Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

09. August 2026 | BUNDzeit-Artikel, Klimaschutz

Zu viele Lücken: Der Plan zur künftigen Wärmeversorgung Berlins überzeugt nicht

Nebulös: Soll im Kraftwerk Klingenberg Holz für Fernwärme verbrannt werden? Foto: Sebastian Petrich

Im Juni hat der Senat den Wärmeplan beschlossen. Dieser soll den Heizsektor, der für rund 40 Prozent der CO2-Emissionen in der Stadt verantwortlich ist, bis 2045 klimaneutral machen. In etlichen Gebieten ist die künftige Heiztechnik noch zu prüfen. Das erfordert viel Beratung und Abstimmung zwischen Senatsverwaltungen, Bezirksämtern und Netzbetreibern, unter anderem weil Zuständigkeiten für Gewässer, Tiefbau und Leitungen auf unterschiedliche Ebenen verteilt sind. 

Aus diesen Herausforderungen leitet der Wärmeplan einen umfangreichen, aber unverbindlichen Maßnahmenkatalog ab: Fast alles steht unter Finanzierungsvorbehalt. Für mehr Personal gibt es kein Geld, obwohl klar ist, dass das vorhandene nicht alles stemmen kann. So werden die Bezirke nicht die ihnen zugedachten Aufgaben erledigen können: Gebiete mit Potenzial für neue Wärmenetze identifizieren, die eigenen Gebäude sanieren und an Wärmenetze anschließen, Wärmeprojekte der Bürger*innen begleiten und bezirkseigene Grundstücke für Geothermieprojekte einbringen. 

Während in locker bebauten Gebieten eine dezentrale Versorgung meist mit Wärmepumpen geplant ist, sollen im dichter besiedelten Bereich mehr Häuser als bislang an die Fernwärme angeschlossen werden. Sie soll laut Wärmeplan bis 2045 fast 45 Prozent des Berliner Wärmebedarfs decken. Und zwar klimaneutral. Wie das gelingen soll, ist völlig unklar. 
Der neue „Dekarbonisierungsfahrplan“ des landeseigenen Fernwärmeversorgers Berliner Energie und Wärme (BEW) präsentiert drei Szenarien. Eines setzt auf Wasserstoff als Energiequelle, das zweite auf Wärmepumpen, Power-to-Heat und Geothermie. Das dritte Szenario erweist sich nicht als durchdachter Kompromiss, sondern schlicht als rechnerisches Mittel der beiden anderen. Alle drei kommen nicht ohne klimaschädliche Biomasse- und Abfallverbrennung aus. Wasserstoff ist knapp, in der Fernwärme sollte er nur selten zum Einsatz kommen, wenn kurzfristige Spitzenlasten abgesichert werden müssen. Verheizt die Fernwärme im Regelbetrieb viel Wasserstoff, Biomasse und Abfall, ist sie eher Teil des Problems als Teil der Lösung. 

Der Wärmeplan sieht zwar vor, den Gasverbrauch bis 2035 zu halbieren und bis 2045 auf unter drei Prozent zu drücken. Doch wie der Ausstieg aus den Gasverteilnetzen und der dezentralen Gasverbrennung konkret laufen soll, bleibt völlig offen. Eine weitere Leerstelle ist die Wärmedämmung. Eigentlich müssten weit über zwei Prozent der Wohnfläche jährlich energetisch saniert werden, um Berlin „Paris-konform“ zu machen. Aktuell sind es nur 0,8 Prozent. Der Wärmeplan peilt 1,7 Prozent an und sieht kein Geld dafür vor. Der BUND findet: Der Senat muss die Defizite bei der energetischen Sanierung klar benennen und Instrumente entwickeln, um die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schließen. Kurz: Er muss eine verbindliche politische Strategie vorlegen.

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Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 3/2026. 

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