Wald und Friedhof in Gefahr

06. Februar 2026 | Artenvielfalt, Bäume, BUNDzeit-Artikel, Kampagne Grüne Flächen retten, Stadtnatur

Mit der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ macht der BUND Druck für den Erhalt der Stadtwildnis. Unter anderem in Mariendorf und in Lichterfelde-Ost.

Zentrale Allee auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof III in Mariendorf. Foto: Björn Obmann/BUND Berlin

Statt 1,93 Millionen Quadratmeter leerstehende Bürofläche in Wohnraum umzuwandeln oder die 30.000 illegalen Ferienwohnungen dem regulären Wohnungsmarkt zuzuführen, setzt der Berliner Senat aus CDU und SPD auf die vermeintliche Zauberformel „Bauen, Bauen, Bauen“. Und verschleudert mit dem Stadtgrün ein kostbares Erbe. Der BUND richtet drei große Forderungen an die Politik: Erstens sollen Wiesen, Parks, Wälder und Kleingärten nicht mehr zugebaut werden. Zweitens brauchen die Menschen in der wachsenden Stadt mehr wohnortnahes Grün. Drittens sollen Neubauten ausschließlich auf schon versiegelten Flächen entstehen. 

Die beiden Flächen, um die es heute geht, sind längst nicht so groß und stadtbekannt wie das Tempelhofer Feld und die Wuhlheide, die Promis unter den von der Bauwut bedrohten grünen Orten in Berlin. Aber sie stehen für zwei sehr wichtige Typen von Flächen, die es immer wieder vor Motorsägen und Planierraupen zu verteidigen gilt: Friedhöfe und Brachen. 

Friedhöfe verlieren aufgrund des Trends zur Feuerbestattung immer mehr ihre ursprüngliche Funktion. Das bedeutet keineswegs, dass sie für die Stadt un- wichtig geworden sind. Dank ihres alten Baumbestands halten Friedhöfe wie kaum eine andere Grünfläche auch in dicht besiedelten Kiezen die Luft rein und kühlen die Umgebung. In der Regel weisen sie eine hohe Artenvielfalt auf. Und nicht zuletzt liefern sie Menschen mit dem sogenannten Erholungsblick Entspannung für die Augen. 

Mit Brachen sind Flächen gemeint, auf denen derzeit keine wirtschaftliche oder sonstige Nutzung durch Menschen stattfindet. Öde und unbelebt sind sie deswegen noch längst nicht – ganz im Gegenteil. Sofern sie nicht versiegelt sind, werden Brachen innerhalb weniger Jahre von Pflanzen und Tieren besiedelt. Nicht selten bilden sie grüne Korridore und verbinden verschiedene Biotope miteinander. Die Tatsache, dass die Brachen früher einmal menschlichen Aktivitäten gedient haben, bedeutet nicht, dass sie für den Artenschutz und das Mikroklima unwichtig sind. 

Dreifaltigkeitsfriedhof III: Kräne statt Horstbäumen? 

So viel steht fest: Für diejenigen, die sich eine der bis zu 350 Wohnungen leisten können, die auf der knapp 2,4 Hektar großen nördlichen Hälfte des Dreifaltigkeitsfriedhofs III in Mariendorf gebaut werden sollen, wartet ein außergewöhnlich schöner Blick. Im Norden die Grünanlage Schätzelberge, im Osten die Kleingärten an der Ullsteinstraße, im Süden der noch bewirtschaftete Rest von Dreifaltigkeit III bis zur Eisenacher Straße, im Westen der Heilig-Kreuz-Friedhof. Die Lage mitten im Grünen bedeutet aber auch: Die geplanten Bauten unterbrechen einen Biotopverbund, und zwar an zentraler Stelle. 

Dank der 1897 begonnenen Nutzung als Friedhof konnte sich in dieser grünen Oase ein äußerst vielseitiger, kleinteiliger Mix unterschiedlicher Biotope ansiedeln. Vor allem der Baumbestand ist bemerkenswert: Nicht weniger als vier Ahornarten (Feld-, Eschen-, Spitz- und Bergahorn), Kastanien, Eschen, Säulen- und Zitterpappeln, Waldkiefern, Stiel- und Säuleneichen, Winterlinden, Robinien, Feldulmen und diverse Obstbäume haben auf dem Gelände Wurzeln geschlagen. Eine Untersuchung der örtlichen Pflanzenwelt hält den Baumbestand als Fledermausquartier für geeignet, unter anderem für Abendsegler. In den vergangenen Jahren brütete ein Mäusebussardpaar auf dem Friedhof, eines von nur rund 50 in Berlin. Allein schon die Aktivitäten zum Bau der neun Häuser auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof III würden ausreichen, um das Gelände für den streng geschützten Greifvogel unattraktiv zu machen. 

Ehemaliges Coca-Cola-Gelände: Doppelhaushälften statt Wald? 

An der Hildburghauser Straße, nur wenige Schritte vom S-Bahnhof Osdorfer Straße entfernt, steht ein markanter dreistöckiger Fünfzigerjahre-Bau. Cineast* innen ist er als einer der Drehorte von Billy Wilders Film „Eins, zwei drei“ von 1961 bekannt, in dem der örtliche Coca-Cola-Chef die Expansion hinter den Eisernen Vorhang plant. Auch im echten Leben hatte der Brausekonzern zu Mauerzeiten hier seinen Berliner Sitz. Nachdem Coca-Cola 1993 nach Hohenschönhausen gezogen war, fiel das 2,5 Hektar große Gelände in einen Dornröschenschlaf. 1,25 Hektar davon sind mittlerweile bewaldet. 

Die Waldeigenschaft schützt allerdings nicht vor Bebauung. Um die Genehmigung zur Waldumwandlung zu erhalten, muss der Investor lediglich eine Ablöse, die sogenannte Walderhaltungsabgabe zahlen. Dies ist eine höchst irreführende Bezeichnung angesichts der Tatsache, dass der Wald eben nicht erhalten, sondern gerodet wird. Auch wenn die Walderhaltungsabgabe für Wiederbewaldung an anderer Stelle genutzt wird, fehlt gerodeter Wald – als CO2-Senke im Allgemeinen und als temperatursenkender Faktor an Ort und Stelle. 

Auch auf die Tierwelt hat das Bauvorhaben negative Auswirkungen. Auf dem Gelände leben unter anderem Zauneidechsen. Die Bauarbeiten würden alle wichtigen Habitate der streng geschützten Reptilien zerstören. Daneben wurden mehrere Arten von Brutvögeln nachgewiesen, darunter auch die Bachstelze, die auf der Vorwarnliste steht. 

Für welche Form von Bebauung soll das Wäldchen zwischen Hildburghauser Straße, Hochstraße und Anhalter Bahn weichen? Ausgerechnet 51 Doppelhaushälften und Reihenhäuser will ein Investor auf dem Gelände errichten und kann sich dabei auf den Bebauungsplan aus dem Jahr 2003 stützen. In der Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf hält eine Mehrheit von CDU, FDP und AfD an dieser wenig zeitgemäßen, weil höchst ineffizienten Form der Flächennutzung fest und begründet dies mit „verstärkter Nachfrage von Familien zur Eigentumsbildung“. Kritiker*innen zufolge ist von Kaufpreisen von einer Million Euro pro Reihenhaus zu rechnen. Einen nennenswerten Beitrag zum bezahlbaren Wohnen leistet das Bauvorhaben auf dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände also ganz sicher nicht. 

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 1/2026.

Machen Sie mit dem BUND gemeinsam Druck, zeichnen Sie jetzt die Petition „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“: 

www.gruene-flaechen-retten.de

Sie haben schon unterschrieben? Hervorragend. Dann werben Sie im Bekanntenkreis, reden Sie mit Freund*innen und Kolleg*innen, machen Sie die Rettung der grünen Flächen zum Topthema in Berlin!

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb