Auf diesem begrünten Hügel plant der Bezirk Marzahn-Hellersdorf ein Schwimmbad. Dreist: Der Jelena-Šantić-Friedenspark ist als Ausgleich für Versiegelung beim Bau des Einkaufszentrums
„Helle Mitte“ entstanden. Zweieinhalb Kilometer südöstlich befindet sich das 2002 von den Bäderbetrieben geschlossene und seither ungenutzte Wernerbad, eine Mischung aus Freibad und Natursee. Foto: Sebastian Petrich
Wie halten es die vier im Abgeordnetenhaus vertretenen demokratischen Parteien mit dem Schutz der grünen Flächen in Berlin? Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt: Niemand wirbt direkt damit, grüne Flächen vernichten zu wollen. Aber es fällt auf, dass der Erhalt der Stadtnatur sehr unterschiedlich viel Raum einnimmt. Am allerwenigsten bei der CDU, die lediglich verspricht, die Zahl der Straßenbäume bis 2040 auf eine Million zu erhöhen. Ihr Beitrag zum Thema effiziente Flächennutzung: Sie will Supermärkte und andere Unternehmen dazu bringen, ihre Pkw-Stellplätze außerhalb der Geschäftszeiten kostengünstig für Autobesitzende in der Nachbarschaft zur Verfügung zu stellen.
Die SPD geht schon etwas mehr ins Detail. Dabei bleiben Widersprüche nicht aus. Einerseits bekennt sie sich zum Ziel Netto-Null-Flächenversiegelung und kündigt an, beim Wohnungsneubau künftig bereits versiegelte Flächen zu priorisieren. Andererseits hält die SPD an den 24 neuen Stadtquartieren fest, die zu großen Teilen auf unversiegelten Flächen entstehen sollen (zum Beispiel Dreieck Späthsfelde auf strukturreichen Grünflächen, Stadteingang West auf Kleingärten und Bahnwildnis oder Schönerlinder Straße/Alte Schäferei auf landwirtschaftlicher Nutzfläche).
Die Grünen kündigen für den Regierungsfall ein „umfassendes Entsiegelungsprogramm“ an, um das Ziel der Netto-Null-Versiegelung möglichst schnell zu erreichen. Dabei haben sie überdimensionierte Straßen, Außenanlagen von kommunalen Gebäuden und Hinterhöfe im Blick. Vor allem bislang unterversorgte Quartiere wollen sie mit Miniparks und weiterer Begrünung kühlen, bestehende Grünanlagen und Kleingartenanlagen versprechen sie dauerhaft zu sichern.
Auch die Linke will spätestens bis 2030 die Netto-Null-Versiegelung erreichen. Sie nennt explizit die wichtigsten Kategorien von Freiflächen, die es planerisch zu sichern gilt. Sowohl den Flächennutzungsplan von 1994 als auch den West- Berliner Baunutzungsplan von 1960 möchte sie gründlich überarbeiten.
So weit die grundsätzlichen Aussagen. Nun zu dem einen konkreten Fall, der in allen vier Wahlprogrammen vorkommt, weil er politisch maximal aufgeladen ist: das Tempelhofer Feld. Die CDU will es an den Rändern bebauen und droht auch für das Innere eine „Weiterentwicklung“ an. Die SPD scheut die Festlegung. Für sie kommen „Wohnungen am Feldrand nicht in Frage, solange die bisherigen Flächen in Berlin ungenutzt sind“ (was auch immer das konkret bedeutet). Wenig überraschend wollen die Grünen das Tempelhofer Feld ebenso in der heutigen Form erhalten wie die Linke, die es als Grünfläche ausweisen möchte.
BUND-Forderungen zum Flächenschutz
So bleibt die Stadt grün
Sollte sie grundsätzlich bereit sein, die grünen Flächen in Berlin zu erhalten, könnte sich die nächste Koalition an der Gebrauchsanweisung zum Flächenschutz orientieren, die der BUND im Rahmen der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ entwickelt hat. Zunächst kommen die planerischen Werkzeuge zum Einsatz: Das Land sichert alle Parks, Grünanlagen, Kleingärten, Gewässerufer, Friedhöfe, Wälder, Landwirtschaftsflächen, Bahnbrachen, naturschutzrechtlich geschützten Flächen, Orte der Umweltbildung und die 20 Grünen Hauptwege über den Flächennutzungsplan und das Landschaftsprogramm.
Der aus West-Berliner Zeiten stammende Baunutzungsplan kommt in die Tonne. Grünflächen, die zu klein sind, um im Flächennutzungsplan dargestellt zu werden, gilt es über Bebauungspläne zu sichern. Das gilt besonders für die Kleingärten auf privatem Grund, die vom Kleingartenflächensicherungsgesetz nicht erfasst sind. Auch den Friedhofsentwicklungsplan passt Berlin an. Die im Landschaftsprogramm als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet dargestellten Flächen müssen endlich rechtlich verbindlich gesichert werden.
2024 haben Berliner Bauämter 618 neue Ein- oder Zweifamilienhäuser genehmigt. Diese flächenverschwenderische Praxis widerspricht den Vermeidungs- und Minimierungsgeboten des Baugesetzbuchs und des Bundesnaturschutzgesetzes und wird daher beendet. Beschleunigte Bebauungspläne soll es nur dann geben, wenn sie nicht mit Eingriffen in die Natur verbunden sind. Normalerweise werden Bebauungspläne aus dem Flächennutzungsplan abgeleitet. Berlin muss sich dafür einsetzen, die im Baugesetzbuch vorgesehene Ausnahme abzuschaffen, nach der der Flächennutzungsplan nachträglich an Bebauungspläne angepasst wird.
Mehr Menschen brauchen mehr Natur
Steigende Einwohnerzahlen sind kein Argument für weniger, sondern für mehr grüne Orte. Längst nicht alle Berliner*innen erreichen eine begrünte Fläche nach 500 Metern Fußmarsch. In unterversorgten Vierteln sollen die Bezirke Flächen identifizieren, die sie schnell entsiegeln und bepflanzen lassen können. Neu bebaute Grundstücke müssen künftig einen Mindestanteil grüner Fläche enthalten. Wird Boden versiegelt, muss an anderer Stelle in gleicher Größe entsiegelt werden.
Mehr Wohnungen heißt nicht mehr Versiegelung
Als Erstes braucht Berlin ein Register, das den Bestand und die Nutzung aller Gebäude erfasst. Nur so kann der Senat wissen, wie groß der Bedarf für Neubau wirklich ist. Im zweiten Schritt gilt es leerstehende Gebäude nutzbar zu machen – sowohl öffentliche als auch private. Der Betrieb illegaler Ferienwohnungen darf sich ebenso wenig lohnen wie spekulativer Leerstand. Einstöckige Neubauten, etwa für Discounter, werden nicht mehr genehmigt, Aufstockungen dagegen erleichtert.
Bei der Nachverdichtung sorgen Bebauungspläne oder Auflagen in der Baugenehmigung für genügend Grünflächen. Das Land schafft Anreize dafür, leerstehende Büroräume, Einkaufszentren und Industriegebäude in Wohnraum umzuwandeln.
Last but not least: Bevor Baubehörden Abriss genehmigen, prüfen sie, ob das Gebäude anderweitig genutzt werden kann. Das spart nicht nur die graue Energie, die im Bestandsgebäude steckt, sondern bremst auch die Immobilienpreise, die durch Neubau befeuert werden. Wenn der nächste Senat all diese Punkte beherzigt, ist ein großer erster Schritt zur Rettung der Berliner grünen Freiflächen getan.
Schreiben Sie der Politik!
Fordern Sie von den Spitzenkandidat* innen der Abgeordnetenhauswahl den Erhalt der grünen Flächen und einen wirksamen Hitze schutz: www.gruene-flaechen- retten.de/mailaktion
Vom Amtswäldchen nach Adlershof
Radtour entlang bedrohter Grünflächen 29.8.2026, 11:30 Uhr, Treffpunkt: Landjägerstraße Ecke Amtsstraße, Altstadt Köpenick www.BUND-berlin.de/termine
Wie baut Berlin die Zukunft?
Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidat* innen 1.9.2026, 18 Uhr, bUm Berlin, Paul-Lincke-Ufer 21, anmelden unter www.BUND-berlin.de/podium
Mitmachen
Machen Sie mit dem BUND gemeinsam Druck, zeichnen Sie jetzt die Petition „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 3/2026.


