BUND Landesverband Berlin
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Fortschritte im Schneckentempo

03. November 2020 | Autoverkehr, BUNDzeit-Artikel, Fahrrad, Fußverkehr, Stadtentwicklung

Kreuzberg bekommt eine dauerhaft autofreie Einkaufsstraße, während andere Bezirke es bei Testvorhaben belassen.

Oktober 2020: Entspanntes Einkaufen auf der Friedrichstraße

Die fast zehnjährige Versuchsphase in der Kreuzberger Bergmannstraße neigt sich ihrem Ende zu. Nachdem mit einer Begegnungszone, Sitzmöbeln am Straßenrand und Findlingen auf der Fahrbahn experimentiert wurde, soll nun zwischen Nostiz- und Schleiermacherstraße der motorisierte Verkehr dauerhaft ausgesperrt werden. Das hat das Bezirksamt im September beschlossen. Radfahrende und Zufußgehende bekommen jeweils einen eigenen Bereich, für den Lieferverkehr ist ein fünfstündiges Zeitfenster am Vormittag vorgesehen. In den Planungen des Bezirks wird auch die als Mehringdamm- Umfahrung beliebte Achse Zossener Straße/Friesenstraße vom Durchgangsverkehr mit Ausnahme der BVG-Busse befreit, wogegen sich der Senat bislang gewehrt hatte. Der BUND begrüßt diesen Entschluss, der nun als Vorbild für andere Straßen dienen sollte (mehr zum Umbau der Bergmannstraße im BUND-Blog).

Nicht ganz so lange hat es gedauert, die Friedrichstraße zwischen Leipziger und Französische Straße für den Autoverkehr zu schließen, allerdings ist diese Fußgängerzone mit Radspuren nur vorübergehend bis Ende Januar eingerichtet. Für den Radverkehr ist damit eine komfortable Nord-Süd- Achse entstanden, da der Autoverkehr auf der restlichen Friedrichstraße stark abgenommen hat.

Die Geschäfte in der Friedrichstraße laufen seit Jahren schlecht. Vor allem in den Quartieren 205 und 206 ist der Leerstand hoch, es gibt kaum Gastronomie, sogar der schwedischer Billig- Klamotten-Händler hat seine Filiale geschlossen. Nun fehlen auch noch die Tourist*innen, von denen die Friedrichstraße zu großen Teilen lebt. Wenige Wochen nach Start des Experiments teilte mit der Galeries Lafayette der mit Abstand wichtigste Händler der Straße mit, dass die Kund*innen zumindest nicht weniger geworden sind. Ob aber die kalten Monate der beste Zeitraum sind, um massenweise Berliner*innen aus anderen Bezirken zum Flanieren und Einkaufen nach Mitte zu locken? Es ist zu hoffen, dass sich Corona-bedingte Umsatzeinbußen in Grenzen halten und die Idee der autofreien Einkaufsstraße nicht diskreditiert wird.

Nur für zwei Tage wurde die Wilmersdorfer Straße im Oktober testweise zwischen Schiller- und Bismarckstraße zur Fußgängerzone, die Entscheidung über eine dauerhafte Einrichtung soll 2021 fallen. Hier sind es vor allem die örtlichen Geschäftsleute, die sich für eine Verlängerung der ältesten Fußgängerzone Berlins einsetzen.

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 20-4.

 

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