Berlin, 04. Februar 2026: Der BUND Berlin lehnt die Pläne der schwarz-roten Koalition ab, den Einsatz von Streusalz durch Privatleute mithilfe einer Gesetzesänderung zu ermöglichen. Denn die erwartbare Schädigung des Berliner Straßenbaumbestandes durch eine potenziell breite Freigabe des Tausalzeinsatzes steht in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen. Streusalz ist in Kombination mit Trockenheit der Straßenbaumkiller Nummer Eins.
Die Vereisung von Bürgersteigen lässt sich weitgehend durch rechtzeitige und konsequente Schneeräumung verhindern. Nicht nur die großteils zuständigen privaten Gebäudeeigentümer versagen dabei in Berlin. Auch öffentliche Stellen kamen ihren Pflichten nicht in ausreichendem Umfang nach. Die Hauptursache der vereisten Bürgersteige ist die unterlassene Räumung.
Zielführender wäre eine künftige zentrale Organisierung oder zumindest Verantwortlichkeit für den Winterdienst ähnlich der Straßenreinigung in Berlin. Das erwiesenermaßen seit vielen Jahren dysfunktionale Berliner System der Einzelverantwortlichkeit der Grundstückseigentümer ließe sich nur durch intensive Kontrollen und Sanktionierung wieder auf Kurs bringen.
Das würde die erhebliche Ineffizienz des Systems allerdings nicht beseitigen. Derzeit kurven viele privat beauftragte Räumdienste durch die Stadt und beseitigen den Schnee nur jeweils vor den Häusern, für die sie beauftragt worden sind. Damit werden wertvolle Zeit und Kapazitäten für Fahrten zwischen den einzelnen Liegenschaften verschleudert, was sich bei zentraler Organisation vermeiden ließe.
Dazu erklärt Dirk Schäuble, Naturschutzreferent des BUND Berlin: „Eigentlich müsste zum Schutz der Straßenbäume der aktuelle Tausalzeinsatz noch weiter reduziert werden. Denn auch die von den mit Sole behandelten Hauptstraßen spritzende Gischt belastet das Grün am Straßenrand weiterhin erheblich. Stattdessen will die Koalition die Salzlast für die Natur noch weiter erhöhen, anstatt sich systematisch Gedanken zu einem funktionierenden Winterdienst in Berlin zu machen, der den Bedürfnissen von Menschen und Stadtnatur besser gerecht wird.“
Was Streusalz mit Bäumen macht
Streusalz (Natriumchlorid) senkt den Gefrierpunkt von Wasser und verhindert so bis etwa minus zehn Grad Celsius die Eisbildung. Es löst sich im Schmelzwasser, versickert im Boden und reichert sich dort über Jahre an. Die Folge: Der Nährstoffgehalt und die Bodenstruktur verändern sich und die Bäume nehmen im Frühjahr über die Wurzeln zu viel Chlorid auf. Das führt zu langfristigen Laubschäden. Die Bäume bilden Blattrandnekrosen aus – vom Streusalz geschädigte Bäume erkennt man an rostroten Rändern an den Blättern.
Eine hohe Salzkonzentration im Boden erschwert den Pflanzen auch die Wasseraufnahme. Mit Trockenstress durch ausbleibende Niederschläge entsteht eine fatale Wechselwirkung. Das Wasser, das die Bäume nach dem Frost wieder aufnehmen, enthält in hohem Maße Chlorid und schädigt die Blätter, die ohnehin schon durch die Trockenheit unterversorgt sind. Das Absterben einzelner Kronenpartien oder ganzer Bäume ist dann kaum noch aufzuhalten. Salzlauge verätzt zudem Wurzeln und Rinde – und auch Tierpfoten, die über gestreute Wege laufen müssen.
Christian Hönig, Abteilungsleiter Biodiversität beim Bundesverband des BUND: „Streusalz ist ein schleichender Tod für Bäume. In Verbindung mit der wiederkehrenden Trockenheit wird es zum Baum-Killer Nummer eins. Wenn die Bäume im Frühjahr besonders viel Wasser für den Blattaustrieb brauchen, ziehen sie statt der benötigten Nährstoffe schädliches Chlorid aus dem Boden. Langfristig beeinträchtigt es das Wachstum und ganze Kronenteile können absterben.“
Pressemitteilung des BUND Bundesverbandes
Kontakt:
Dirk Schäuble, Naturschutzreferent BUND Berlin, schaeuble(at)bund-berlin.de, 030-78 79 00 39
Christian Hönig, Abteilungsleiter Biodiversität beim BUND Bundesverband, Tel.: +49 30 27586-340, Mobil +49 176 45 92 65 97, E-Mail: christian.hoenig(at)bund.net


