Lichterfelder Weidelandschaft

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz am S-Bahnhof Lichterfelde Süd wurde durch eine durchdachte und engagierte Landschaftspflege in den letzten Jahrzehnten eine einmalige Naturlandschaft entwickelt, die Lichterfelder Weidelandschaft. Hier kommen zahllose Arten vor, viele von ihnen sind streng geschützt. Der BUND setzt sich dafür ein, dass auch mit der geplanten Teilbebauung des Geländes diese einzigartige Landschaftspflege eine Zukunft hat und dieses Stück Großstadtwildnis erhalten bleibt.

Wertvolle Fläche für die Natur durch gezielte Landschaftspflege

Naturnahe Landschaftspflege durch Pferde. Foto: Anne Loba

Rund 500 Pflanzenarten, 58 Brutvogelarten, sieben Amphibienarten sowie Fledermäuse, 292 Arten Großschmetterlinge, Käfer, 26 Heuschreckenarten und 264 Arten Wildbienen und Wespen – wenn der manchmal überstrapazierte Begriff „Hot Spot der Artenvielfalt“ auf eine Fläche in Berlin zutrifft, dann auf die Lichterfelder Weidelandschaft (s. auch das dafür erstelle Poster, 7 MB) .

Das war nicht immer so. Als die amerikanischen Streitkräfte Anfang der 90ziger Jahre ihr Truppenübungsgelände verließen, damals noch als „Parks Range“ bekannt, war es eine nahezu vegetationsfreie Brache. Mit der Zeit eroberte die Natur das rund 100 ha große Areal zurück. Dass sich hier ein kleinteiliges und blütenreiches Mosaik verschiedenster Biotope entwickelte ist allerdings einer menschlichen Intervention zu verdanken: Die Mitglieder der Reitgemeinschaft Holderhof unter Anne Loba entfernten nicht nur Müll, sondern sorgten mithilfe ihrer hier weidenden Pferde dafür, dass das Gelände nicht komplett zuwuchs. Anne Loba formte mit gezielter, unterschiedlich intensiver Beweidung und mit händischer Pflege die Spontanvegetation zu dieser halboffenen, artenreichen und schönen Weidelandschaft. Dabei wurde nichts gepflanzt oder gesät: Die Pflanzen und Tiere, von denen etliche auf den „Roten Listen“ stehen, siedelten sich hier selbst an, weil sie hier günstige Voraussetzungen vorfanden. Das ausführliche Pflegekonzept von Anne Loba ist in einem Gutachten auf den Internetseiten des Bezirks dargestellt; dort stehen auch andere Unterlagen zur Verfügung. 

Viel Natur wird überbaut – aber die Weidelandschaft bleibt im Kern erhalten

2012 wurde der Großteil des ehemaligen Truppenübungsplatzes und das nördlich anschließende Gewerbegebiet an die Grothgruppe verkauft, die dort – wie frühere Eigentümer auch schon geplant hatten – Wohnungen unter dem Label "Neu-Lichterfelde" bauen will. In einem langen Prozess gelang es, letztlich 57 ha der Weidelandschaft zu sichern. Mit 39 Hektar wird allerdings viel mehr Fläche zur Bebauung freigegeben, als für die Natur vertretbar ist, denn nicht nur das ehemalige Gewerbegebiet sondern auch wertvolle Teile der Weidelandschaft und Waldflächen gehen für die Natur verloren. Dies hatten wir 2015 und 2016 auch ausführlich kritisiert. Wir habe aber lange darum gekämpft, wenigstens für die Weidelandschaft eine akzeptable Lösung zu erreichen und im Vergleich zur ursprünglich möglichen Planung und in Anbetracht des politischen Drucks zum Wohnungsbau in Berlin, können wir diese Rettung der Weidelandschaft als insgesamt akzeptable Lösung ansehen. Dazu an anderer Stelle mehr.
Dennoch bleibt es kritikwürdig, dass auf diesen wertvollen Flächen Reihenhäuser gebaut werden, die nicht nur viel mehr Fläche rauben als Etagenwohnungsbau, sondern durch ihren oft hohen Besatz an Katzen, ihrem Dünger- und Pestizideinsatz in unmittelbarer Nachbarschaft zur Weidelandschaft, die Artenvielfalt auf dieser beeinträchtigen.
 

BUND wird die Weidelandschaft erhalten

Wenn dieses Gelände seinen einmaligen Charakter trotz Teilbebauung behalten soll, dann geht das nur mit der Fortsetzung der gezielten Pflege, einschließlich des Einsatzes der Pferde als Landschaftspfleger. Das macht der BUND und dafür gibt es nun eine provisorische Übereinkunft des BUND mit dem Eigentümer. Der BUND hat dafür die BUND Landschaftspflege-Manufaktur gGmbH gegründet, um diese Arbeiten unkomplizierter ausführen zu können. Außerdem werden in der Weidelandschaft Artenschutzmaßnahmen umgesetzt; diese sind nötig, weil streng geschützte Tierarten, vor allem Zauneidechsen im Baugebiet leben und vor dem Beginn der Bauarbeiten umgesiedelt werden müssen.
In der Weidelandschaft können aber längst nicht alle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für den Verlust an Natur im Baugebiet umgesetzt werden. Aus diesem Grund wird südlich an die Weidelandschaft anschließend – schon in Brandenburg – die jetzige Ackerfläche in eine Ausgleichsfläche nach dem Modell der Weidelandschaft eingerichtet werden. Auch die Pflege dieses Gebietes wollen wir als BUND betreiben, damit die Ausgleichsfläche nicht nur im direkten räumlichen Zusammenhang steht, sondern auch funktional zusammenwirkt.

Weidelandschaft wird Schutzgebiet

Schon 2012 hat der Bezirk bei der zuständigen Senatsverwaltung beantragt, die Weidelandschaft naturschutzrechtlich unter Schutz zu stellen; hier herrscht jedoch chronisch Personalmangel und mit dieser Begründung ist dies bislang nicht erfolgt. Allerdings gibt es vorbereitende Studien, die nicht nur den hohen Wert dieser Fläche feststellen, sondern auch ausführlich die jetzige und somit auch künftige Art der Pflege beschreibt. Auch die Frage, wie diese schöne Natur für die Menschen erlebbar werden soll, wird erarbeitet.
Die Grundlagen sind also da, die Notwendigkeit der Unterschutzstellung als Gegengewicht zur Bebauung ist unstrittig und es ist somit höchste Zeit, die Weidelandschaft als Naturschutzgebiet festzusetzen.

Ein Ort für Umweltbildung

Von der Pferdehaltung auf der Lichterfelder Weidelandschaft profitieren viele Arten.  ((c) Anne Loba)

In Anbetracht des allgegenwärtigen Rückgangs von Insektenarten – der nur ein gut erkennbares Zeichen des allgemeinen Artenschwundes ist – ist es eine sehr wichtige Aufgabe, die spezielle Landschaftspflege zu vermitteln, die hier in der Lichterfelder Weidelandschaft zum Erhalt so vieler Artengruppen beiträgt. Natürlich lässt sich das nicht „Eins zu Eins“ auf andere Flächen übertragen, aber es gibt eine ganze Reihe von Elementen, die je nach Fläche auszuwählen und dann gut übertragbar sind. Ganz wesentlich ist hier:

  • Kleinteilige Pflege – mit kleinen Geräten Strukturvielfalt erhalten bzw. erhöhen statt großflächig nivellieren
  • Einheit von Planen und Umsetzen – Keine Planung im Büro und Umsetzung vor Ort, sondern ständige Rückkopplung von Planung und Umsetzung im Gelände auch entsprechend der realen Auswirkung der Pflegemaßnahmen
  • Artgerechte Tierhaltung – kleine Gruppen, Berücksichtigung der natürlichen Fraßbedürfnisse von Pferden
  • Einsatz der Weidetiere mit dem Hauptziel der Landschaftspflege – Kopplungen nach Bedarf der Landschaftspflege, Berücksichtigung artspezifischer Beweidungseffekte (Verbiss, Tritt, selektiver Fraß)  
  • Berücksichtigung der Spontanvegetation als tragendes Element der Entwicklung

Neben dieser vor allem an Fachleute gerichtete Umweltbildung wird auch die breite Öffentlichkeit berücksichtigt: Führungen werden weiterhin stattfinden und Informationstafeln aufgestellt. Das geplante Umweltzentrum wird neben der professionellen Ausbildung auch die Möglichkeit für allgemeine Veranstaltungen der Umweltbildung bieten. 

Erleben der Weidelandschaft

Im neuen Baugebiet werden die nötigen Flächen für das wohnungsnahe Grün sein, die den Abendspaziergang, das Spielen und die Pause im Grünen und den „kleinen“ Ausflug ermöglichen. Für die „größere Runde“, für längere Aufenthalte ist das sogenannte siedlungsnahe Grün gedacht: Dieses darf weiter entfernt liegen und besteht für die neuen Bewohner*innen vor allem in öffentlich zugängliche Waldbeständen, in vorhandenen Parkanlagen im Grünen Band der ehemaligen Grenze mit seinen Fuß- und Radwegen, Wiesen- und Waldstreifen und der sich anschließenden Feldmark Brandenburgs.

Die Weidelandschaft ergänzt mit Möglichkeiten des Erlebens von Natur und Artenvielfalt. Der Erhalt der spezifischen Natur dieses Geländes hat Priorität und das Erleben darf diese hohe Qualität nicht unterminieren und wegen des gewollten hohen Totholzanteil, der Sicherheit der Weidetiere und wegen der Reste der militärischen Nutzung und möglicher Altlasten im Boden ist nur ein Erleben in Führungen und organisierten Gruppen möglich.

 

Interesse? Lust mitzumachen? Die Freunde der Lichterfelder Weidelandschaft

An jedem ersten Sonntag im Monat um 13 Uhr findet eine Führung statt.

Immer zum Langen Tag der Stadtnatur im Juni bieten wir viele Führungen an: Das ganze Programm gibt es demnächst unter www.langertagderstadtnatur.de

Die BUND-Freunde der Lichterfelder Weidelandschaft unterstützen die Arbeiten dort durch praktische Einsätze am Sonntag und durch regelmäßige Treffen, Lobbyarbeit, Öffentlichkeitsarbeit usw. Wenn Sie Interesse haben, dann melden Sie sich unter: weidelandschaft[at]BUND-Berlin.de.

Sie können uns auch finanziell durch eine Patenschaft  in unserer Arbeit für die Lichterfelder Weidelandschaft unterstützen

Kontakt

Andreas Faensen-Thiebes

Mitglied im Landesvorstand
E-Mail schreiben Tel.: Telefon: 0171-5861640

Anne Loba

Lichterfelder Weidelandschaft
E-Mail schreiben Mobil: 0172-3183641

Patenschaft

Werden Sie Naturschutzpat*in bei der Weidelandschaft Lichterfelde Süd und unterstützen Sie unsere Naturschutzarbeit auf dem Gelände. Patenschaft übernehmen

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