Noch mehr Versiegelung kann
der Teichfrosch in Späthsfelde
wirklich nicht brauchen. Foto: Andrea Gerbode
Ungefähr alle drei Jahre verschwinden in Berlin grüne Flächen von der Größe des Tempelhofer Felds. Diese Entwicklung droht sich noch zu verschärfen. Der im Oktober auf Bundesebene beschlossene „Bauturbo“ macht es den Kommunen leichter, bislang unbebaute Flächen zu bebauen. Von diesen Regeln wird der Berliner Senat ausgiebig Gebrauch machen, plant er schließlich 16 von 24 neuen Stadtvierteln auf der grünen Wiese. Dazu kommen viele kleinere Vorhaben von privaten Investor*innen. Auch sie zieht es, weil es oft am einfachsten scheint, auf die grüne Wiese. Genauer gesagt: nicht nur auf Wiesen, sondern auch auf Kleingärten, Ackerland, Ufer, ehemalige Friedhöfe und sogar Wald.
Hier stellen wir zwei sehr unterschiedliche Flächen vor. Für die winzige Klimaoase in der Prinzregentenstraße besteht leider kaum mehr Hoffnung. Anders im Fall Späthsfelde: Nicht nur der BUND, Kleingartenverbände und Bürgerinitiativen, sondern auch die Treptower Bezirkspolitik lehnt dieses Naturzerstörungsprojekt entschieden ab. Noch ist nichts verloren. Wenn die Stadtgesellschaft klarmacht, wie wichtig ihr die grünen Flächen sind, wird sie sie erhalten können. Die Stadtnatur ist so wertvoll für die Artenvielfalt, den Wasserhaushalt, das menschliche Wohlbefinden, die Kühlung in den kommenden Hitzesommern – Berlin kann es sich nicht leisten, seine grünen Schätze zu verschleudern.
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www.gruene-flaechen-retten.de
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Dreieck Späthsfelde: Kleingärten und Amphibien in Gefahr
Im äußersten Westen des Treptower Ortsteils Baumschulenweg, eingerahmt von Autobahn A113, Britzer Verbindungskanal und dem Waldgebiet Königsheide, plant die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eines von berlinweit 24 neuen Stadtquartieren. 2.000 bis 4.000 neue Wohneinheiten sollen auf dem gut 100 Hektar großen Areal entstehen, daneben ein neues Gewerbegebiet entlang der Autobahn. Abgesehen von zwei kleinen Einfamilienhaussiedlungen prägt heute Stadtgrün das Dreieck: abwechslungsreiche Stadtnatur aus Wiesen, Gehölzen, Kleingärten und Gartenbauflächen. Letztere gehören zur traditionsreichen Späth’schen Baumschule, der das Gebiet seinen Namen verdankt und von der nach den Senatsplänen nur die denkmalgeschützten Gebäude, das Arboretum und die Jubiläumsallee übrigbleiben sollen.
Entgegen den Beschwichtigungen, die Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) 2024 äußerte, sehen die im Sommer 2025 vorgestellten Pläne auch die Bebauung von Kleingärten vor. Rund 400 Parzellen befinden sich im Plangebiet, weitere müssten für die Verkehrsanbindung verschwinden. Auf Ersatz können die betroffenen Kleingärtner*innen angesichts langer Wartelisten bei den Kleingartenvereinen im Bezirk nicht hoffen.
Tausende Anwohnende in Neukölln und Treptow würden ein beliebtes Naherholungsgebiet verlieren, während in der Nachbarschaft der Nutzungsdruck auf die grünen Flächen steigt. Für die Stadtnatur hat das Dreieck Späthsfelde große Bedeutung, kommen doch mit Zauneidechse und Knoblauchkröte streng geschützte Arten vor, die Zielarten des Biotopverbunds sind – geht es ihnen gut, befindet sich auch das Umfeld in gutem Zustand.
Über die Versiegelung und den Verlust von Stadtnatur hinaus hat das Vorhaben weitere ungute ökologische Folgen: Die Bauarbeiten könnten den Grundwasserpegel weiter senken, was dem ohnehin angeschlagenen Wald in der Königsheide weitere Probleme bereitet. Außerdem sehen die Pläne eine neue Straße zwischen der Autobahnausfahrt Späthstraße und dem Königsheideweg vor – mit der Option, weiter ostwärts bis zur Köpenicker Landstraße verlängert zu werden. Dies entspricht genau der Trasse der sogenannten Südostverbindung (SOV), eines Autobahnzubringers, der vor vielen Jahren geplant und später angeblich wieder verworfen wurde. Dafür müsste weitere Stadtnatur weichen. Auch der Umstand, dass sich das Dreieck Späthsfelde fern jeder Schieneninfrastruktur befindet und damit neuen Autoverkehr erzeugt, spricht gegen das Bauvorhaben.
Mehr über Artenvielfalt, Wasser und Verkehr in Späthsfelde
Prinzregentenstraße: Die Klimaoase verschwindet
Eckgrundstück ca. 50 mal 50 Meter in ruhiger Innenstadtlage mit Baurecht – welche Investor*innen könnten da nein sagen? Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass das Gelände an der nordöstlichen Ecke der Kreuzung Prinzregentenstraße/Waghäuseler Straße noch nie bebaut war, zumindest so weit die Chroniken zurückreichen. Seit den 1920er-Jahren bewirtschafteten Kleingärtner*innen ein Dutzend Parzellen, bis sie Anfang 2024 das Areal räumen mussten.
Dank gewisser Verzögerungen im Planungsablauf bekam die Initiative nachbarschafft e. V. die Gelegenheit, den Ort vorübergehend als einen der Allgemeinheit offenstehenden Kiezgarten zu pflegen. Klimaoase nannten die Aktiven die ehemaligen Kleingärten sehr treffend, „ein lebendiges Beispiel dafür, wie mit bürgerschaftlichem Engagement stadtökologische Kühlung, Gesundheitsschutz, soziale Teilhabe und Bildung auf kleinstem Raum wirksam umgesetzt werden können“, wie Maike Weißpflug von nachbarschafft sagt.
Doch diesen Oktober war Schluss. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, die das Grundstück von einer Berufsgenossenschaft gekauft hat, will ein Haus mit etwa 270 Studierendenapartments und einer Kita bauen. Die Warmmiete der 20 Quadratmeter kleinen möblierten Einheiten soll bei 490 Euro liegen, also bei fast 25 Euro pro Quadratmeter. Mit der ehemaligen Kleingartenkolonie gehen 60 Obstbäume, Beerensträucher, Gehölze und Hecken verloren. Den Anwohnenden fehlt ein Treffpunkt im Grünen und vielen Wildtieren ein Lebensraum. Auch die Kühlungsfunktion dürfte schmerzlich vermisst werden: Die Lufttemperatur lag im Durchschnitt 3,3 Grad niedriger als in der Umgebung.
Wie der Schutz der grünen Flächen im Einzelnen geregelt werden soll, steht im BUND-Hintergrundpapier


