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BUND Landesverband Berlin

Vögel in der Stadt

Wenn wir ihnen Hecken, Bäume und Mauernischen als Lebensräume lassen, kommen Vögel ganz gut ohne unsere Hilfe in der Stadt zurecht. Wären da nicht die großen Glasfassaden, an denen sie sich viel zu oft tödlich verletzen. Vögel erkennen durchsichtige oder spiegelnde Fläche nur schwer als Hindernis. Mit Mustern auf dem Glas lassen sich jedoch Kollissionen vermeiden. Der BUND konzentriert sich in Berlin auf prominente Neubauten, um Architektinnen und Bauherren für das Problem Vogelschlag zu sensibilisieren.

Ausgeschlossen, dass die Taube diesen Unfall überlebt hat: Abdruck auf einem Fenster im Prenzlauer Berg. Foto: Claudia Wegworth

Nach Angaben der Bundesregierung sterben in Deutschland jedes Jahr rund 18 Millionen Vögel nach Kollisionen mit Fenstern und Glasfassaden. Wenn Glasflächen Blicke auf die Umgebung zulassen oder diese spiegeln, fehlt Vögeln jeder Hinweis darauf, dass es sich um ein Hindernis handeln könnte. Folglich fliegen sie mit voller Geschwindigkeit und knallen ungebremst auf das Glas.  – besonders gefährlich wird es, wenn Bäume vor oder hinter den gläsernen Flächen stehen. Betroffen sind alle Arten, große Vögel ebenso wie kleine. In Berlin trifft es neben den gängigen Stadtvögeln auch seltene Arten wie etwa die Waldschnepfe. Nicht immer lassen sich die Kadaver einem Unfallort zuordnen, denn häufig fliegen die Vögel nach der Kollision weiter, um später an inneren Verletzungen zu sterben. Weil Aasfresser schnell zur Stelle sind, fallen uns Menschen die tödlich verunglückten Vögel häufig gar nicht auf. 

Was tun gegen Vogelschlag?

Streifen auf der Glasfläche signalisieren, dass hier ein Hindernis ist. Foto: Claudia Wegworth

Greifvogelaufkleber auf Glasscheiben haben sich als absolut wirkungslos erwiesen. Die schwarzen Silhouetten werden nicht als Fressfeind, sondern als Hindernis erkannt und umkurvt, der Vogel prallt neben dem Aufkleber auf das Glas. Auch UV-Licht-reflektierende Beschichtungen bieten keinen ausreichenden Schutz, da nur manche Vögel ultraviolettes Licht sehen können. Abhilfe schaffen allein sichtbare engmaschige Muster, die Vögeln signalisieren, dass hier kein Durchkommen ist.

Muster zum Schutz vor Vogelschlag können durch Sandstrahlung, Siebdruck oder Ätzung direkt in das Glas integriert werden oder mittels Folie nachträglich angebracht werden. In der Regel handelt es sich um Punkte oder Linien. Die Markierungen müssen sich auf der Außenseite befinden, damit sie nicht von Spiegelungen überlagert werden. Bei Bushaltestellen oder anderen Glasscheiben, die von beiden Seiten für Vögel zugänglich sind, müssen die Muster auf beiden Seiten angebracht werden.

Vogelfreundliche Leuchtturmprojekte

Vorbildlich: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung am Kapelleufer hat seine Glasfassade vogelfreundlich nachgerüstet. Foto: Claudia Wegworth

Um die Sensibilisierung für das Thema unter Architekten und Eigentümerinnen zu erhöhen, konzentriert sich der BUND in Berlin zurzeit auf prominente Gebäude und Bauvorhaben in der Planungsphase. Bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz stieß er auf offene Ohren: Der Wettbewerb zum Bau des Museums des 20. Jahrhunderts am Kulturforum wird vogelfreundliche Fassaden und Fenster als Bedingung formulieren. Außerdem hat der BUND den Neubau des Bauhausarchivs und die Neue Nationalgalerie auf der Liste. Letztere stellt eine besondere Herausforderung dar, sind an ihren markanten Glasfassaden doch schon unzählige Vögel verendet. Um eine denkmalgerechte Lösung zu realisieren, schlägt der BUND unter Rückgriff auf das Lebenswerk von Mies van der Rohe Vorhänge am Glaspavillon vor. Mit gutem Beispiel ist das Bundesforschungsministerium vorangegangen. Nachdem regelmäßig verunglückte Vögel in den verglasten Innenhöfen gefunden wurden, entwickelte es zusammen mit dem BUND eine Lösung: eine großflächig beklebte Musterfolie.

Gebäudebrüter schützen

Wer sein Haus sanieren will, darf nicht einfach Nistplätze von Gebäudebrütern entfernen. Foto: Caroline Seige

Berlin kann als relativ artenreiche Stadt stolz auf seine Gebäudebrüter sein. Das soll auch trotz des gegenwärtigen Baubooms so bleiben. Mit Ausnahme der Straßentaube stehen alle Gebäudebrüter unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes; Greifvögel, Eulen und Fledermaus sind sogar streng geschützte Arten. Deshalb gelten für Bau- und Sanierungsmaßnahmen folgende Vorschriften: Vor Beginn der Bauarbeiten müssen Fachleute nach Nestern von Gebäudebrütern suchen und diese dokumentieren. Entfernt dürfen Nester nur mit Erlaubnis der bezirklichen Naturschutzämter und nur dann, wenn sich keine Jung- oder Altvögel dort aufhalten und wenn keine Eier abgelegt sind. Außerdem muss für jedes entferntes Nest eine Ersatzniststätte gebaut werden.

Kontakt

Herbert Lohner

Naturschutzreferent
E-Mail schreiben Tel.: (030) 787900-24

Kontakt

Claudia Wegworth

Vogelschutzexpertin
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