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Neuigkeiten von den Berliner Bibern

Foto: L. Vogeltanz

Seit 1994 gibt es wieder Biber in Berlin. Durch strenge Schutzmaßnahmen hatte sich die kleine Restpopulation des Bibers an der Mittleren Elbe auch wieder in Brandenburg ausgebreitet und so erfolgte die erste Zuwanderung nach Berlin von der nördlichen Havel aus.

Was damals so keiner richtig glauben wollte: Der Biber f√ľhlt sich offensichtlich in den Berliner Gew√§ssern wohl, denn seitdem stieg der Bestand kontinuierlich an. Eine Bestandserfassung im Winter 2013/2014 ergab ca. 40 bis 50 besetzte Reviere. Da Reviere sowohl von mehrk√∂pfigen Familien als auch von Einzeltieren gebildet werden, ist die tats√§chliche Anzahl der Tiere nur ungef√§hr zu sch√§tzen.

Biberbestand wächst

Im Winter 2014/15 hat es nun eine weitere Ausbreitung in Richtung innerstädtische Gewässer gegeben. Schon seit einigen Jahren lebt ein Paar mit Nachwuchs im Schlosspark Charlottenburg, inzwischen hat sich auch im Tiergarten und im Bereich der Rummelsburger Bucht je ein Tier eingerichtet. Selbst im Teltowkanal findet man zunehmend Biberspuren.
Es sind vermutlich Jungtiere, die neue Reviere in der Stadt suchen, da die guten Plätze an Havel und Spree im Außenbereich bereits weitgehend belegt sind.

Bislang sind die Biber in Berlin von der Bevölkerung und der Presse wohlwollend aufgenommen worden. Vor allem die Ausbreitung des Bibers in die Innenstadt hat sich in zahlreichen Presseartikel und Berichten im Fernsehen und Rundfunk niedergeschlagen.

Gefahren f√ľr den Biber

Allerdings gab es auch schon zahlreiche Verkehrsopfer, vor allem in Spandau im Ortsteil Haselhorst an der Rhenaniastra√üe, weil die Biber dort immer wieder eine verkehrsreiche Stra√üe √ľberqueren. Diese Stra√üe wurde zwar deswegen extra nachts f√ľr den Verkehr gesperrt, aber leider h√§lt sich kaum ein Autofahrer an diese Sperrung und auch im letzten Jahr wurde wieder ein erwachsener Biber √ľberfahren. Hier muss das Spandauer Bezirksamt handeln.

Da alle tot aufgefundenen Biber durch das Institut f√ľr Zoologie und Wildtierforschung (IZB) in Berlin obduziert werden, wissen wir aber auch, dass mindestens ein Tier im Bereich des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals von einem unbekannten T√§ter erschlagen wurde. Der Biber hat also nicht nur Freunde in der Stadt. Diese Art von ‚ÄěSelbstjustiz‚Äú stellt einen strafbaren Tatbestand dar, denn Biber sind eine streng gesch√ľtzte Tierart.

Biberbiss vermeiden

Ab und an vergreift sich der Biber nat√ľrlich besonders an Ufergrundst√ľcken an Zier- oder Obstgeh√∂lzen in G√§rten. So stehen z.B. Apfelb√§ume oder Thujen durchaus auf der Speisekarte des Bibers. Damit hier von vorneherein keine Probleme entstehen, sollten die Grundst√ľcksbesitzer ihnen wichtige und wertvolle B√§ume vor dem Zahn der Biber sch√ľtzen. Das geht ganz einfach und kosteng√ľnstig mit sogenannten Estrichmatten aus dem Baumarkt zu Preisen zwischen drei und f√ľnf Euro pro St√ľck. Diese bestehen aus einem verzinkten Rechteckgeflecht im Format 2 x 1 Meter. Sie k√∂nnen um die zu sch√ľtzenden Geh√∂lze gewickelt und mit Kabelbindern zusammengehalten werden. Die Drahth√∂he von einem Meter reicht aus, um den Biber so vom Nagen abzuhalten.
Kaninchen- oder Hasendraht ist in der Regel zu instabil, er kann vom Biber am Stamm herabgezogen werden, wenn er nicht noch anderweitig befestigt wird.

Will man es etwas eleganter haben, so kann auch das Verbissschutzmittel
‚ÄěW√∂bra¬ģ‚Äú an den Stamm gestrichen werden. Dem Mittel ist ein grober Quarzsand beigemischt. Der Biber meidet jahrelang derart behandelte B√§ume. Da der Anstrich mit W√∂bra¬ģ fast durchsichtig ist, stellt diese eine optisch unauff√§llige L√∂sung bei wertvollen Einzelb√§umen dar. Allerdings ist das Mittel nicht ganz billig, ein Kilo kostet etwa zehn Euro. Man sollte bei der Anwendung auch folgendes beachten:

  • es ist nur bei Temperaturen √ľber 8¬į C streichf√§hig
  • es ist nur an B√§umen mit glatter Rinde verwendbar (je rauer die Borke desto h√∂her der Verbrauch)
  • Anstrich bis in 80 ‚Äď 100 cm H√∂he.

Mit diesen beiden Methoden, rechtzeitig angewandt, sollte ein weitgehend konfliktfreies Nebeneinander zwischen Biber und Gartenbesitzern in der Stadt möglich sein.

Biberleben leichter machen

Doch es gibt noch einiges, was das Leben der sogenannten semiaquatischen S√§ugetiere, wie dem Biber (dazu geh√∂rt auch der noch viel seltenere Fischotter) erleichtern und auch anderen Tierarten gut tun w√ľrde:

  • Ausstiegs- und Ruhem√∂glichkeiten in Form von Naturufern auch an den innerst√§dtischen Gew√§ssern statt Spundw√§nden
  • Das Passierbarmachen der innerst√§dtischen Schleusen f√ľr diese Tiere
  • Und das Freihalten der noch vorhandenen naturnahen Ufer vor Bebauung und intensiver Nutzung

Inzwischen ist es mitten in der Gro√üstadt Berlin m√∂glich, mit viel Gl√ľck den Biber an lauen Sommerabenden vorbei schwimmen so sehen ‚Äď eine neue ungewohnte Begegnung f√ľr viele.   

So bleibt trotz all der Widrigkeiten nur zu hoffen, dass der Biber auch langfristig seinen Platz an den Berlinern Gewässern behaupten kann.


Bei Fragen oder Hinweisen zum Biber wenden Sie sich an die BUND-Geschäftstelle, dort wird man Ihnen weiter helfen.

Der BUND bietet Biber-F√ľhrungen in Berlin und Biber-Safaris im Oberspreewald an. Informationen und mehr finden Sie unter Termine.



Was kann ich tun, wenn

  • B√§ume gef√§llt werden?
  • Wildschwein, Waschb√§r und Co auftauchen?
  • Schwalbennester abgeschlagen werden?

Der Arbeitskreis trifft sich jeden 1. Montag im Monat um 18 Uhr beim BUND.

Sie sind herzlich eingeladen mitzumachen!

Kontakt √ľber den AK-Sprecher Andreas Faensen-Thiebes:

faensen-thiebes[at]t-online.de


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Herbert Lohner

Referent f√ľr Naturschutz

Telefon:
(030) 78 79 00-24

E-Mail: lohner[at]BUND-Berlin.de

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