BUND Berlin startet Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“

16. September 2025 | Flächenschutz, Kampagne Grüne Flächen retten, Klimaschutz, Bauen, Bäume, Wasser, Stadtentwicklung, Stadtnatur

Öffentlicher Auftakt am 19. September auf dem Tempelhofer Feld

Berlin, 16. September 2025: „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ – unter diesem Motto hat der BUND Berlin nun eine Kampagne gestartet, um die weitere Asphaltierung und Betonierung von Flächen in Berlin zu stoppen. In den nächsten Monaten wird der BUND Berlin mit Veranstaltungen zu konkreten Berliner Flächen informieren, die dem Straßen- oder Wohnungsbau geopfert werden sollen.

Den Auftakt macht eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Tempelhofer Feld am kommenden Freitag, den 19. September. Bekanntlich will es die Berliner Regierungskoalition lieber heute als morgen bebauen. Am 7. Oktober soll das Dreieck Späthsfelde in Treptow-Köpenick Thema sein, auf dem der Senat mindestens 2000 Wohnungen, Gewerbebauten und eine große Verbindungsstraße errichten lassen will.

Die drei Kernforderungen der Kampagne des BUND Berlin lauten:
 

  • Wiesen, Parks, Wälder oder Kleingärten nicht mehr zubauen!
  • Zusätzliche Parks und Wiesen für alle – dort, wo wir leben und arbeiten!
  • Wohnraum auf bereits bebauten Flächen schaffen!


Ausführlich stellen wir unsere Forderungen und Lösungswege im hier verlinkten Hintergrundpapier dar.

Alle Informationen und eine Petition finden sich auf der Kampagnenwebseite gruene-flaechen-retten.de

Schätzungsweise alle drei Jahre wird in Berlin einmal die Größe des Tempelhofer Feldes zubetoniert. Und dieser Flächenfraß setzt sich mit den 220.000 Wohnungen fort, die insgesamt bis 2040 gebaut werden sollen, wenn wir jetzt nicht umsteuern und Wohnraum allen voran auf bereits asphaltierten und bebauten Flächen schaffen. Bauen um jeden Preis wird die Mietenkrise nicht lösen. Und tatsächlich ließen sich viele zehntausend Wohnungen auf bereits versiegelten Flächen und durch Umnutzungen im Bestand schaffen.

Berlin kann sich diesen Flächenfraß nicht mehr leisten, wenn die Stadt nicht lebensgefährlich für Menschen und Natur werden soll. Allein schon wegen der Klimakrise, die nicht nur eine Erhöhung der Durchschnittstemperaturen mit sich bringt, sondern ausgeprägte Hitzephasen zur Folge hat. Bis zu acht Grad kühler sind Parks und andere Grünanlagen im Vergleich zu bebauten und asphaltierten Flächen. Und sie kühlen nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht.

Der Vergleich zwischen dem fast komplett mit Beton und Asphalt versiegelten Alexanderplatz in Mitte und dem von durchgrünter Villenbebauung geprägten Ortsteil Dahlem zeigt es. Während 2024 am innerstädtischen Knotenpunkt 22 sogenannte Tropennächte registriert worden sind, bei denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius sanken, waren es im Berliner Südwesten gerade mal zwei Tropennächte.

Von 2022 bis 2024 sind in Berlin über 600 Menschen an den Folgen extremer Hitze gestorben, dennoch werden weiterhin grüne Flächen und damit – wissenschaftlich belegt – unsere natürlichen Klimaanlagen bebaut. Betroffen sind Parks, Wälder, Wiesen, aber auch Friedhöfe und Kleingärten.

Zitate:

Verena Fehlenberg, Referentin für Stadtnaturschutz BUND Berlin:
Berlin kann sich ein Weiter-so bei der Bebauung nicht mehr leisten. Grünflächen sind bis zu acht Grad kühler als betonierte und asphaltierte Flächen. Das macht in der Klimakrise einen lebenswichtigen Unterschied. Schon jetzt bräuchten Menschen und Natur vor allem in vielen Gebieten der dicht besiedelten Innenstadt mehr Freiflächen als weniger. Versiegelte Böden verhindern zudem, dass Regen in den Untergrund einsickern und dort das Grundwasser auffüllen kann.“

Nina Feyh, Naturschutzreferentin Berliner Landesarbeitgsgemeinschaft Naturschutz (BLN Berlin):
„Das Berliner Landschaftsprogramm hat das Ziel, Grünflächen als Lebensgrundlage auf der Basis einer Selbstverpflichtung zu sichern. Viele Beispiele aus der Stadtplanung der letzten Jahre zeigen aber, dass das Landschaftsprogramm als Instrument zur Erreichung dieses Ziels nicht ausreicht. Daher muss eine gesamtstädtische Strategie geschaffen werden, um den fortschreitenden Verlust der grünen Flächen zu stoppen.
 
Sebastian Bartels, Geschäftsführer Berliner Mieterverein (BMV):
"Wir haben in Berlin genügend versiegelte Flächen, auf denen zehntausende, leistbare Wohnungen gebaut werden können. Versiegelte Flächen gibt es sowohl als Parkplätze und nicht mehr benötigtes Straßenland als auch im vorhandenen Baubestand. Vor allem müssen noch viel mehr Wohnhäuser als bisher aufgestockt oder ausgebaut werden; außerdem sollten nicht mehr benötigte Büroflächen zu Wohnraum umgebaut werden. Dazu müsse die Bezirksämter gezielt auf Eigentümer zugehen; zudem bedarf es maßgeschneiderter Förderprogramme; der Senat darf nicht an dieser Stelle sparen, denn an Fördermittel können auch Sozialbindungen geknüpft werden.“
 
Kontakt:
Verena Fehlenberg, Referentin für Stadtnaturschutz BUND Berlin, fehlenberg(at)bund-berlin.de

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