Berlin, 22. Juli 2025: Friedrichshain-Kreuzberg ist der am dichtest besiedelte und am stärksten versiegelte Berliner Bezirk. An einem heißen Sommertag kann es dort bis zu elf Grad heißer werden als im Umland. Die Bezirkspolitik reagiert unter anderem mit der Entsiegelung von Flächen und dem Aufstellen von aus Dachabwässern gespeisten öffentlichen Regentonnen.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat am heutigen Dienstag den Bezirk besucht, um sich Maßnahmen persönlich zeigen zu lassen. Neben zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus dem Bezirk war auch Verena Graichen, Bundes-Geschäftsführerin Politik des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor Ort.
Verena Graichen, Geschäftsführerin Politik des BUND-Bundesverbands, erklärt: „Friedrichshain-Kreuzberg ist ein echter Vorreiter bei der Klimaanpassung in Berlin und darüber sind wir sehr froh. Der anstehende Doppelhaushalt für 2026 und 2027 ist eine Gefahr dafür. Es sorgt uns in Berlin sehr zu sehen, wie stark auf Landeseben die Gelder für Umwelt- und Klimamaßnahmen gekürzt werden. Die Kürzungen gehen so weit, dass teilweise keine Fördermittel des Bundes oder der EU beantragt werden, da der Eigenanteil des Landes Berlin fehlt.
Klimaanpassung benötigt viele kleinteilige Maßnahmen. Allerdings lässt sich so mit verhältnismäßig wenig Geld viel Wirkung erzielen. Ein Beispiel sind die öffentlichen Regentonnen, von denen inzwischen einige im Bezirk aufgestellt worden sind. Sie sorgen nicht nur dafür, dass das immer wertvoller werdende Niederschlagswasser nicht ungenutzt in der Kanalisation landet. Sie ermöglichen auch die nachhaltige Bewässerung des in der Klimakrise immer wertvolleren Stadtgrüns.
Beschattung und Verdunstung senken die Temperaturen. Straßenbäume sind in dieser Situation ein Schatz für die Menschen. Dass die Straßenbäume den Stürmen nicht standhalten liegt auch daran, dass sie total gestresst sind. Gießen ist da ein wichtiger Punkt.
Die Berlinerinnen und Berliner wissen das und viele übernehmen auch sogenannte Gießpatenschaften. Es sollte ihnen so einfach wie möglich gemacht werden. Da hilft es, wenn man die vier Gießkannen an der Regentonne auf dem Bürgersteig füllen kann und sie nicht aus dem vierten Stock im Altbau ohne Fahrstuhl herangeschafft werden müssen. Zudem wird wertvolles Trinkwasser gespart.
So eine Regentonne am Straßenrand wirkt ein bisschen unspektakulär. Doch am Ende ist auch deren Aufstellung und ihr Anschluss an das Fallrohr vom Dach eine ressortübergreifende Frage und das ist Teil der Schwierigkeit. Für Klimaanpassung benötigt es nicht nur den Willen der für Umwelt zuständigen Verwaltung. Es geht immer gleich um Genehmigungen, um die Verteilung des Straßenraums.
Für die Klimaanpassung brauchen wir in Berlin diese vielen kleinen, oft von bürgerschaftlichem Engagement getragenen Initiativen. Politik und Verwaltung auf Landes- und Bezirksebene müssen daneben auch die bestehenden Grünflächen sichern und weitere schaffen, in dem Beton und Asphalt wo immer möglich, aufgebrochen werden.“
Die vom BUND Berlin im Auftrag des Bezirks betriebene Koordinierungsstelle Umweltbildung berät Initiativen, die Interesse haben, in ihrem Kiez eine öffentliche Regentonne aufzustellen. Die Kontakte sind auf der Homepage zu finden.
Kontakt:
Anne Käsinger, Projektkoordinatorin Koordinierungsstelle Umweltbildung in Friedrichshain-Kreuzberg, kaesinger(at)bund-berlin.de


