BUND Landesverband Berlin

BUND Berlin fordert weitgehende Beschränkungen für das private Abbrennen von Pyrotechnik

27. Dezember 2022 | Luft, Artenvielfalt, Gesellschaft, Stadtnatur

Das massenhafte Zünden von Böllern und Raketen zu Silvester bedroht Mensch und Umwelt und ist eine massive Ressourcenverschleuderung.

Feuerwerk am Brandenburger Tor zum Jahreswechsel 2021. Foto: Leonhard Lenz (CC0 1.0)

Info 38/ Berlin, 27.12.22: Zum Verkaufsstart von Pyrotechnik erklärt ein Sprecher des BUND Berlin (Bund für Umwelt und Naturschutz Berlin e.V.): "Das massenhafte Zünden von Böllern und Raketen zu Silvester bedroht Mensch und Umwelt und ist eine massive Ressourcenverschleuderung. Der BUND Berlin fordert daher möglichst weitgehende Beschränkungen für das private Abbrennen von Pyrotechnik.

Das Silvesterfeuerwerk ist in der Regel für rund ein Sechstel der jährlichen Feinstaub-Emissionen in Städten verantwortlich, wie Studien ergeben haben. Rund um die Silvesternacht werden die sowieso zu hohen Grenzwerte oft um das Dutzendfache überschritten. Für Wild-, aber auch Haustiere ist die Knallerei rund um den Jahreswechsel ein Horror. Die für sie nicht zuordenbaren Detonationen sorgen für erheblichen Stress.

Dazu werden auch noch erhebliche Mengen an Müll durch die Pyrotechnik produziert. Die Berliner Stadtreinigung muss jährlich zu Neujahr hunderte Kubikmeter Unrat von den Straßen einsammeln. Einen nicht unerheblichen Anteil daran dürften die Rückstände von Böllern und Raketen haben.

Aus Sicht des BUND Berlin könnte ein Kompromiss in der bereits lange währenden Diskussion das Abhalten einiger zentraler, professionell organisierter Feuerwerke in Berlin bei Untersagung privaten Zündens von Pyrotechnik sein. Damit würden die Belastungen auf einige wenige Gebiete konzentriert. Auch würden erheblich geringere Feinstaubmengen emittiert."

In Berlin lag der maximale Ein-Stunden-Wert für Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von 10 Mikrometern laut Senatsumweltverwaltung an den Neujahrstagen 2011 bis 2019 bei durchschnittlich 555 Mikrogramm pro Kubikmeter, am 1. Januar 2020 sogar bei 757 Mikrogramm. Ein Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft darf laut aktuellen Grenzwerten höchstens 35 Mal im Jahr überschritten werden Die pandemiebedingten Feuerwerkseinschränkungen führten zu deutlich geringeren Emissionen: Der mittlere Wert lag bei 223 Mikrogramm pro Kubikmeter.


Im September 2021 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO neue Empfehlungen mit deutlich geringeren Grenzwerten, da inzwischen eindeutige Evidenz vorliege, dass sich die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung bei noch niedrigeren Konzentrationen als bisher angenommen zeigen. Für Feinstaub der Partikelgröße bis 10 Mikrometer wird nun ein Jahres-Mittelwert von 15 statt bisher 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft empfohlen. Der EU-Jahres-Grenzwert für PM10 liegt derzeit bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Das europäische Parlament hatte bereits im März 2021 den Beschluss gefasst, die Grenzwerte anzupassen, sobald die neuen Empfehlungen der WHO vorliegen.

Für Rückfragen:

Carmen Schultze, BUND-Pressereferentin

fon: (030) 78 79 00 12

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb