Immer häufiger im Stadtbild zu sehen und beim
BUND erhältlich. Foto: Rick Heger
Laut Stadtentwicklungsplan Wohnen braucht Berlin bis 2040 genau 222.000 neue Wohnungen. Ein erheblicher Teil davon soll in gänzlich neuen Stadtquartieren entstehen. Damit beschreitet der Senat den scheinbar einfachen Weg: Dort bauen, wo noch nichts gebaut ist. Dieser Logik folgend müssen für 16 von 24 der neuen Stadtquartiere grüne Flächen geopfert werden. Dies ist auch bei den zwei Flächen, die wir in dieser BUNDzeit vorstellen, der Fall.
Wie Wohnungsbau und Stadtnatur koexistieren können, zeigt das BUND-Dossier „Bauprojekte auf grünen Flächen?“. Es sucht die Umgebung von neun aktuell geplanten Wohnbauvorhaben nach umweltverträglichen Alternativstandorten ab und ermittelt, wie viele Wohnungen dort entstehen könnten. Bedingung: Die Alternativstandorte befinden sich auf weitgehend versiegelter Fläche, liegen innerhalb bebauter Gebiete und verfügen über beste Erschließung. Grünanlagen sind selbstverständlich ausgeschlossen. In den meisten Fällen handelt es sich um Parkplätze, Discounter, Autohandel oder überdimensionierte Straßen. Die neun untersuchten Projekte sehen 11.360 Wohnungen vor, während die Alternativstandorte Platz für 8.510 Wohnungen bieten. Für die fehlenden 2.850 Wohnungen gilt es weitere Potenziale zu erschließen; das kann die Bebauung der einen oder anderen Baulücke oder die Umnutzung von bisherigen Gewerbeflächen sein. Vor allem der Umbau von ungenutzter Bürofläche bietet viel Potenzial.
Bei allen neun analysierten Bauvorhaben teilen sich die Alternativen auf mehrere Standorte auf. Mehr kleinere Projekte zu realisieren, mag mühevoller sein. Die Stadtgesellschaft würde allerdings davon profitieren. Sie könnte sich langwierige Auseinandersetzungen um Artenschutz und Grünverlust sparen, vielleicht sogar Wunden aus unglücklicher Stadtplanung in der Vergangenheit heilen.
Dossier „Bauprojekte auf grünen Flächen“
Lichterfelde Süd: Zu viel Platz für Reihenhäuschen
In der Nazizeit Reichsbahn-Arbeitslager und Kriegsgefangenenlager, von 1953 bis 1994 Truppenübungsplatz der US Army – das 96 Hektar große Gelände zwischen dem S-Bahnhof Lichterfelde Süd und der Stadtgrenze hat eine wechselvolle Geschichte. Auf einer 39 Hektar großen Teilfläche entstehen in den kommenden Jahren über 2.500 Wohneinheiten plus Schule, Kita und Gewerbe. Bei den Wohneinheiten handelt es sich um über 1.850 Geschosswohnungen, die teilweise von der landeseigenen Degewo errichtet werden, und um rund 420 Reihen- und Doppelhäuser der Groth-Gruppe.
Dass die Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf den Bau der wenig flächensparenden Reihenhäuschen beschlossen hat, kritisiert der BUND schon seit Jahren. Denn wie Gutachten belegt haben, können auf dem Gelände nur 16 Hektar ohne große Eingriffe in die Natur bebaut werden. Hätte man die 2.500 Wohneinheiten ausschließlich in Mehrfamilienhäusern vorgesehen, müsste man nun nicht das rund vier Hektar große Wäldchen roden, das schon lange vor dem Abzug der Alliierten herangewachsen ist.
Nach Naturschutzrecht muss ein Eingriff in erster Linie vermieden werden, nur wenn das gar nicht geht, muss er kompensiert werden. Der hier vorliegende Eingriff, die Waldzerstörung, hätte durch den Verzicht auf so viele Reihenhäuser sehr leicht vermieden werden können. Das ist ein grobes Versäumnis des Bezirks und auch des Senats, der den Bebauungsplan geprüft hat. Da hilft es auch nicht, dass das Projekt ansonsten ein sehr gutes Kompensationskonzept hat, mit diesem auch die wertvolle Lichterfelder Weidelandschaft sichert und direkt benachbart weitere 18 Hektar Ackerland in eine „Neue Weidelandschaft“ umwandelt. Weil Naturverlust nie wirklich kompensiert werden kann, fordert der BUND mit seiner Kampagne „Grüne Flächen retten“ ein sofortiges Ende der Neuversiegelung.
Führung über die Lichterfelder Weidelandschaft: jeden ersten Sonntag im Monat, 13 Uhr, Reaumurstraße 17–19
www.BUND-berlin.de/weidelandschaft
Pankower Tor: Kleiderschränke statt Kreuzkröten?
Das rund 40 Hektar große Gelände, das sich parallel zur S-Bahn zwischen Pankow und Pankow-Heinersdorf erstreckt, diente zwischen 1893 und 1996 als Rangierbahnhof. Gemäß dem städtebaulichen Vertrag zwischen dem AfD-Spender und Möbel-Tycoon Kurt Krieger (Möbel Höffner, Möbel Kraft) einerseits und dem Land Berlin andererseits werden dort demnächst 2.000 bis 2.500 Wohnungen, zwei Kitas, eine Schule und eine Einkaufsstraße mit ein oder zwei Möbelmärkten gebaut. Obwohl Krieger das Gelände, das er nun als „Pankower Tor“ vermarktet, schon 2009 kaufte, geht es mit dem Bauvorhaben nicht recht voran. Schuld daran sind je nach Lesart ein paar Kröten, querulantige Naturschützer*innen oder die Unfähigkeit der Verwaltung, Bescheide auszustellen, die den Artenschutz so berücksichtigen, wie es die Gesetze verlangen.
In einer idealen Welt leben Kreuzkröten an sandigen Bachufern und in Auen. Da es solche Lebensräume kaum mehr gibt, weichen sie auf andere offene Flächen aus, etwa Kiesgruben. Oder eben auf einen ehemaligen Rangierbahnhof. Die rund 600 Pankower Kreuzkröten sind mittlerweile die einzigen in Berlin. Aufgrund ihrer Größe hat diese Population überregionale Bedeutung. Eine Umsiedelung nach Brandenburg würde nicht nur für Berlin die Auslöschung einer weiteren Art bedeuten. Vielmehr gelang es noch nie, erwachsene Kreuzkröten umzusiedeln. Einen entsprechenden Vorstoß hatte der Senat nach einer Klage des NABU 2021 glücklicherweise zurückgezogen. Ebenso einen weiteren Bescheid, demzufolge das Krieger-Projekt im „überwiegend öffentlichen Interesse“ liegt.
Letzten Herbst zog Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) in Erwartung einer weiteren juristischen Niederlage einen Bescheid zurück, der es erlaubte, neben Kreuzkröten auch Zauneidechsen einzufangen. Und zwar für den Bau eines Regenwasserkanals. In diesem Zusammenhang war auch eine temporäre Umgehungsstraße und eine 1,7 Hektar große Baustelleneinrichtungsfläche vorgesehen. Der NABU schlägt als Kompromiss vor, die Bebauung auf 24 Hektar im Westen zu begrenzen und den Kernlebensraum der Kreuzkröten auszusparen. Für den BUND ist der Fall Pankower Tor ein weiterer Beleg dafür, dass es eine gesetzliche Regelung braucht, die die Umwandlung von grünen Flächen in Bauland verbietet.
BUND-Dialog vor Ort: Pankower Tor, 25.6.2026, 16:30
Machen Sie mit dem BUND gemeinsam Druck, zeichnen Sie jetzt die Petition „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“!
Sie haben schon unterschrieben? Hervorragend. Dann werben Sie im Bekanntenkreis, reden Sie mit Freund*innen und Kolleg*innen, machen Sie die Rettung der grünen Flächen zum Topthema in Berlin!
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 2/2026.


