Was in anderen Metropolen mühsam geschaffen werden muss, gibt es hier frei Haus. Berlin kann nur gewinnen, wenn es seine grünen Qualitäten ausbaut und entsprechend investiert. Entscheidendes Kriterium für die abschließende Bewertung der Charta für das Berliner Stadtgrün ist für den BUND Berlin daher, wie das vorgelegte Handlungsprogramm bei den Beratungen des Doppelhaushaltes 2020/21 mit Finanzmitteln und Personalstellen unterlegt wird. Denn gute Absichtserklärungen für den Schutz von Natur und Artenvielfalt hat Berlin genug, entscheidend ist, dass endlich deren Umsetzung energisch vorangetrieben wird.“   

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Christian Hönig, Referent für Baumschutz des BUND Berlin              fon: (030) - 78 79 00-58
Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des BUND                             mobil: 0177- 78 79 013

 

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