BVG muss sich auf erneuten gefrierenden Regen vorbereiten

03. Februar 2026 | ÖPNV, Verkehr

BUND Berlin erwartet Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Straßenbahnbetriebs

Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr

Berlin, 03. Februar 2026: Der BUND Berlin fordert die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Senatsverkehrsverwaltung auf, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um einen erneuten witterungsbedingten Totalausfall der Berliner Straßenbahn zu verhindern. Eisregen hatte in der Nacht auf den 26. Januar zu einer Kompletteinstellung des Berliner Trambetriebs wegen vereister Oberleitungen und Weichen geführt. Erst am 31. Januar konnte das Netz wieder komplett befahren werden. Laut Deutschem Wetterdienst kann es in den nächsten Tagen wieder zu gefrierendem Regen kommen.

Nachdem am Montag, den 2. Februar noch ein Warnstreik für den Komplettausfall des BVG-Angebots mit Ausnahme einiger im Auftrag betriebener Buslinien sorgte, kann  Hunderttausenden Berlinerinnen und Berlinern kein erneuter großflächiger Ausfall des Trambetriebs zugemutet werden.

Der BUND Berlin fordert entsprechende Vorbereitungen, um das zu verhindern. Insbesondere müssen entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, um auch nachts sogenannte Bügelfahrten zum Abkratzen von Eisschichten an der Oberleitung in engerem Takt als im regulären Nachtverkehr durchführen zu können. Dafür müssen Fahrpersonal und geeignete Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Geeignet sind die Straßenbahnen vom 1999 bis 2001 beschafften Typ GTZ. Die  Zweirichtungsfahrzeuge verfügen über zwei Stromabnehmer, die gleichzeitig gehoben werden können. Während der vordere Stromabnehmer während der Fahrt das Eis von der Oberleitung kratzt, sorgt der hintere Bügel für eine kontinuierliche Stromversorgung des Fahrzeugs. Die 45 vorhandenen Fahrzeuge dieses Typs sollten ausreichen, um zumindest große Teile des Straßenbahnnetzes betriebsfähig zu halten. In den vergangenen Tagen sind diese Straßenbahnwagen bereits zur so beschriebenen Enteisung von Oberleitungen eingesetzt worden.

Gespräche des BUND Berlin mit fachkundigen Beschäftigten der Verkehrsbetriebe haben ergeben, dass das Unternehmen weder organisatorisch und personell noch von der vorhandenen Technik her auf die Situation eingestellt war. Und das, obwohl der Eisregen in der Nacht von Sonntag auf Montag bereits am Freitag von Meteorologen prognostiziert worden war.

Viel hätte sich verhindern lassen, wenn in der Nacht öfter als im regulären 30-Minuten-Takt gefahren worden wäre, so die Einschätzung von BVG-Beschäftigten. Auch auf Strecken jenseits der Metrolinien, die normalerweise nicht nachts befahren werden. Jedoch gab es kein Fahrpersonal, das kurzfristig hätte dafür alarmiert werden kennen. "Faktisch ist das unmöglich, in den engen Grenzen der Personalverfügbarkeit und dem Abstimmungswirrwarr irgendwelche Fahrerreserven abzurufen", so ein Insider.

"Schlussendlich ist das eine Folge der Sparpolitik, die Personal und Technik bis aufs Mindestmaß gekürzt hat wodurch man auf solche extremen Situationen nicht mehr reagieren kann, geschweige denn vorbeugen", so die Einschätzung eines BVG-Beschäftigten.

Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„Wir erwarten, dass nun bestmöglich von der BVG improvisiert wird, um einen erneuten Totalausfall des Straßenbahnnetzes zu vermeiden. Bahnen und Busse sind das Rückgrat der Mobilität in Berlin. Sie dürfen nicht permanent versagen.

Perspektivisch muss bei Organisation und Technik ein größeres Augenmerk auf die Bewältigung außergewöhnlicher Lagen gelegt werden. Für den Winterdienst beispielsweise durch die Beschaffung von Arbeitsfahrzeugen, die die Vereisung von Oberleitungen durch die Benetzung mit Glycerin hemmen. Viele Verkehrsbetriebe bundesweit verfügen darüber. Zu den nötigen Vorbereitungen gehört auch, endlich das Problem fehlender oder falscher Fahrgastinformation grundsätzlich anzugehen.“

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