Mehr Bäume und Erhalt grüner Freiflächen retten Leben in Hitzeperioden

09. Juli 2026 | Artenvielfalt, Bäume, Bauen, Flächenschutz, Kampagne Grüne Flächen retten, Klimaschutz, Klimawandel, Stadtentwicklung, Stadtnatur

Robert Koch-Institut ermittelt deutschlandweit rund 4300 hitzebedingte Sterbefälle in der Hitzewoche Ende Juni

Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr

Berlin, 9. Juli 2026: Jedes Grad Celsius weniger rettet Leben. Das zeigt der diesen Donnerstag veröffentlichte Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität des Robert Koch Instituts. Demnach gab es in der letzten Juniwoche 2026 (22. bis 28. Juni, Kalenderwoche 26) bundesweit rund 4300 hitzebedingte Sterbefälle.

Nicht wenige davon dürfte es in der Region gegeben haben. In Berlin-Tempelhof wurde am Samstag, 27. Juni, vom Deutschen Wetterdienst eine Allzeit-Rekordtemperatur von 39,9 Grad Celsius seit Beginn der Messungen ermittelt. Im brandenburgischen Coschen nahe der Neiße wurde am Tag darauf mit 41,7 Grad Celsius die höchste bisher in Deutschland gemessene Temperatur ermittelt.

Mit seiner Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ setzt sich der BUND Berlin nicht nur für den Erhalt grüner Freiflächen in Berlin, sondern auch für zusätzliche Grünflächen ein. Tagsüber können Grünflächen bis zu 8 Grad Celsius kühler sein als die bebaute Umgebung. Das freie Tempelhofer Feld ist vor allem für die nächtliche Abkühlung wichtig. Hier tritt der sogenannte Wüsteneffekt ein, da die Fläche nachts deutlich stärker auskühlt als die Umgebung. Eine Bebauung hätte zusätzlichen Hitzestress für zehntausende Anwohnerinnen und Anwohner in der Umgebung zur Folge.

Die tatsächlichen Temperaturen in dicht bebauten Städten können insbesondere auf großen asphaltierten oder gepflasterten Flächen noch weitaus höher liegen – bei über 60 Grad Celsius. Für den menschlichen Organismus besonders belastend sind daneben auch die hohen Nachttemperaturen. In sogenannten Tropennächten sinken die Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius. Real liegen die Temperaturen in dicht bebauten Gebieten auch hier teilweise deutlich über den von der Meteorologie ermittelten Werten. Denn die dafür herangezogenen Wetterstationen messen die Temperatur in zwei Meter Höhe über unversiegeltem Boden.

Dazu erklärt Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin:
„Wir können es uns nicht leisten aus Kurzsichtigkeit die noch verbliebenen grünen Freiflächen in Berlin zu bebauen. Sie sind in der Klimakrise mit zunehmenden Extremwetterereignissen eine wertvolle Ressource, um gesundheitliche Schäden und Todesfälle abzuwenden. Es gibt Alternativen zum Wohnungsbau auf grünen Freiflächen, wie nicht nur wir bereits ermittelt haben.

Wir begrüßen die Initiative des Bezirks Mitte, das Potenzial von Dachausbauten, Aufstockungen und Umnutzungen belegt zu haben. Fast 12.000 zusätzliche Wohnungen ließen sich dadurch kurz- bis langfristig schaffen.

Erneute Forderungen der Industrie- und Handelskammer, das Tempelhofer Feld zu bebauen und generell Artenschutzbedenken über Bord zu werfen, weisen wir zurück. So ein Vorgehen würde die existenzielle Bedrohung durch die Klimakrise und dem weltweit größten Artensterben der vergangenen zehn Millionen Jahre weiter verschärfen.

Am 14. Juli ab 16. 30 Uhr findet die Dialogveranstaltung „Zukunft der Wuhlheide: zwischen Straßenbau und Naturschutz“ im Rahmen der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ statt. Für die geplante Hochleistungsstraße TVO sollen bis zu 22 Hektar Wald gerodet werden. Zahlreiche Expert*innen, Betroffene und Politiker*innen haben ihr Kommen bereits zugesagt.

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