Blick in die Kochtöpfe der Neuköllner High-Deck-Siedlung

11. Februar 2026 | Abfall, Lebensmittel, Nachhaltigkeit, Zero Waste

Neues Null-Müll-Kochbuch versammelt Rezepte der über 8.000 Bewohner*innen

Grafik: BUND Berlin/Eva Loy

Berlin, 11. Februar 2026: Vom türkischen Käsefondue Kuymak über die marokkanische Kichererbsensuppe Harira bis zum griechischen Dessert Barbara-Asoures. Nicht fehlen durfte auch die klassische deutsche Küche – von Kartoffelsuppe bis hin zu Maultaschen. Das frisch veröffentlichte Null-Müll-Kochbuch der High-Deck-Siedlung ist eine Reise durch die Küchen der über 8.000 Bewohner*innen des Wohngebiets an der Neuköllner Sonnenallee.

Denn die meisten der 53 Rezepte stammen von den Menschen, die in der High-Deck-Siedlung leben. Sie schickten ihre Lieblingsrezepte für Vorspeisen, Hauptgänge, Desserts und Getränke im Laufe der Jahre 2024 und 2025 im Zuge eines Gewinnspiels ein. Ergänzend richtete sich der Aufruf auch an die sozialen Einrichtungen in der High-Deck-Siedlung und an (Berliner) Zero-Waste-Akteur*innen.

Neben den ganz klassischen Kochanleitungen gibt es Rezepte aus Lebensmittelresten und mit Alternativen zu Fleisch. Manche Rezepte vermitteln Kenntnisse zu Haltbarkeit und andere regen zum Selbermachen an – beispielsweise von Brot, Pasta oder Limonade. Ein paar Rezepte bestehen nur aus wenigen Zutaten. Die veröffentlichten Rezeptbeiträge bilden sowohl viele Facetten von Nachhaltigkeit als auch die kulturelle Vielfalt der High-Deck-Siedlung ab.

An die Rezeptsammlung schließt ein zweiter Teil mit Wissen über Abfallvermeidung und Mülltrennung an. Darunter finden Leser*innen allgemeine Hinweise zum Upcycling von Lebensmitteln, zur Mülltrennung in der Küche und zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen beim Kochen. Zudem kommen beispielsweise ehrenamtlich engagierte Zero-Waste-Botschafter*innen aus der High-Deck-Siedlung zu Wort. Sie schildern unter anderem, was im Koran zum Thema Verschwendung und Müll steht. In der Großwohnanlage gehört die Mehrheit der Bewohner*innen dem muslimischen Glauben an, der den Ressourcenschutz positiv hervorhebt.

Zum Abschluss der Rezeptsammlung organisierten der Umweltverband BUND Berlin, das Quartiersmanagement und das Stadtteilzentrum Köllnische Heide am 29. September 2025 das „Buffet gegen Lebensmittelverschwendung“. Die Aktion brachte Bewohner*innen verschiedenster Generationen und Herkünfte – auf einem der namensgebenden High-Decks (dt. Fußgängerbrücken) – an einen Tisch. Damit leistete das Projekt „High-Decks ohne Müll“ einen Beitrag zum berlinweiten Tag für Lebensmittelwertschätzung der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz.

Das Kochbuch mit ästhetisch in Szene gesetzten Gerichten hat der BUND Berlin im kürzlich abgeschlossenen Projekt „High-Decks ohne Müll“ produziert. Ziel des Projektes war es, die Menschen der kulturell vielfältigen und sozial herausfordernden Großwohnanlage zum Thema Müll zu erreichen.

Dazu sagt BUND-Projektkoordinatorin Eva Loy von „High-Decks ohne Müll“:
„Aus einer ersten Idee ist ein Buch mit viel Inspiration gegen Abfälle beim Kochen entstanden. Anwohner*innen, Einrichtungen und die Berliner Zero-Waste-Community: Sie alle gehören zur Autorenschaft. Die Printausgabe wird bald in der High-Deck-Siedlung verteilt. Damit setzt das Null-Müll-Kochbuch einen nachhaltigen Impuls, das Problem der Lebensmittelverschwendung weiterhin gemeinsam anzugehen. Außerdem liefert das Null-Müll-Kochbuch etwas ‚Anfassbares‘ über die Verschwendung von Lebensmitteln. Es ist ein Buch, das nicht nur informiert, sondern zum Handeln anregt – gegen elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle bundesweit im Jahr, davon mehr als die Hälfte aus privaten Haushalten.“
 
Das Projekt „High-Decks ohne Müll“ ging das Abfallproblem in der High-Deck-Siedlung ab Juli 2024 an. Besonders an den Müllsammelplätzen unter den namensgebenden „High-Decks“ (Deutsch: Fußgängerbrücken) setzte das Projektteam Maßnahmen um – mit einer Statistik zur Mülltrennung, einem neuen Müllplatzschild, der Installation von Präsenzmelder-Beleuchtung und per Aufkleber für Bio- und Papiertonnen. Fehlende und falsche Mülltrennung und die Vermüllung nicht nur im Umfeld der Müllsammelplätze sind die Probleme, unter denen vor allem die Bewohner*innen der in den 1970er und 1980er Jahren am damaligen West-Berliner Stadtrand entstandenen Siedlung leiden. Mit zahlreichen Aktionen, unter anderem gegen ungefaltete Kartons in den Papiertonnen und Plastik im Biomüll, setzte sich das Projektteam für mehr Lebensqualität im Quartier ein. Das Projekt endete am 31. Dezember 2025 und wurde von der Stiftung Naturschutz Berlin aus Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin gefördert.
 
Die digitale Version des Null-Müll-Kochbuchs steht auf der Website des BUND Berlin zum Download zur Verfügung: https://www.bund-berlin.de/service/publikationen/detail/publication/null-muell-kochbuch-der-high-deck-siedlung/ 

Mehr Informationen über das Projekt „High-Decks ohne Müll“ gibt es hier: https://zero-waste-berlin.de/

Kontakt:
Eva Loy, Projektkoordinatorin „High-Decks ohne Müll“, loy(at)bund-berlin.de,
030-7879 0053

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