20. November 2025 | Pressemitteilung
Waldflächen der Berliner Forsten im Stadtgebiet von Berlin
(Umweltatlas Berlin)
Berlin besitzt einen ganz besonderen Schatz: 29.000 Hektar Wald – davon liegen 16.000 Hektar im Stadtgebiet selbst. Das entspricht rund 18 Prozent der gesamten Landesfläche. Zum Vergleich: Wien verfügt über 8.650 Hektar Wald, New York sogar nur über 2.400 Hektar.
Diese beeindruckende Waldfläche verdankt die Hauptstadt einem historischen Abkommen – dem Dauerwaldvertrag von 1915. Damals schlossen sich engagierte Bürger*innen, Vereine, Zeitungen, Organisationen und Politiker*innen zusammen, um den Wald als Erholungs- und Naturschutzraum dauerhaft zu sichern. Denn durch den Bau neuer Siedlungen, insbesondere in Form von Villenkolonien mit viel Grün und frischer Luft, schwand der Waldbestand zusehends.
Ohne dieses breite Bündnis wären viele Flächen heute bebaut – etwa entlang der Havelchaussee im Grunewald. Der Vertrag bildet bis heute die Grundlage und Motivation, den Berliner Wald zu schützen und weiterzuentwickeln. Und genau das ist heute wichtiger denn je.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wald stark geschädigt, doch durch groß angelegte Aufforstungen in den Jahren 1946 bis 1950 entstand neues Leben.
Das ist ein Grund, warum der Berliner Wald heute eine Fülle sogenannter Ökosystemleistungen erfüllt, beispielsweise indem er unserer Erholung dient, uns sauberes Trinkwasser liefert, die Luft reinhält, CO² bindet, wichtige Bodenfunktionen erhält, Lebensräume für Tiere, Pflanzen und Pilze bietet und die Gewinnung von Holz ermöglicht.
Neben dem Dauerwaldvertrag von 1915 ist der Berliner Wald als Schutz- und Erholungswald durch das Landeswaldgesetz (LWaldG) von 2004 gesichert. Dieses sieht sowohl den Schutz als auch eine nachhaltige Nutzung vor und verpflichtet das Land Berlin zur Erhaltung, Mehrung und Pflege des Waldes im Einklang mit dem Natur- und Umweltschutz durch die Berliner Forsten. Mit der Zertifizierung durch das FSC- und Naturland-Siegel sind die Berliner Forsten darüber hinaus u. a. dazu verpflichtet, 10 Prozent der Waldfläche nicht zu bewirtschaften, damit hier wertvolle Wildnisflächen entstehen können, in denen sich die Natur frei entfalten darf.
Zudem befindet sich ein Großteil der Berliner Schutzgebiete im Berliner Wald – darunter bedeutende NATURA 2000-Gebiete wie der Grunewald, der Spandauer Forst oder das Gebiet Müggelsee-Müggelspree. Sie sichern spezielle Lebensräume wie alte Biotopbäume, stehendes und liegendes Totholz sowie Feuchtgebiete, die essenziell für die Biodiversität sind.
Während früher die Abholzung die größte Bedrohung war, ist es heute der Klimawandel. Wie dem letzten Waldzustandsbericht 2024 zu entnehmen ist, wiesen nur vier Prozent der begutachteten Bäume vor allem aufgrund der trocken-heißen Jahre in der Vergangenheit keine sichtbaren Schäden auf!
Darüber hinaus wird der Trockenstress noch durch die übermäßige Grundwasserförderung durch die Berliner Wasserbetriebe verstärkt.
Aber auch Luftschadstoffe wie Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft und Stickoxide aus dem Verkehr schädigen den Wald laut Waldzustandsbericht nach wie vor.
Hinzu kommen Flächenverluste für Windkraftanlagen und Straßenbauprojekte wie die TVO in Köpenick, für die allein 15 Hektar Wald gerodet werden sollen. Dies führt nicht nur zu einem Netto-Verlust von Wald, sondern auch zu einer zunehmenden Zerschneidung eines eigentlich zusammenhängenden Ökosystems.
Besonders kritisch sieht der BUND Berlin die geplante Änderung des §6 im Landeswaldgesetz 2024 (Schneller-Bauen-Gesetz), die Waldumwandlungen künftig erleichtert – auch ohne gleichwertige Ausgleichsflächen.
Kiefernmonokulturen sind weniger widerstandsfähig, weniger artenreich und führen durch ihre immergrünen Kronen zu einer geringeren Grundwasserbildung als Laub-Mischwälder.
(Angela von Lührte)
Für artenreiche und klimaresiliente Wälder brauchen wir strukturreiche Mischwälder statt Kiefernmonokulturen.
Schon seit 2012 setzt Berlin daher auf ein gezieltes Mischwaldprogramm, das diesen Prozess durch „Umbau“ fördern soll. Doch unter den neuen Herausforderungen – Hitze, Dürre, Schadstoffeinträge – scheint das bisherige Vorgehen nicht zielführend.
Mit tonnenschweren Erntemaschinen (Harvester) haben die Berliner Forsten vielerorts Kiefern entnommen und Laubbäume aus der Forstbaumschule nachgepflanzt. Da die verbliebenen Kiefern aber kaum mehr Schatten spenden, sind die kleinen Laubbäume Hitze und Trockenheit voll ausgesetzt und gehen ein. Die Auflichtung der Wälder führt teilweise auch zu einer starken Vergrasung des Waldbodens, wodurch ein natürlicher Aufwuchs von Jungbäumen unterdrückt wird.
Zudem benötigen die Harvester breite Fahrtwege, beschädigen rund um das Einsatzgebiet auch unabsichtlich gesunde Bäume und verdichten den Wald-Boden durch ihr Gewicht so stark, dass dieser sich, wenn überhaupt, erst nach Jahrzehnten wieder regenerieren kann.
Dieser Berliner Waldabschnitt wurde "aufgelichtet", indem einzelene Kiefern entnommen und der Waldboden anschließend umgepflügt wurde, um hierauf später Laubbäume zu setzen.
(Angela von Lührte)
Da die Kritik an der Umsetzung des Mischwaldprogramms immer lauter wurde, hat die Staatssekretärin für Klimaschutz 2024 ein Moratorium zum Umgang mit dem Wald im Klimawandel angestoßen. Das Mischwalsprogramm wurde vorerst gestoppt.
Der BUND Berlin setzt sich dafür ein, dass diese Pause genutzt wird, um neue Wege zu gehen. Der Wald"umbau" sollte vor allem durch das Ökosystem Wald selbst erfolgen. Das bedeutet, nur so wenig wir nötig und so vorsichtig wie möglich einzugreifen. Dies kann gelingen, wenn die Berliner Forsten vor allem auf Naturverjüngung setzen, nur kleinteilig maschinell aussähen und Laubbäume pflanzen, die sich nicht in der Baumschule, sondern im Wald entwickelt haben.
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