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Berlin, 9. Juli 2025: Mit großer Verwunderung nimmt der BUND Berlin die Pressemitteilung des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf zur Kenntnis, der zufolge die Straßenbahnplanung auf der Mierendorffinsel angeblich Stadtklima und Gesundheit gefährden soll. Dabei handelt es sich um einen Teil der geplanten Verlängerung der Tram M10 vom U-Bahnhof Turmstraße bis zum S+U-Bahnhof Jungfernheide.
Es müssten, so die Behauptung, für die geplante Strecke über die Kaiserin-Augusta-Allee, die Osnabrücker Straße und den Tegeler Weg viele Straßenbäume gefällt werden. Gefordert wird eine Umlegung der Strecke in Lise-Meitner- und Olbersstraße, da dort nur junge Bäume betroffen seien, in der Folge der stadtklimatische Einfluss geringer sei. Zitiert wird in der Pressemitteilung Umwelt- und Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne).
Die Einlassungen des Stadrats sind aus Sicht des BUND Berlin gleich aus mehreren Gründen verwunderlich. Denn einer aktuellen Antwort der Senatsmobilitätsverwaltung auf eine Schriftliche Anfrage zufolge müssen auf der Kaiserin-Augusta-Allee laut aktuellem Planungsstand für die Straßenbahn genau zwei Bäume gefällt werden, auf dem Tegeler Weg „einige Bäume“ auf dem Mittelstreifen. Geplante Baumfällungen am Spreeufer des Tegeler Wegs haben mit dem Bau der Straßenbahn nichts zu tun, sondern sind im Zuge der Ufersanierung vorgesehen.
Die vom Bezirksamt vorgeschlagene alternative Streckenführung würde hauptsächlich Gewerbe- und Kleingartenflächen erschließen statt tausende Einwohner*innen. Damit könnte es auch eng für die Wirtschaftlichkeit werden und die Bundeszuschüsse, die bis zu 75 Prozent der Baukosten betragen. Zumal ein kompletter Neustart der Planungen nötig wäre, was sechs Jahre Zeitverzögerung für die Realisierung der wichtigen Tramstrecke bedeuten würde.
Bemerkenswert ist ebenfalls, dass das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zur Zeit der Trassenfindung keinerlei Einwände gegen die nun geplante Streckenführung hatte. Das geht aus der Antwort auf eine Schriftliche Anfrage von 2024 hervor Zu diesem Zeitpunkt war Schruoffeneger bereits Stadtrat im Bezirk.
Dazu erklärt Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin: „Der BUND Berlin macht es sich wahrlich nicht leicht bei der Abwägung von Baumfällungen für neue Straßenbahnstrecken. In diesem Fall sind für den Bau der Tramstrecke bei weitem nicht so viele Baumfällungen nötig, wie Stadtrat Schrouffeneger suggeriert. Trotzdem ist jeder verlorene Baum ein großer Verlust. Für den BUND fällt die Entscheidung in der Gesamtschau für die neue Strecke aus, weil sie ein großer Gewinn für die Verkehrswende ist. Und weiterhin ringen wir um jeden Baum, der durch Planungsanpassungen noch vor der Fällung gerettet werden kann.
Dass sich nun ausgerechnet ein Bezirksstadtrat der Grünen dem nötigen schnellen Ausbau der Straßenbahn in Berlin in den Weg stellen will, ist äußerst bitter. Er reiht sich damit, ob gewollt oder nicht, in die Reihe der Verkehrswende-Blockierer vornehmlich der CDU, aber auch in Teilen der SPD ein.“
Kontakt:
Gabi Jung, Geschäftsführerin BUND Berlin: 0178-631 00 32, jung(at)bund-berlin.de


