Die Pilze sind nicht weg – sie schlummern im Boden

02. September 2026 | Pilze, Klimawandel, Stadtnatur

Pilzführungen des BUND Berlin versprechen trotzdem interessante Funde

Foto: Barbara Rybicka (CC BY-SA 4.0)

Berlin, 2. September 2026: Ausgeprägte Trockenphasen haben 2026 die Bedingungen für Pilze in Berlin und Brandenburg regional deutlich verschlechtert. Nach längeren Trockenperioden erscheinen bei vielen Pilzarten weniger Fruchtkörper oder sie erscheinen später und über einen kürzeren Zeitraum. Wie die eigentliche Herbstsaison ausfällt, hängt jedoch stark von den Niederschlägen der kommenden Wochen ab. Aber „pilzleer“ sind die Wälder trotzdem nicht. Nach ausreichenden Niederschlägen können vielerorts wieder Fruchtkörper erscheinen.
 
„Die Pilze sind deshalb nicht unbedingt verschwunden – ihr Myzel kann weiterhin im Boden oder Holz vorhanden sein. Sichtbar wird für uns mit dem Fruchtkörper nur ein kleiner Teil des eigentlichen Organismus“, sagt BUND-Pilzexpertin Tamara Pilz-Hunter.

Führungen und Bestimmungen ab Ende September
 
Tamara Pilz-Hunter bietet ab 21. September wieder für den BUND Berlin zahlreiche Führungen und Pilzbestimmungen an. Als sehr beliebt haben sich die im vergangenen Jahr erstmals angebotenen Pilzwalks im und um das vom BUND Berlin betriebene Umweltbildungszentrum „Nirgendwo mitten in Friedrichshain erwiesen. Sie zeigen, dass auch in urbanen Grünflächen zahlreiche Pilz-Entdeckungen zu machen sind. Die Bestimmungen bereits gesammelter Pilze werden an verschiedenen Terminen im Nirgendwo im Wriezener Park in Friedrichshain sowie in der Geschäftsstelle des BUND Berlin in der Crellestraße 35 in Schöneberg angeboten.
 

Eine Übersicht über alle angebotenen Termine ist hier zu finden: https://www.bund-berlin.de/service/tipps/pilzprogramm/


Klimakrise beeinflusst Pilze stark
 
Die Klimakrise mit häufigeren bzw. intensiveren Hitze- und Trockenperioden wirkt sich auf Pflanzen und Pilze aus. Denn viele unserer bekannten Waldpilze, darunter Steinpilze, Täublinge, Milchlinge oder Pfifferlinge, leben in Symbiose mit Bäumen. Der Pilz unterstützt den Baum bei der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und erhält dafür vom Baum Kohlenhydrate. Gerät der Baum durch anhaltende Trockenheit unter Stress, betrifft das deshalb auch seine Pilzpartner. Umgekehrt können bestimmte Mykorrhizapilze dem Baum helfen, mit Trockenstress besser umzugehen.
 
Doch die Dürre hat nicht für alle Pilze dieselben Folgen. Werden Bäume durch Hitze und Wassermangel geschwächt, sterben Äste oder ganze Bäume ab, entstehen gleichzeitig neue Lebensräume und Nahrung für andere Pilzgruppen. Bestimmte parasitische Pilze können von geschwächten Bäumen profitieren, während Holzzersetzer zusätzliches Totholz besiedeln können.
 
Damit kann Trockenheit die Pilzgemeinschaft in verschiedene Richtungen verändern: Während sich für manche Mykorrhizapilze die Bedingungen verschlechtern, können andere Arten vom zunehmenden geschädigten und abgestorbenen Holz profitieren. Allerdings benötigen auch Holzzersetzer Feuchtigkeit – mehr Totholz bedeutet deshalb nicht automatisch mehr sichtbare Pilzfruchtkörper.
 
Dabei reagieren nicht alle Pilze gleich. Es gibt deutliche Unterschiede in der Trockenheitstoleranz verschiedener Arten und Pilzgemeinschaften. Dürre bedeutet deshalb langfristig möglicherweise nicht einfach „weniger Pilze“, sondern eine Verschiebung der Pilzgemeinschaften: Manche Arten könnten mit den veränderten Bedingungen besser zurechtkommen als andere.
 
„Der Klimawandel lässt die Pilze nicht einfach verschwinden – er könnte unsere Pilzwelt neu sortieren. Welche Arten zu Gewinnern und Verlierern von Hitze und Dürre werden, hängt von ihren unterschiedlichen Anpassungen und Lebensweisen und bei Mykorrhizapilzen auch von der Reaktion ihrer Wirtsbäume ab“, sagt Tamara Pilz-Hunter.

Die Situation in Brandenburg
 
In Brandenburg spielt die Kombination aus geringen Niederschlägen, sandigen Böden und großen Kiefernbeständen eine große Rolle. Auch die an trockene Standorte vergleichsweise gut angepasste Waldkiefer gerät bei lang anhaltender und wiederkehrender sommerlicher Trockenheit unter Stress. Das kann sich wiederum auf die mit ihr verbundenen Mykorrhizapilze auswirken.
 
Parallel zu den klimatischen Veränderungen lässt sich auch die Ausbreitung neuer Pilzarten beobachten. Ein interessantes Beispiel ist der Großsporige Röhrling (Aureoboletus projectellus), auch „Falsche Rotkappe“ genannt. „Die ursprünglich nordamerikanische Art breitet sich über das Baltikum und Polen inzwischen auch in Deutschland aus und geht bei uns eine Mykorrhiza mit der Waldkiefer ein. Ob trockenere und wärmere Bedingungen seine Ausbreitung zusätzlich begünstigen und ob solche Neuankömmlinge langfristig heimischen Pilzarten Konkurrenz machen, ist allerdings noch nicht ausreichend untersucht“, berichtet Tamara Pilz-Hunter.

Die Lage in Berlin
 
„In Berlin kommen zur allgemeinen Trockenheit der städtische Wärmeinseleffekt, Versiegelung, verdichtete Böden und kleine Wurzelräume hinzu. Regenwasser erreicht den Boden und damit Baumwurzeln und Pilzmyzel häufig schlechter. Auch hier geht es also nicht nur um den Baum: In den Böden unserer Parks, Grünflächen und Baumscheiben befindet sich ein weitgehend unsichtbares Netzwerk aus Pilzen, das ebenfalls auf die veränderten Bedingungen reagiert“, so Tamara Pilz-Hunter weiter.
 
Welche Rolle die Verbindung von Pilzen und Bäumen spielt, zeigen auch die in Berlin bereits durchgeführten Experimente mit Mykorrhizapilzen an Stadtbäumen. „Auch in Berlin wurde bereits untersucht, ob eine gezielte Impfung mit Mykorrhizapilzen die Entwicklung von Stadtbäumen verbessern kann. Solche Versuche zeigen, wie komplex das Zusammenspiel von Baum, Pilz und Standort ist. Mykorrhiza kann Bäume unter bestimmten Bedingungen unterstützen, eine einfache Formel ‚Mykorrhiza-Impfung = trockenheitsresistenterer Baum‘ lässt sich daraus jedoch nicht ableiten“, sagt Tamara Pilz-Hunter.

Kontakt:
Tamara Pilz-Hunter, Sprecherin des Arbeitskreises Pilzkunde & Ökologie des BUND Berlin

Zur Übersicht

Termine

BUND-Bestellkorb