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Bevölkerungsschutz in der Klimakrise: Anforderungen an Hitzeaktionsplan und Klimaanpassung
Der Hitzesommer 2026 verlangt Konsequenzen. Er hat erneut gezeigt, dass Hitze eine erhebliche Gefahr für Gesundheit und Leben ist. Nach den vorliegenden Angaben des Robert Koch-Instituts wurden bundesweit mehr als 16.000 hitzebedingte Todesfälle geschätzt. In Berlin gab es im Zeitraum vom 6. April bis 13. September 2026 304 Todesfälle mehr als statistisch erwartet. Diese Übersterblichkeit bedeutet zwar nicht, dass jeder einzelne Todesfall nachweislich durch Hitze verursacht wurde. Die statistischen Schätzungen legen jedoch nahe, dass Hitze wahrscheinlich wesentlich zur erhöhten Sterblichkeit beigetragen hat.
Jeder vermeidbare Todesfall ist einer zu viel. Hitzeschutz ist Daseinsvorsorge in der Klimakrise und eine staatliche Schutzaufgabe. Besonders gefährdete Menschen müssen zuerst geschützt werden. Zugleich braucht es zugängliche Angebote, die Menschen befähigen, sich selbst und ihr Wohnumfeld wirksam vor Hitze zu schützen.
Was wir unter Kältewende verstehen
Die Kältewende ist ein koordiniertes öffentliches Vorgehen zur Versorgung mit Kühle und zur nachhaltigen Transformation der urbanen Infrastruktur. Sie steht in Analogie zur Wärmewende, ist aber nicht mit einem massenhaften Einbau individueller Klimaanlagen gleichzusetzen. Im Gegenteil! Eine Kältewende verbindet akuten Bevölkerungsschutz mit langfristigem Stadtumbau: Sie schafft zugängliche kühle Orte und Trinkwasserangebote, vermindert die Aufheizung von Gebäuden und Straßen und richtet Wasser-, Energie- und Gebäudesysteme auf häufigere und längere Hitzeperioden aus.
Vorrang haben passive und naturbasierte Maßnahmen: Schatten, Bäume, Begrünung, Entsiegelung, geeignete Lüftung und baulicher sommerlicher Wärmeschutz. Technische Kühlung kann dort erforderlich sein, wo passive Maßnahmen besonders gefährdete Menschen nicht ausreichend schützen. Sie muss bedarfsgerecht, energie- und ressourcenschonend sowie in ein Gesamtkonzept eingebunden sein.
Erneuerbare Energien und nachhaltige Infrastruktur sind wichtige Bestandteile der Kältewende. Anpassung an Hitze kann Klimaschutz jedoch nicht ersetzen: Ohne rasche Verringerung der Treibhausgasemissionen verschärft sich die Hitzebelastung weiter.
Zusammenfassung der zentralen Forderungen
Der BUND Berlin fordert die Landesregierung auf,
- die Kältewende als öffentliche, sozial gerechte und klimaverträgliche Daseinsvorsorge zu verankern;
- vor jeder Hitzeperiode einen verbindlichen Sofortplan für Warnung, Kühlungsorte, Trinkwasser und aufsuchende Hilfe sicherzustellen;
- besonders gefährdete Menschen und Einrichtungen zuerst zu schützen;
- für alle 72 Maßnahmen des Hitzeaktionsplans Zuständigkeiten, Fristen, Finanzierung und überprüfbare Ergebnisse offenzulegen;
- Bezirke und öffentliche Einrichtungen dauerhaft und transparent zu finanzieren;
- Gebäude, öffentlichen Raum sowie Wasser- und Energieinfrastruktur langfristig hitzeresilient umzubauen;
- Anpassung mit konsequentem Klimaschutz zu verbinden und die Treibhausgasemissionen weiter zu senken.
Berlin braucht die Kältewende jetzt: als öffentliche Schutzaufgabe, als langfristigen Umbau der Stadt und als Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit.


