Senatsplanungen für Quartier Späthsfelde ohne Rücksicht auf Natur und Verkehrsprobleme

28. Juli 2025 | Autoverkehr, Bauen, Flächenschutz, Klimaschutz, Stadtentwicklung, Stadtnatur, Verkehr, Wasser

Planungsentwürfe widerlegen beschwichtigende Aussagen von Bausenator Gaebler

Grafik: SenStadt/Hosoya Schaefer Architects/Agence TER

Berlin, 28. Juli 2025: Der BUND Berlin lehnt die Planungen der Senatsbauverwaltung für ein neues Stadtquartier im sogenannten Dreieck Späthsfelde grundsätzlich ab. Auf rund 100 Hektar sollen im Nordwesten Treptow-Köpenicks mindestens 2000 bis 4000 Wohnungen und ein Gewerbegebiet im Bereich zwischen Königsheide, Autobahn 113 und Britzer Verbindungskanal entstehen. Die geplante Bebauung ist ein Angriff auf die Berliner Stadtnatur und die Menschen. Mit Blick auf die Klimakrise ist sie nicht verantwortbar. Sie wird die Aufheizung Berlins weiter befeuern.

Die öffentliche Vorstellung der drei Konzeptideen für die Bebauung des Areals Mitte Juli zeigte nun deutlich: Auch Kleingärten sollen in größerem Umfang den Entwicklungsplänen des Senats weichen. Und zwar nicht nur für die neue Hauptverkehrsstraße, die in gerader Linie von der Späthstraßenbrücke über die A113 bis zur Kreuzung von Königsheideweg, Baumschulenstraße und Späthstraße führen soll. Sondern auch für das Gewerbegebiet parallel zur A113 und Wohnbebauung südlich der neuen Verbindungsstraße. Somit ist die von Bausenator Christian Gaebler (SPD) beim Tag des Gartens 2024 in Späthsfelde getroffene Aussage, dass Kleingärten nicht für Wohnungsbau weichen sollen, nicht zu halten.

Auch die stets verbreiteten Zusicherungen, dass der geplante Autobahnzubringer Südostverbindung (SOV) nicht weiterverfolgt werde, sind mit Blick auf die nun vorgestellten Konzepte nur bedingt glaubhaft. In einem Konzept ist explizit die Weiterführung der nun in Verkehrslösung Späthsfelde umgetauften neuen Verbindungsstraße über die Kreuzung am Königsheideweg hinaus in Richtung der Köpenicker Landstraße (B96a) als Option eingezeichnet. Damit würde durch den Anschluss an die Minna-Todenhagen-Brücke eine neue großräumige Straßenverbindung entstehen und entsprechend zusätzlichen Autoverkehr in Baumschulenweg produzieren. Attraktive Radverkehrsinfrastruktur ist vage geplant, eine von der Nachbarschaft geforderte Tramstrecke vielleicht irgendwann angedacht.

Wie sehr der Naturschutz mit Füßen getreten wird, zeigt auch, dass das Laichgewässer für die streng geschützte Knoblauchskröte durch die Straßen- und Bebauungspläne komplett von der umgebenden Landschaft isoliert werden würde. Da passt es ins Bild, das Kleingärten künftig als Parks umfunktioniert  den Ausgleich für Grün schaffen sollen und ein Entwurf sieht vor, das die Naturschutz-Ersatzflächen am Britzer Zweigkanal für die Erholung der zukünftigen Bewohner dienen sollen.

Die Bedeutung des Dreiecks Späthsfelde ist bereits heute für die Erholung enorm. Nicht nur für Bauen würden zusätzliche Flächen versiegelt, sondern auch für die dafür notwendige soziale und verkehrliche Infrastruktur.

Das angrenzende Waldgebiet Königsheide und die Kompensationsflächen im Gebiet können ihrer Biotopfunktion bereits jetzt kaum noch gerecht werden. Durch eine weitere Bebauung würde der Grundwasserpegel weiter sinken.

Dazu erklärt Andrea Gerbode vom BUND Berlin: „Die Beschwichtigungen des Senats, dass mit einer Bebauung des Dreiecks Späthsfelde nicht vor 2035 zu rechnen ist, sollen den Widerstand gegen das Projekt bremsen. Doch bereits jetzt werden die planerischen Pflöcke für das Vorhaben eingeschlagen. Damit würde nicht nur wertvolle Stadtnatur unter Beton und Asphalt verschwinden. Auch der Autoverkehr würde zusätzlich befeuert werden, was die jetzt schon unerträgliche Belastung von Anwohnenden und Klima weiter verschärfen würde.

Eine Bebauung des Dreiecks Späthsfelde schafft bei Weitem mehr Probleme als sie löst – für die Menschen, die Natur und das Klima. Entschlossener Widerstand ist nötig, um das Vorhaben in der geplanten Form zu verhindern. Der BUND Berlin wird Widerstand leisten. Wohnungsbau darf nur noch auf bereits versiegelten Flächen erfolgen – Potenzial gibt es dafür mehr als ausreichend. Berlins Freiflächen sind viel zu wertvoll, um sie weiter besinnungslos zu versiegeln.
 

Kontakt
Andrea Gerbode, Sprecherin des BUND Arbeitskreis Dreiländereck, gerbode(at)bund-berlin.de

 

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