Wälder

 (Angela von Lührte)

Nicht von ungefähr wurden die Wälder in Berlin schon vor 100 Jahren vorausschauend mit dem Dauerwaldvertrag gesichert. Sie sind
die grünen Lungen der Stadt, in sie können wir eintauchen, wenn wir Erholung suchen. Zwischen den Bäumen finden nicht
nur wir unsere Ruhe, sondern auch viele Tiere und Pflanzen. In den Wäldern liegen auch die letzten Moorflächen Berlins. Diese
Feuchtbiotope werden leider weltweit immer weniger.

Aber nicht alle Waldstücke in Berlin genießen den Schutz des Dauerwaldvertrags:

Beispiel Wuhlheide

Waldabschnitt in der Wuhlheide, der durch die TVO vernichtet werden würde  (Björn Obmann)

Unter der Bezeichnung TVO (Tangentiale Verbindung Ost) möchten CDU und SPD die Planungen für eine autobahnähnliche Schnellstraße von Marzahn-Hellersdorf bis ans Spreeufer in Köpenick weiter voran bringen. 351 Millionen Euro soll die 6,4 Kilometer lange Betontrasse kosten. Laut Koalitionsvereinbarung soll bis 2026 der Bau beginnen. Damit würde eine neue vierspurige Nord-Süd-Hochleistungsstraße im Ostteil Berlins geschaffen, auf der täglich bis zu 33.000 Kraftfahrzeuge erwartet werden.

Wald und Klima in Gefahr

Für die TVO müssten rund 15 Hektar Wald mit jahrhundertealten Eichen gefällt werden. Mit der Wuhlheide würde eines der wichtigsten Berliner Naherholungsgebiete zerschnitten und verlärmt werden. In einer Zeit, in der die unwiderruflichen Kipppunkte der Klimakatastrophe immer näher rücken, ist der Bau neuer Infrastruktur für den motorisierten Individualverkehr äußerst kontraproduktiv – allein schon wegen des gigantischen CO2-Ausstoßes, der bei der Zement- und Stahlherstellung anfällt.

Als Begründung für die TVO dient die hohe Verkehrsbelastung – und die angebliche Notwendigkeit, den Flughafen BER noch besser an das Straßennetz anzuschließen. Der BUND befürchtet jedoch, dass die neue Schnellstraße vor allem neuen Verkehr anziehen wird. Dieses Phänomen belegen wissenschaftliche Studien zum Thema Verkehrsaufkommen.

S-Bahn statt Autobahn

Als Alternative zur TVO fordert der BUND eine Schienen-TVO. Parallel zur geplanten Schnellstraßentrasse führt heute schon die Bahnstrecke des Berliner Außenrings, auf der bislang nur Güterzüge rollen. Der Senat beteuert zwar, auch eine solche Nahverkehrstangente entweder als S-Bahn oder als Regionalbahn realisieren zu wollen, aber auf keinen Fall vor 2031. Fachleute warnen nun, dass die autobahnähnliche TVO keinen Platz mehr für einen Ausbau der Bahn lässt. Der BUND fordert daher, die Planungen für die TVO sofort einzustellen und das dafür vorgesehene Geld in Erhalt und Ausbau der Schieneninfrastruktur zu stecken.

Beispiel Emmauswald in Nord-Neukölln

Der Emmauswald ist der größte Wald in Neukölln. In ihm entstehen große Mengen an Kalt- und Frischluft, wovon wir vor allem an heißen Sommertagen profitieren und er trägt maßgeblich zur Bildung von Grundwasser und der Versickerung von Regen bei. Denn insbesondere in Nord-Neukölln ist die Situation besorgniserregend, da hier viel versiegelte Fläche und eine hohe Bevölkerungsdichte auf vergleichsweise wenig Parks treffen. Laut Senatsumweltverwaltung ist dieses Gebiet hinsichtlich Lärm, Schadstoffen und Hitze extrem belastet (siehe Berliner Umweltgerechtigkeitskarte (Umweltgerechtigkeit 2023/2024 (Umweltatlas))).

Die Berliner Forstbehörde Berliner Forsten schreibt in ihrem Gutachten: „Der Verlust dieser Waldfläche würde sich voraussichtlich besonders negativ auf das Stadtklima auswirken.“

Dennoch möchte der Berliner Senat auf dem Emmauswald Eigentumswohnungen errichten lassen.

Auf einer Fläche von mehr als fünfeinhalb Fußballfeldern stehen derzeit noch rund 800 Bäume, die zum Teil über 200 Jahre alt sind. Hier leben neben seltenen Vogelarten, wie der Grünspecht und Mäusebussard auch Fledermäuse, Igel, Fuchs, Eichhörnchen, Schnecken, Schmetterlinge und andere Insektenarten.

Die angrenzenden Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Klinik sowie am Mariendorfer Weg verändern bereits jetzt merklich den Nutzungsdruck auf die bestehenden grünen Flächen im Kiez. Für die Anwohner*innen ist der Wald daher unverzichtbar.

Fast drei Jahre lang dauert nun schon der Protest für den Erhalt des Emmauswald an.

Nachdem die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) sich 2023 gegen die Bebauung des Waldes ausgesprochen hatte, zog der Berliner Senat das Verfahren kurz darauf an sich. Zeitgleich wurde das Gelände von den Berliner Forsten offiziell als “Wald” nach Landeswaldgesetz deklariert.

Offener Brief der Naturschutzverbände zum Emmauswald

Kontakt

Verena Fehlenberg

Referentin für Stadtnaturschutz
E-Mail schreiben Tel.: (030) 787900-59

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