Durch Tausalz geschädigte Bäume bilden Blätter mit einem breiten bräunlich-orangefarbigen Rand aus.
Berlin, 02. Februar 2026: Die Freigabe des Streusalz-Einsatzes auf den Berliner Bürgersteigen dürfte diesen Winter zu einem Desaster für die Berliner Straßenbäume machen. Denn Salz ist für Bäume pures Gift, das sie zusätzlich zu den Belastungen der Klimakrise extrem stresst. Manchem Baum dürfte die kopflose Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner und der Umwelt- und Verkehrssenatorin Ute Bonde (beide CDU) nach Wochen der Untätigkeit den Rest geben.
Der Berliner Senat muss nun schleunigst ein zusätzliches Pflegeprogramm auflegen, um bei den Berliner Straßenbäumen zu retten, was zu retten ist. Mit intensiver Bewässerung nach der Frostperiode kann das Salz in tiefere Bodenschichten gespült werden, so dass Bäume es in geringerem Umfang aufnehmen als wenn nichts unternommen würde. Zusätzlich müssen die Baumscheiben zum Beispiel durch das Einbringen von Kompost gedüngt werden, um die Vitalität zu erhöhen.
Ansonsten drohen zusätzliche Astabbrüche, die Menschen gefährden und hohe Sachschäden zur Folge haben. In letzter Konsequenz werden für die Verkehrssicherheit noch mehr Bäume als bisher gefällt werden müssen.
Dazu erklärt Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin:
„Wochenlang sah der Senat tatenlos zu, während die Bürgersteige zunehmend zur teilweise lebensgefährlichen Rutschpartie wurden. Der Streusalzeinsatz zu diesem Zeitpunkt, nachdem sich längst zentimeterdicke Eispanzer gebildet haben, ist eine Scheinlösung zulasten der Stadtnatur. Wir fordern alle auf, weitgehend auf Salz zu verzichten, sondern das Eis mechanisch zu beseitigen und Glätte mit Splitt oder Sand zu reduzieren.
Nicht nur Bäume leiden massiv, der Eintrag des Salzes in Flüsse, Seen und das Grundwasser ist auch eine große Belastung für die dortige Natur. Jetzt müssen Senat, Bezirke und Koalitionsfraktionen alle Maßnahmen ergreifen, um die Folgeschäden für die Straßenbäume zu minimieren. Denn wir können uns den Verlust etlicher weiterer Bäume nicht leisten. Sie sind nicht nur wertvolle Lebensräume, sondern leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, Berlin in der Klimakrise lebenswert zu halten. Außerdem muss endlich eine funktionierende Strategie zur Schneeräumung in Berlin entwickelt und umgesetzt werden, um solche Situationen zukünftig zu vermeiden.“
Was Salz mit Bäumen macht
Selbst geringe Salzmengen stören den Wasser- und Nährstoffhaushalt von Bäumen. Salzschäden und Schäden durch Trockenheit sind sich sehr ähnlich und können Hand in Hand einen tödlichen Kreislauf bilden. Beide wirken auf die Blätter und stören damit die Entwicklung von Bäumen.
Im Sommer lassen sich die Salzschäden deutlich an bräunlich verfärbten und abgestorbenen Blatträndern erkennen. Nährstoff- und Wassermangel macht die Bäume wiederum anfällig für Infektionen und Pilze und Bakterien. Besonders empfindlich reagieren mit Linde, Ahorn und Rosskastanie Arten, die in Berlin die Mehrheit der Straßenbäume stellen. Ihre Position zwischen Fußweg und Bordstein macht die Situation für die Bäume schwierig, weil das Salz mit dem Tauwasser direkt neben dem Stamm in den Boden abfließt.
Auch Tiere und Infrastruktur leiden
Und nicht nur die Straßenbäume leiden: Salz auf dem Gehweg schadet auch Haustieren, indem es deren Pfoten entzünden lässt. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass das Salz über den Boden und undichte Abwasserrohre ins Grundwasser und in die Fließgewässer gelangt. Auch Autokarosserien und Gemäuer werden durch Streusalz angegriffen. Beispielsweise wird vermutet, dass die laufende Notsanierung des U-Bahnhofs Nollendorfplatz maßgeblich durch Betonschäden verursacht wurde, die vom Einsickern durch mit Tausalz kontaminierten Wassers herrühren.
Schneeräumung muss organisiert und kontrolliert werden
Die Vereisung der Bürgersteige hätte sich weitgehend durch rechtzeitige und konsequente Schneeräumung verhindern lassen. Nicht nur die großteils zuständigen privaten Gebäudeeigentümer haben hier versagt. Auch öffentliche Stellen kamen ihren Pflichten nicht in ausreichendem Umfang nach. Beispielsweise war selbst die stark genutzte Warschauer Brücke in Friedrichshain bereits vor zwei Wochen kaum geräumt. An vielen Straßenbahn-Haltestellen der BVG ist nur die Bahnsteigkante geräumt worden.
Entweder müssen Verstöße gegen die Räumpflicht künftig konsequent geahndet werden oder das Land Berlin muss ähnlich der Straßenreinigung die Räumung selbst organisieren und den Grundstückeigentümern in Rechnung stellen. Das derzeitige System war zu einer Zeit geeignet, als fast jedes Mietshaus noch einen Hausmeister hatte, der die Räumung übernahm. Das ist aber seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall.
Stattdessen kurven privat beauftragte Räumdienste durch die Stadt und beseitigen den Schnee nur jeweils vor den Häusern, für die sie beauftragt worden sind. Damit werden wertvolle Zeit und Kapazitäten für Fahrten zwischen den einzelnen Liegenschaften verschleudert, was sich bei zentraler Organisation vermeiden ließe.
Infoseite des BUND Berlin zu Streusalz und Bäumen
Umweltfreundliche Alternativen zu Streusalz: So schützen Sie Böden, Gewässer und Tierpfoten
Kontakt:
Gabi Jung, Geschäftsführerin BUND Berlin: jung(at)bund-berlin.de


