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Straßenbahn für ganz Berlin

© Tilo Schütz

Weltweit feiert die gute alte Tram eine Renaissance, von Algier über Los Angeles bis Sydney wurden in den letzten Jahren Straßenbahnlinien gebaut. Das hat gute Gründe. Die Straßenbahn ist im Bau und im Betrieb wesentlich kostengünstiger als die U-Bahn, fährt aber schneller und mit größeren Kapazitäten als der Bus. In Berlin kommt der Ausbau dieses praktischen wie umweltfreundlichen Verkehrsmittels nicht recht voran.

Von zwei (sehr gut angenommenen) Streckenverlängerungen in und durch den Wedding und nach Moabit abgesehen ist die westliche Stadthälfte immer noch straßenbahnfrei. Leider, denn die autofixierte Idee der Sechzigerjahre, Schienenverkehr nur unter der Erde zu dulden, rächt sich. Die Buslinien auf den großen Magistralen sind in der Regel überlastet und neue U-Bahnen kann sich Berlin schon lange nicht mehr leisten. Der BUND setzt sich dafür ein, die Straßenbahn wieder in ganz Berlin fahren zu lassen. Anfangen sollte man mit den naheliegenden Verlängerungen: vom Alexanderplatz über die Leipziger Straße und den Innsbrucker Platz zum Rathaus Steglitz; vom U-Bahnhof Warschauer Straße zum Hermannplatz, vom Hauptbahnhof über die Turmstraße zum U-Bahnhof Mierendorffplatz und von Rosenthal durchs Märkische Viertel zum Kurt-Schuhmacher-Platz. Die meisten Strecken, auf denen heute Metrobusse fahren, eignen sich besser für den Straßenbahnbetrieb.

Tram umweltschonend planen

Die Straßenbahn soll sich der Stadt anpassen, nicht andersrum. Als die Tram zum Weddinger Virchow-Klinikum verlängert wurde, hatte der BUND verhindert, dass der Wendeschleife zahlreiche Bäume zum Opfer fielen. Beim Bau der Neubaustrecke durch die Invalidenstraße konnte sich der BUND dagegen nicht gegen den Senat durchsetzen: Die Tram zum Hauptbahnhof wurde ohne seperaten Gleiskörper errichtet, damit dem Autoverkehr vier Spuren zur Verfügung stehen. Nun stehen Bahnen und Busse auf der Invalidenstraße regelmäßig im Autostau. Zudem fielen etliche Straßenbäume diesem autogerechten Straßenumbau zum Opfer.

Macht die Straßenbahn nicht viel Lärm? Nicht, wenn man die Potenziale der Lärmminderung berücksichtigt. Der BUND fordert, bei Neubauten und Sanierungen stets moderne Flüstergleise einzubauen. Kombiniert mit regelmäßigen Schleifarbeiten an den Gleisen sorgt dies für eine deutliche Senkung des Geräuschpegels.

Ausbau statt Abbau

Im Jahr 2006 stellte die BVG selbst noch Teile ihres Straßenbahnnetzes infrage. Ganz oben auf der Streichliste stand die Schmöckwitzer Uferbahn (Tramlinie 68). Gefährdet waren zeitweilig auch andere Strecken in Köpenick, Lichtenberg, Friedrichshain und Pankow. Der BUND hat mit seiner Kampagne „Straßenbahn für ganz Berlin“ dazu beigetragen, dass diese Pläne aufgegeben wurden.

Die ÖPNV-Planung im Stadtentwicklungsplan Verkehr 2025 (StEP 2025) sieht vor, die Straßenbahnstrecke vom Hauptbahnhof über die Turmstraße weiter in Richtung S-Bahnhof Beusselstraße und von dort über die Seestraße zu führen und die bereits vorhandene Endstelle Virchow-Klinikum anzubinden.

Der BUND begrüßt dies ausdrücklich, hält allerdings die direkte Verbindung Richtung Westen über die Huttenstraße, Wiebestraße und Kaiserin-Augusta-Allee bis zum Mierendorffplatz und zum Bahnhof Jungfernheide für wichtiger – auch um die westliche Strecke des Busses M27 komplett zu ersetzen. Von dort wären spätere Verlängerungen sowohl zum S-und U-Bahnhof Zoologischer Garten als auch zum dann bebauten Areal des ehemaligen Flugfelds Tegel möglich. Zudem schlägt der BUND für die Turmstraße eine Alternativvariante in Seitenlage mit Grüngleisen neben dem kleine Tiergarten vor.

BUND-Alternativvariante Turmstraße (2015, PDF, 11 Seiten)

Karte BUND-Variante Turmstraße (PDF, 1 Seite)

Abb. Querschnitt Turmstraße (PDF, 1 Seite)

Konkrete Pläne für die Erweiterung des Tramnetzes in die südwestlichen Bezirke hat die TU Berlin vorgelegt. Machbarkeitsstudie Tram vom Alex bis zum Rathaus Steglitz (2009, PDF, 282 Seiten)

Weitere Vorschläge zum Ausbau des Tramnetzes in Berlin finden Sie unter www.protramberlin.de. und www.igeb.org



Kontakt

Martin Schlegel

Referent für Verkehrspolitik

Telefon:

(030) 78 79 00-17

E-Mail: mschlegel[at]BUND-Berlin.de

Der Arbeitskreis Mobilität

trifft sich donnerstags um 19 Uhr in der BUND-Landesgeschäftsstelle. Verkehrspolitisch Interessierte sind jederzeit willkommen.

Das BUND-Straßenbahnbuch

Bereits 2000 erschienen, ist „Straßenbahn für ganz Berlin“ von Tilo Schütz und Holger Orb (leider) immer noch aktuell. Zur Bestellung…


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