BUND Landesverband Berlin

Schluss mit dem Abholzen der grünen Innenhöfe!

28. September 2022 | Artenvielfalt, Bauen, Bäume, Flächenschutz, Immer.Grün, Klimaschutz, Stadtentwicklung, Stadtnatur

Andere Möglichkeiten zur Wohnraumschaffung müssen unbedingt primär genutzt werden

Gemeinsame Pressemitteilung des Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung

Info 26/ Berlin, 28.09.2022: Anlässlich der am 01. Oktober beginnenden Fällperiode blicken das Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung (BBNS), der BUND Berlin, der NABU Berlin und Architects for Future Berlin mit Sorge auf die bevorstehenden Monate und befürchten, dass sich der Trend zur Rodung und Bebauung grüner Höfe weiter fortsetzt. Viele  Bäume und Grünflächen sind akut gefährdet.

Und das, obwohl im Land Berlin seit 2019 die vom Senat ausgerufene Klimanotlage besteht. Auch die vergangenen Monate haben gezeigt: Die Berliner leiden zunehmend unter der Hitze und mangelndem Niederschlag. Die Daten bestätigen, dass dieser Sommer einer der heißesten, trockensten und sonnenscheinreichsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Bis 2030 will Berlin das Ziel der Netto-Null-Versiegelung erreichen. Dennoch betoniert der Senat grüne Innenhöfe,  Spielplätze und andere sozial genutzte Freiflächen bis zur Höchstlast zu.

Davon sind insbesondere grüne Höfe im Osten Berlins betroffen. Da die DDR-Bauplanung vom Senat nicht anerkannt wird und neue Bebauungspläne bislang fehlen, werden die ursprünglich als Frei- und Grünflächen vorgesehenen Innenbereiche von Wohnanlagen seit einigen Jahren sukzessive bebaut. Mit verheerenden Folgen: Das Abholzen von in Jahrzehnten gewachsenen Bäumen und Sträuchern mindert die Lebensqualität der Menschen und schwächt die Klimaresilienz der Stadt.

Deshalb fordern wir mit allem Nachdruck vom Senat und den Bezirken:

  1. Keine Rodung und Bebauung  von Grünflächen, sozial genutzten Freiflächen und grünen Innenhöfen - Erlass eines Moratoriums durch den Senat, 
  2. Ausschöpfen aller anderen Möglichkeiten zur Wohnraumschaffung vor Neuversiegelung,
  3. Überprüfung aller Neubaupläne auf Klimatauglichkeit.

„Die Innenhöfe haben nicht nur erhebliche Bedeutung für Klimasicherheit und Artenvielfalt, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt und aktive Nachbarschaften in der Hauptstadt. Als Bündnis von Bürgerinitiativen fordern wir deswegen seit Langem die echte, konsequente Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner im Rahmen von Bauprojekten. Begrünte Höfe, Parks, Grünflächen und Spielplätze sind kein Bauland. Sie sind für unsere Zukunft essenziell und müssen geschützt und ausgeweitet werden.“, so die Sprecherin des Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung, Britta Krehl.

Carola Krauss, Mitglied im NABU Landesvorstand Berlin, pflichtet bei und ergänzt: "Solange nicht alle anderen Potenziale auf bereits versiegelten Flächen ausgeschöpft sind, dürfen begrünte Innenhöfe nicht bebaut werden. Auch wenn in den Höfen zumeist eher häufige Vogel- und andere Tierarten vorkommen, sind sie für viele Anwohner*innen doch ein wichtiger und mitunter der einzige erreichbare Ort, der ein Naturerleben möglich macht.“ 

Theresa Keilhacker, Präsidentin der Architektenkammer Berlin, zeigt mögliche Schritte hin zu einem zukunftsfähigeren Umgang mit den unterschiedlichen Notwendigkeiten in der Hauptstadt auf: „Wir brauchen qualifizierte B-Pläne, um begrünte Höfe in verdichteten Gebieten als grüne Lungen für das Stadt- und das soziale Klima zu schützen. Dachaufstockungen, durch gezielte Förderprogramme bezahlbar gemacht, können auch ein Weg aus diesem Dilemma sein.“

Ida Duge von der Architects for Future Ortsgruppe Berlin sagt: „Naturräume sind ein wesentlicher Bestandteil einer klimaresilienten Stadt und besonders wichtig für die Gesundheit ihrer Bewohner:innen. In die Breite zu verdichten nimmt das Potenzial für die Erhaltung dieser Lebensgrundlage. Ökologische Nachverdichtung ist wichtig und sollte vor allem in die Höhe passieren. Dabei geht es nicht darum, jegliche Baumaßnahmen zu verhindern, sondern darum, eine soziale und ökologische Verbesserung der Gesamtsituation im Mehraugenprinzip zu prüfen und zu erzeugen.“

„Klimakrise und Artensterben werfen ihre Schatten auf die Stadtentwicklung. Leider sind es keine kühlenden Schatten. Die meisten Städte stehen vor dem Problem, dass sie mehr Grünflächen schaffen und mehr Bäume pflanzen müssen. Berlin ruht sich auf seinem Ruf aus, die grüne Metropole Europas zu sein. Mit diesem Pfund wird schnell gewuchert, noch schneller ist es verspielt. Wer mehr Wohnungen bauen will, muss auch dafür sorgen, dass es für die Menschen ausreichend Freiflächen gibt. Die Gleichzeitigkeit von baulicher und grüner Entwicklung ist ein zentraler städtebaulicher Ansatz, der nicht  aufgegeben werden darf. Dabei wird Berlin noch richtig viel bauen müssen, und nicht nur Wohnungen. Die Stadt muss entsiegelt werden, um Regen speichern zu können, die noch bestehenden Lebensräume von Tieren und Pflanzen müssen aufgewertet und miteinander vernetzt werden. Das betrifft nicht nur die Innenhöfe, sondern auch die Parks, Friedhöfe, Brachen und anderen Freiflächen der Stadt. Berlin liegt da weit zurück, es braucht ein neues Konzept und neue Regeln.“, sagt Christian Hönig, BUND Fachreferent für Baumschutz.

Das Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung vereint derzeit 30 Bürgerinitiativen, die sich in ganz Berlin mit Nachverdichtung und Versiegelung konfrontiert sehen und für eine nachhaltige Stadtentwicklung eintreten. Mehr unter www.nachhaltigestadtentwicklung.berlin

Der BUND e. V. (Landesverband Berlin) arbeitet wirtschaftlich, parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Er versteht sich als unabhängiger Anwalt der Natur, ist basisdemokratisch organisiert und dient ausschließlich gemeinnützigen Zwecken. Unser Ziel ist es, die natürlichen Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen zu erhalten. Derzeit unterstützen über 16.000 Menschen den Landesverband mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Auf Bundesebene zählt der BUND 674.000 Unterstützer. www.bund-berlin.de

Der NABU Berlin (Naturschutzbund Landesverband Berlin e.V.) ist ein Mitgliederverband. Über 21.000 Naturschützer*innen unterstützen die Arbeit des NABU Berlin, viele von ihnen engagieren sich in den zehn Bezirks- und acht Fachgruppen für den Erhalt der Natur und eine lebenswerte Umwelt. Weitere Informationen über den NABU Berlin finden Sie unter https://berlin.nabu.de.

Architects for Future Berlin agiert lokal in Berlin und ist zugehörig zu Architects for Future Deutschland e.V.. Dies ist ein bundesweit organisierter und tätiger Verein, der sich dafür einsetzt, dass der Gebäudesektor den erforderlichen Beitrag für das Erreichen der im Pariser Übereinkommen vereinbarten Klimaschutzziele leistet.

 

 

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