Berlin, 26. Januar 2026: Zur Lage bei der BVG nach dem Eisregen erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„Bahnen und Busse werden von der Berliner Landespolitik immer wieder als Rückgrat des Berliner Verkehrs bezeichnet. Das darf aber nicht regelmäßig in größerem bis massivem Umfang versagen. Dringend müssen Politik und Berliner Verkehrsbetriebe die Maßnahmen ergreifen, um mehr Verlässlichkeit beim Angebot auch bei widrigen Bedingungen zu gewährleisten.
Zumindest verlässliche Informationen und alternative Fahrmöglichkeiten müssen die Fahrgäste abfragen können bei immer wieder nicht zu vermeidenden Ausfällen und Unregelmäßigkeiten. Statt einer Verbesserung der Fahrgastinformation ist diese in den vergangenen Jahren aber immer schlechter geworden. Angesichts der allgemeinen Unzuverlässigkeit des Berliner Nahverkehrsangebots muss es oberste Priorität sein, endlich aktuelle und verlässliche Informationen über die reale Verkehrslage zur Verfügung zu stellen. Dafür braucht es nicht nur zeitgemäße Technik, sondern auch Personal, das die Informationen pflegt. Beides fehlt offensichtlich. Wir fordern die Bekanntgabe eines verbindlichen Zeitplans für die Einführung zuverlässiger Fahrgastinformationen.“
Zur Betriebseinstellung der Straßenbahn
Der Eisregen in Berlin-Brandenburg in der Nacht von Sonntag und Montag ist gewiss eine außergewöhnliche Wetterlage. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihren kompletten Straßenbahnverkehr eingestellt haben, während in Potsdam der Busverkehr eingestellt worden ist, Straßenbahnen allerdings fahren. Das deutet darauf hin, dass die Potsdamer Verkehrsbetrieb Möglichkeiten haben, trotz vereister Oberleitungen den Betrieb aufrecht zu erhalten.
Das Geheimnis dürfte in der in Potsdam weiterhin vorhandenen Flotte von rund 40 Jahre alten Tatra-Straßenbahnen liegen. Denn Elektrik und Elektronik solcher Fahrzeuge sind deutlich robuster als die hochgezüchteten aktuellen Wagen. Sie kommen mit den starken Stromschwankungen zurecht, die bei Abschleifen des Eispanzers um die Oberleitung auftreten. Im Anschluss können auch moderne Fahrzeuge problemlos wieder eingesetzt werden.
Die BVG und ihre Fahrgäste können sich glücklich schätzen, im Gegensatz zu Potsdam über einen komplett modernen und niederflurigen Fahrzeugpark bei der Straßenbahn zu verfügen. Trotzdem muss es eine Strategie geben, um auch bei widrigen Wetterlagen den Tramverkehr nicht komplett einstellen zu müssen. Es ist in der Branche lange bekannt, dass das befriedigend mit einer Reserve robuster Altfahrzeuge gelingen kann, die nicht unbedingt im Fahrgastbetrieb, aber für Enteisungseinsätze genutzt werden können. Im Zuge der Klimakrise werden solche Extremwetterlagen absehbar weiter zunehmen.
Zur Informationslage
Erneut zeigt sich der dringende Handlungsbedarf bei der Fahrgastinformation. Entweder war die Online-Fahrplanauskunft der BVG überhaupt nicht zu erreichen oder sie suggerierte einen funktionierenden Betrieb. Auf der Internetseite der BVG finden sich außer dem Hinweis auf die Kompletteinstellung des Trambetriebs keinerlei spezifischen Informationen über die aktuelle Lage im Bus- und U-Bahnbereich.KORREKTUR, 26. 01. 2026, 11.40 Uhr: Offenbar wurden Presseinformationen an ausgewählte Kontakte verschickt. [Nicht einmal eine Pressemitteilung zur Betriebseinstellung bei der Straßenbahn und der allgemeinen Betriebslage hat die BVG bis 11 Uhr morgens verschickt.]


