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BUND Landesverband Berlin

Lichterfelder Weidelandschaft

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz am S-Bahnhof Lichterfelde Süd hat sich in den letzten Jahrzehnten eine einmalige Naturlandschaft entwickelt. Hier kommen zahllose Arten vor, viele von ihnen sind streng geschützt. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis der Beweidung mit Pferden. Der BUND setzt sich dafür ein, dass auch mit der geplanten Teilbebauung des Geländes diese einzigartige Landschaftspflege eine Zukunft hat und dieses Stück Großstadtwildnis für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Naturnahe Landschaftspflege durch Pferde. Foto: Anne Loba

Rund 500 Pflanzenarten, 52 Brutvogelarten, sieben Amphibienarten sowie Fledermäuse, Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken und Wildbienen – wenn der manchmal überstrapazierte Begriff „Hot Spot der Artenvielfalt“ auf eine Fläche in Berlin zutrifft, dann auf Weidelandschaft Lichterfelde. Das war nicht immer so. Als die amerikanischen Streitkräfte Anfang ihr Truppenübungsgelände verließen, damals noch als „Parks Range“ bekannt, war es eine nahezu vegetationsfreie Brache. Mit der Zeit eroberte die Natur das rund 100 Hektar Areal zurück. Dass sich hier ein kleinteiliges Mosaik verschiedenster Biotope entwickeln ist allerdings einer menschlichen Intervention zu verdanken. Die Mitglieder der Reitgemeinschaft Holderhof entfernten nicht nur Müll, sondern sorgten mithilfe ihrer hier weidenden Pferde dafür, dass das Gelände nicht komplett zuwuchs. Auf diese Weise formte die Gruppe um Anne Loba die Spontanvegetation zu einer halboffenen Weidelandschaft. Der Rest ist Werk der Natur: Die Pflanzen und Tiere, von denen etliche auf den „Roten Listen“ stehen, siedelten sich hier selbst an, weil sie hier günstige Voraussetzungen vorfanden. 

Die Bauplanung wird dem Gelände nicht gerecht

Der Bebauungsplan von 2016 sieht vor, 39 der 100 Hektar zur Bebauung freizugeben. Das ist wesentlich mehr, als ein Gutachten im Auftrag des Bezirks Steglitz-Zehlendorf empfohlen hatte. Richtig ärgerlich ist die Art der Bebauung: Platzhungrige Doppelhaushälfte und Reihenhäuser nehmen zwei Drittel der Baufläche ein, obwohl sie nur ein Viertel zur geplanten Wohnfläche beitragen. Für diesen verschwenderischen Umgang mit der der Fläche ist die Lichterfelder Weidelandschaft viel zu schade! Auch die Auswahl der zu bebauenden Fläche ist wenig gelungen. Ausgerechnet die südöstliche Ecke, die mit ihrer Heidenelken-Grasnelkenflur für Bienen, Wespen und Schmetterlinge besonders wichtig ist, soll bebaut werden. Noch dazu handelt es sich um die am weitesten vom S-Bahnhof entfernte Ecke. Wer hier wohnt, läuft nicht zur Bahn. Da es auch kaum Beschränkungen für Autostellplätze gibt, sorgt die Bauplanung nicht für weniger, sondern für mehr Autoverkehr. Kurz gesagt: Was die Art und Größe der Bebauung angeht, gibt es Optimierungsbedarf.
 

BUND will Weidelandschaft erhalten

Wenn dieses Gelände seinen einmaligen Charakter trotz Teilbebauung behalten soll, dann müssen die Pferde weiterhin als Landschaftspfleger tätig sein. Dafür gibt es immer noch keine verlässliche Übereinkunft. Mehr noch: Die Betriebsflächen der Reitgemeinschaft Holderhof liegen auf dem Teil des Areals, das der Immobilientycoon Groth bebauen will. Nach dem bisherigen Stand wäre es baurechtlich gar nicht zulässig, die Infrastruktur des Holderhofs an anderer Stelle neu zu errichten. Der BUND drängt darauf, die Landschaftsgestaltung durch Pferde und ergänzende manuelle Pflege verbindlich festzuschreiben – und die Finanzierung durch den Investor sicherzustellen. 

Eine Chance für Umweltbildung und Naherholung

Von der Pferdehaltung auf der Lichterfelder Weidelandschaft profitieren viele Arten.

Pferde als Instrumente der naturnahen Landschaftspflege sind bislang so gut wie unbekannt. Wie sie mit artspezifischen Beweidungseffekten (Verbiss, Tritt, selektiver Fraß) Einfluss auf Landschaftsentwicklung nehmen, lässt sich ausschließlich auf der Lichterfelder Weidelandschaft studieren. Es wäre fahrlässig, diese neue Technik der Grünflächenpflege nicht präsentieren zu können. Der BUND setzt sich deshalb dafür ein, die Weidelandschaft für Umweltbildung zu nutzen, die sich sowohl an Fachleute als auch an die breite Öffentlichkeit wendet. Und selbstverständlich muss geklärt sein, dass das Gelände langfristig für jedermann zugänglich ist und entsprechend erschlossen wird. 

Kontakt

Andreas Faensen-Thiebes

Sprecher AK Stadtnaturschutz
E-Mail schreiben Tel.: Telefon: 0171-5861640

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