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Das ehemalige MilitĂ€rische ÜbungsgelĂ€nde in Lichterfelde SĂŒd – eine wertvolle, aber bedrohte Weidelandschaft

Eine fĂŒr Berlin einmalige Landschaft

Die ca. 100 ha große FlĂ€che am sĂŒdlichen Stadtrand beinhaltet eine Landschaft mit Weiden, GebĂŒschen, offenen FlĂ€chen und kleinen WĂ€ldern: das ist nicht nur das Ideal des Landschaftsparks, so ist die Wirklichkeit hier in der Weidelandschaft Lichterfelde SĂŒd. Diese Landschaft wird gebildet aus einer FĂŒlle von Pflanzen- und Tierarten, von denen viele als seltene und gefĂ€hrdete Arten auf den „Roten Listen“ der bedrohten Arten stehen oder durch deutsches und europĂ€isches Recht besonders geschĂŒtzt sind.

Wir wollen, dass Artenvielfalt und Weidelandschaft erhalten bleiben, auch wenn Teile der FlÀche bebaut werden, und auch, dass Sie diese Pracht und Vielfalt in Zukunft besser erleben können. Diese QualitÀten, aber auch seine Empfindlichkeiten sind aus der speziellen Geschichte zu verstehen.

Wie ist diese Landschaft entstanden?

Das Gebiet ist etwas ganz Besonderes: Nach dem Abzug des MilitĂ€rs von "Parks Range" begann die Natur mit der RĂŒckeroberung: gebietstypische KrĂ€uter und Pioniergehölze breiteten sich aus, und die zwischen Parks Range und Gewerbegebiet siedelnde Reitgemeinschaft Holderhof entwickelte durch vorsichtige Ausritte und tĂ€gliches MĂŒllsammeln eine enge Beziehung zu dem ungewöhnlichen Gebiet. So entstand ein gewagtes Pionierprojekt: Mit lenkenden manuellen Pflegemaßnahmen und dem gezielten Einsatz der Holderhof-Pferde formte Anne Loba behutsam die Spontanvegetation zur halboffenen "Lichterfelder Weidelandschaft" mit einem kleinteiligen Mosaik unterschiedlichster Biotope.

Es entstanden LebensrĂ€ume fĂŒr ca. 500 Pflanzenarten, 52 Brutvogelarten, 7 Amphibienarten dazu Zauneidechsen, FledermĂ€use und viele Schmetterlinge, KĂ€fer, Heuschrecken und Wildbienen, die noch gar nicht vollstĂ€ndig erfasst wurden – aber von denen, die erfasst sind, sind wiederum viele in Deutschland selten und gefĂ€hrdet.
Alle diese Arten sind nicht gezielt gepflanzt oder eingebracht worden sondern haben sich von alleine angesiedelt, weil die spezielle Beweidung ihnen Lebensmöglichkeiten eröffnete, die sie in unserer sonstigen ausgerĂ€umten Agrarlandschaft nicht mehr haben. Wegen dieses Engagements und dieses Erfolgs hat Anne Loba, die dieses Gebiet so erfolgreich pflegt, 2012 den Berliner Umweltpreis des BUND bekommen – zusammen mit dem AktionsbĂŒndnis Landschaftspark Lichterfelde SĂŒd.

Wie ist die Zukunft des GelÀndes?

Das GelĂ€nde fiel nach dem Abzug der Amerikaner 1994 zurĂŒck an die Bahn. Verschiedene Bebauungsideen scheiterten, aber die jetzige EigentĂŒmerin, die Groth-Gruppe, will hier nun Wohnungen bauen. Ein vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf beauftragtes Gutachten weist einen Großteil der FlĂ€che jedoch als so wertvoll aus, dass es als Landschaftsschutzgebiet geschĂŒtzt werden mĂŒsste: Das Gutachten empfiehlt 80 ha Landschaftsschutzgebiet und 27 ha als Baugebiet, davon 11 ha nur bedingt bebaubar.

Gutachten (127 Seiten) unter: http://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/politik-und-verwaltung/aemter/umwelt-und-naturschutzamt/naturschutz/schutzgebiete/gutachten_schutzgebietskonzept_lichterfelde-sued_mit_kart_1.pdf

Diese grundsĂ€tzliche Bewertung wird unterstĂŒtzt vom Landesbeauftragten fĂŒr Naturschutz: Gutachten des Landesbauftragten fĂŒr Naturschutz

Der Bezirk hat sich zwar im Januar 2013 verpflichtet, dieses Gutachten als Grundlage fĂŒr seine Planungen zu verwenden, vereinbarte im April 2013 mit der Grothgruppe aber in einem „Letter of Intent“ eine BauflĂ€che von 39 ha, ohne dass hier naturschutzfachliche oder sonstige AbwĂ€gungen erfolgten. Diese AbwĂ€gung ist jedoch eigentlich wesentlicher Bestandteil der Bauleitplanung und durch dieses Verfahren der voreiligen FlĂ€chenaufteilung wird die spĂ€tere formelle Bauleitplanung mit ihren Elementen von BĂŒrgerbeteiligung und sachlicher AbwĂ€gung konterkariert.

Vorlage des Bezirks

AbsichtserklÀrung BA-Groth


Diesen Mangel an Planungskultur wollte der Bezirk zwar durch Workshops mit verschiedenen Beteiligten beseitigen, dies ist jedoch nur sehr begrenzt gelungen: In den stÀdtebaulichen Workshops wurden wesentliche Umweltaspekte gar nicht diskutiert und dem Workshop zur Weidelandschaft lagen die jeweils aktuellen stÀdtebaulichen Konzepte nicht vor, so das er deren Umweltauswirkungen gar nicht sinnvoll diskutieren konnte.


Siegerentwurf aus dem Workshopverfahren (Quelle: Entwurf fĂŒr den B-Plan 6-30)

Der in diesem stĂ€dtebaulichen Workshop entwickelte Entwurf stellt nun die Grundlage fĂŒr die bereits erfolgte Änderung des FNP dar (wurde von uns bereits im Blog Umweltzone diskutiert) und nunmehr auch fĂŒr den Entwurf des Bebauungsplans. Auch hierzu gibt es einen Kommentar im Blog Umweltzone.

Was machen wir als BUND?

Da die wertvolle Weidelandschaft nicht nur durch zu weit greifende Bebauung bedroht wird, sondern auch dadurch, dass der Bezirk die FlĂ€che nicht selbst pflegen kann und der Senat mangels Personal keine Schutzgebietsausweisung erarbeiten kann (Schreiben StaatssekretĂ€r Gaebler) haben wir uns in Anbetracht des einmaligen Wertes dieser Landschaft als BUND auch gegenĂŒber dem Bezirk bereit erklĂ€rt, hier aktiv zu werden und ggf. selbst spĂ€ter mal die TrĂ€gerschaft fĂŒr diese FlĂ€che zu ĂŒbernehmen.

Aktuell haben wir mit dem Bezirk eine Kooperationsvereinbarung: Unter anderem kann durch diese Anne Loba nun als BUND-Mitarbeiterin ihre Landschaftspflege fortfĂŒhren (da wir fĂŒr 2016 als BUND-Berlin vom Bezirk dafĂŒr beauftragt und mit UnterstĂŒtzung des Investors bezahlt wurden).

Langfristig soll das GelĂ€nde zwar geschĂŒtzt und gesichert, aber auch fĂŒr alle Menschen erlebbar werden: Wege sollen durch das GelĂ€nde fĂŒhren, Ausblickpunkte und RuheplĂ€tze geschaffen werden, Hinweistafeln auf Besonderheiten aufmerksam machen.

Ein ungewöhnliches, in vielen AnsÀtzen innovatives Pflegekonzept wird seit ca. 20 Jahren in der Weidelandschaft bereits erfolgreich umgesetzt.
FĂŒr die Zukunft gilt es, mit der FortfĂŒhrung dieser Pflege den Erhalt der Biotop- und Artenvielfalt zu sichern und mit einem Konzept fĂŒr die öffentliche Nutzung zu verbinden. GrundzĂŒge fĂŒr ein solches Nutzungskonzept wurden bereits in Workshops aufgezeigt, die meisten Details mĂŒssen noch erarbeitet werden.

FĂŒhrungen durch die Weidelandschaft werden im Umweltkalender angekĂŒndigt http://www.umweltkalender-berlin.de/anbieter/details/1663)



Was kann ich tun, wenn

  • BĂ€ume gefĂ€llt werden?
  • Wildschwein, WaschbĂ€r und Co auftauchen?
  • Schwalbennester abgeschlagen werden?

Der Arbeitskreis trifft sich jeden 1. Montag im Monat um 18 Uhr beim BUND.

Sie sind herzlich eingeladen mitzumachen!

Kontakt ĂŒber den AK-Sprecher Andreas Faensen-Thiebes:

faensen-thiebes[at]t-online.de


Was macht der AK?

NĂ€chste Termine:

Kontakt

Herbert Lohner

Referent fĂŒr Naturschutz

Telefon:
(030) 78 79 00-24

E-Mail: lohner[at]BUND-Berlin.de

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