BUND Landesverband Berlin

Von dick zu Düne

13. November 2021 | BUNDzeit-Artikel, Bäume, Naturerleben, Stadtnatur, Wälder

Die Baumberge im Tegeler Forst sind eines der letzten erhaltenen größeren Dünenensembles Berlins. Der Weg dorthin führt an bemerkenswerten Naturdenkmalen vorbei.

Der höchste Baum, der älteste Baum, der dickste Baum: Wenn wir den Weg zu den Sanddünen Baumberge im Tegeler Forst zum Pfad der drei Berliner Baumsuperlative machen wollen, müssen wir einen kleinen Schlenker machen. Statt von der Greenwichpromenade in Alt-Tegel über die Tegeler Hafenbrücke dem Ufer des Tegeler Sees zu folgen, bis der Mühlenweg in den Wald abzweigt, gönnen wir uns den Abstecher in den Schlosspark Tegel. Dieser naturnahe, wenig frequentierte Park ist zwar für Spaziergehende geöffnet, befindet sich aber im Privatbesitz der Nachfahren der Familie Humboldt. Einen Steinwurf neben dem Humboldt-Schloss steht auf der Schlosswiese eine wuchtige, rund 350 Jahre alte Stieleiche, genannt die Humboldteiche. Es handelt sich mit einem Umfang von 7,80 Metern um den dicksten Baum Berlins; zuletzt gemessen 2016, seither dürften ein paar Zentimeter hinzugekommen sein.

Weil der Schlosspark Tegel in Richtung Westen zwar fast bis zum Tegeler See reicht, derzeit aber nur einen Ein- und Ausgang am östlichen Ende hat, geht es außenherum wieder zum Seeufer: entweder südlich die Gabrielenstraße durch bewohntes Gebiet (kürzere Variante) oder nördlich auf einem schmalen Fußweg im Wald entlang der Parkeinzäunung. Wenige Meter bevor die nördliche Umgehung des Schlossparks auf den Uferweg stößt, treffen wir nach einer Biegung auf eine weitere Stieleiche aus dem Superlativtrio: die Dicke Marie. Angeblich verpassten ihr Wilhelm und Alexander von Humboldt diesen Namen. Namenspatronin soll die Köchin des Schlosses gewesen sein, auf dem die beiden späteren Wissenschaftspioniere als Kinder die Sommermonate verbrachten. Über das genaue Alter des fast sechs Meter dicken Baums schwanken die Einschätzungen zwischen 400 und 800 Jahren, dennoch gilt die Dicke Marie als ältester Baum Berlins.

Wo der Uferweg „An der Malche“ auf den Schwarzen Weg stößt, zweigt schräg in Richtung Westen ein Waldweg ab, der Mühlenweg. Ihm folgen wir gute zwei Kilometer durch den Tegeler Forst. Dabei durchqueren wir die sogenannte Referenzfläche. Auf diesem 90 Hektar großen Gebiet findet keine Forstwirtschaft mehr statt, der Wald darf sich zum Urwald entwickeln. Wir queren die Konradshöher Straße und erreichen kurz darauf den höchsten Baum Berlins, eine 42 Meter hohe Lärche.

Sobald es Richtung Norden ins Naturschutzgebiet abgeht (zu erkennen am dreieckigen grünen Schild), haben wir unser Ziel erreicht. Anders als der Name Baumberge verheißt, sind die beim Schmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit entstandenen Dünen aber nicht durchgehend bewaldet. Vielmehr sind sie abseits der von alten Buchen geprägten Ränder von seltenen Sandtrockenrasenarten, Sandheiden und Ginster bedeckt. Zu den hier vorkommenden besonders geschützten Arten gehören Zauneidechse und Knoblauchkröte.

Die Binnendünenlandschaft musste im letzten Jahrhundert einiges aushalten. In den Zwanzigern entnahm man Sand für den Bau des Bahndamms der nahen Kremmener Bahn, nach Kriegsende bis in die frühen Neunziger trainierten die französischen Alliierten hier das Panzerfahren. Seit 2011 ist Baumberge als Naturschutzgebiet ausgewiesen, allerdings übt die starke Freizeitnutzung einen nicht unerheblichen Druck auf das Gelände aus. Wie in allen Naturschutzgebieten gilt also auch hier: Bitte nicht die Wege verlassen und Hunde nur angeleint führen.

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 21-4.

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