Zero-Waste-Botschafter*innen verteilen Biomüllbehälterin der Neuköllner High-Deck-Siedlung. Foto: Pia Roß
Ist Berlin Müllmetropole oder Abfallvermeidungshauptstadt? Wohl von beidem etwas. Einerseits sind illegale Müllablagerungen vom Kühlschrank über den leeren Pizzakarton bis zur Zigarettenkippe kaum zu übersehen. Andererseits regt sich in kaum einer anderen Stadt in der Republik eine so aktive, vielseitige Zero-Waste-Szene, die von Repaircafés über Unverpacktläden bis zu Kiez-Clean-up-Initiativen reicht. Doch wie macht man aus dem Engagement vieler Einzelner eine breite Bewegung? Wie wird Müllvermeidung ein ganz selbstverständlicher Teil der täglichen Routine in den verschiedensten Milieus?
Das neue BUND-Projekt „Engagiert für Zero Waste – Gemeinsam Kreisläufe bilden“ versucht es mit ehrenamtlichen Zero-Waste-Botschafter*innen, die in ihren Kiezen aktiv werden. Konkret: Der BUND schult interessierte Berliner* innen, damit sie den Zero-Waste-Gedanken in ihrem Wohnumfeld verbreiten. Gespräche über Abfall und seine Vermeidung finden somit unter Nachbar*innen auf Augenhöhe statt. Nach der Schulung organisieren die Zero-Waste-Botschafter*innen in ihren Kiezen die verschiedensten Aktionen. Um nur einige zu nennen: Picknick im Park ganz ohne Müll, Abfallberatung im örtlichen Café, Zero-Waste- Filmabend in der Stadtteilbibliothek, Kurse zu digitalen Hilfen für Abfallvermeidung und -trennung, Infostände vor Supermärkten oder bei Straßenfesten, Müllspaziergänge durch den Kiez sowie Mülltrenn-Quizspiele in Schulen und Kitas.
Wer Zero-Waste-Botschafter*in werden will, muss keine Vorkenntnisse im Abfallwesen mitbringen. Denn die achtteilige Schulung, die der BUND teils in Präsenz und teils online abhält, macht die Ehrenamtlichen in allen wichtigen Fragen sattelfest. Die künftigen Botschafter*innen erfahren, mit welchen Abfallmengen Berlin umzugehen hat, welche Folgen das für die Umwelt hat und welches Entsorgungsunternehmen was macht. Von Sammelquoten bis zum richtigen Trennen lernen sie alles über die Recyclingklassiker Papier und Glas, über Mehrweg und Einweg und über die damit verbundenen Symbole. Was wirklich in die Wertstofftonne gehört und warum die getrennte Sammlung von Bioabfall so wichtig ist, steht ebenso auf dem Lehrplan wie der Umgang mit ausrangierten Elektrogeräten und gebrauchten Textilien.
Immer zentral: Welche Alternativen gibt es zum Wegwerfen? Und welche Hilfen bietet das Internet, etwa in Form des BUND-Portals für Re-Use- und Zero-Waste-Orte in der Hauptstadt? Abgerundet wird die Schulung unter anderem durch die Exkursion zu einer Alba-Sortieranlage für Verpackungsabfall. Im Lauf des Projekts schult der BUND fünfmal engagierte Berliner*innen. Für den nächsten Durchgang im Herbst 2026 gibt es noch freie Plätze.
Interessiert? Bewerben Sie sich als Zero-Waste-Botschafter*in unter zerowaste(at)BUND-berlin.de


