Alle Jahre wieder Nolympia

03. August 2025 | Bauen, BUNDzeit-Artikel, Stadtentwicklung

Ein guter Grund für Tränen. Foto: Sebastian Petrich

Ausgerechnet das Datum 100 Jahre Nazi-Propagandaspiele soll eine Berliner Olympia-Bewerbung stützen? Die Idee, mit schönen Bildern eines zivilen, menschenfreundlichen Gastgebers die Schande von 1936 wettzumachen, ist dreist, geschmacklos oder bestenfalls naiv. Nein, Berlin und Deutschland haben angesichts des gegenwärtigen Rechtsrucks bessere Möglichkeiten zu zeigen, dass man aus der NS-Vergangenheit gelernt hat. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schert sich ohnehin wenig um politische Symbolik, wie wir aus der Vergangenheit wissen. Erst ließ es das friedlich-demokratisch wiedervereinigte Berlin abblitzen, dann erteilte es den Schlächter*innen vom Platz des Himmlischen Friedens den Zuschlag.

Berlin hat tausend wichtigere Aufgaben, als Olympische Spiele auszurichten. Egal, ob 2036, 2040 oder 2044. Die Stadt muss klimaneutral werden und sich auf nicht mehr vermeidbare Folgen der globalen Erhitzung vorbereiten. Sie muss ihre Stadtnatur erhalten, die Versiegelung stoppen und die zerbröselnde Infrastruktur auf intelligente und zukunftsverträgliche Weise reparieren. Nebenbei das größte Sportereignis der Welt auszurichten, ist da keine Hilfe. 

Niemand braucht olympiataugliche Wettkampfstätten, während die Orte für Schul- und Freizeitsport verfallen. Oder Lufttaxis für VIP-Gäste, die die im Autostau steckenden BVG-Busse unter sich lassen. Oder Luxuswohnungen in einem Olympischen Dorf, das sowieso nicht rechtzeitig fertig wird. Erst recht nicht braucht Berlin neue Schulden, während IOC und Partner ordentlich Gewinn machen, selbstverständlich steuerfrei. Tröstlich ist aber: So weit wird es nicht kommen. Dafür sorgt allein schon die gute alte Berliner Selbstüberschätzung.

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 3/2025.

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