Berliner Hitzeaktionsplan ohne Aktion

25. Juni 2026 | Flächenschutz, Gesundheit, Stadtentwicklung, Klimaschutz

Stabile Finanzierung statt Prinzip Hoffnung rettet Menschenleben

Foto: Sascha Kohlmann (CC BY-SA 3.0)

Berlin, 25. Juni 2026: Der Hitzeaktionsplan des Berliner Senats hält nicht das wenige, was er verspricht. Beispielhaft sei die offizielle Karte der kühlen Räume genannt. Berlinweit werden dort rund 80 Orte genannt – in kompletten Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg findet sich kein einziger davon. Ein genauerer Blick auf die einzelnen Orte offenbart, dass nicht wenige davon ein- bis zweimal die Woche für wenige Stunden überhaupt geöffnet sind. Leider halten sich Hitzewellen selten an die Geschäftszeiten von Kirchen oder Quartierszentren.

Seit Veröffentlichung des Berliner Hitzeaktionsplans sind keinerlei gesteigerte Aktivitäten zur Bereitstellung entsprechender klimatisierter Räume zumindest während akuter Hitzewellen zu beobachten.

Dabei gäbe es bei entsprechendem Engagement und etwa Kreativität durchaus Möglichkeiten, kurzfristig Räume zu akquirieren. Wenn Gebäude der öffentlichen Hand nicht geeignet sind, eben bei Privaten. Tagungsräume in Hotels, leerstehende Einheiten in Einkaufszentren oder Bürogebäuden sind in der Regel klimatisiert und ließen sich oft mit überschaubarem Aufwand und vergleichsweise preiswert für solche Zwecke nutzen. Doch nichts ist in dieser Richtung geschehen. 

Der im November 2025 veröffentlichte Hitzeaktionsplan ist weitgehend eine Zusammenstellung bereits laufender oder geplanter Projekte der Senatsverwaltungen und Bezirke. Ein übergeifender kohärenter Plan, der effektive und schnell umsetzbare Maßnahmen insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen umfasst, ist es nicht. Letztlich handelt es sich großteils um eine unsystematische Klimaanpassungsstrategie statt eines akuten Hitzeaktionsplans. Das ist schon daran zu erkennen, dass 50 der 72 aufgelisteten Maßnahmen als "langfristig" gekennzeichnet sind. Der Hitzeaktionsplan des Senats ist genauso ambitionslos wie die gesamte Klimapolitik der schwarz-roten Koalition.

Bezeichnend ist, dass sich dort auch Projekte wie neue BVG-Wartehallen mit Gründach finden. Dieses Vorhaben ist jedoch kurz vor der geplanten Umsetzung im Straßenland durch den der Senatsbaudirektorin zugeordneten Gestaltungsbeirat de facto beerdigt worden.

Der Ausbau der öffentlichen Trinkbrunnen der Berliner Wasserbetriebe ist wegen mangelnder Finanzierung gestoppt worden. Ebenso sind für die Reparatur der landeseigenen sogenannten Notbrunnen am Straßenrand im Doppelhaushalt 2026/2027 keinerlei Haushaltsmittel eingestellt. Rund ein Viertel dieser fast 2000 für Berlin charakteristischen Schwengelpumpen in Bundes- und Landeshand sind defekt.

Vollkommen unzureichend sind auch die vorgesehenen Budgets von 100.000 Euro pro Bezirk, was rund 33 Cent pro Berlinerin und Berliner entsprechen würden. Für einen wirksamen Hitzeaktionsplan, der Menschenleben rettet und die öffentliche Gesundheit schützt, sind jährlich mindestens 5 bis 10 Euro pro Einwohner*in realistisch und notwendig. Das würde einem jährlichen Budget von 18,5 bis 37 Millionen Euro entsprechen.

Die Anzahl der Hitzetage mit 30 Grad Celsius oder mehr hat sich seit den 1950er Jahren fast verdreifacht, Prognosen gehen von weiteren Steigerungen aus. Gar nicht einkalkuliert dabei ist der anhaltende Verlust von grünen Flächen und Bäumen, der für eine weitere Zunahme tropischer Nächte sorgen dürfte, in denen Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius sinken.

Selbst das sehr vorsichtig rechnende Statistische Landesamt Berlin-Brandenburg hat für die zurückliegenden drei Jahre 188 Hitzetote in Berlin ermittelt – um die Hälfte mehr als die offizielle Zahl von 125 Verkehrstoten von 2023 bis 2025. Eine Studie des Grantham Institutes am Londoner Imperial College schätzt sogar 219 Hitzetote in Berlin allein im Jahr 2025.

Ein effektiver Hitzeaktionsplan konzentriert sich auf die akute Krisenbewältigung und den direkten Schutz vor Hitzeschäden. Er ist ein lebensrettendes Instrument für die unmittelbare Gefahr. Er unterscheidet sich grundlegend von einer umfassenderen Klimaanpassungsstrategie und erfordert eigene, substanzielle Budgets, die sowohl in den Bezirken als auch gesamtstädtisch verausgabt werden.
 
Sechs Punkte sind aus Sicht des BUND Berlin essenziell für den Hitzeaktionsplan:

  1. Ein sofortiger Schutz aller grünen Freiflächen in Berlin vor Bebauung sowie ein besserer Schutz von Bäumen auf öffentlichem und privatem Grund.
     
  2. Hochentwickelte Frühwarn- und Kommunikationssysteme
     
  3. Ein flächendeckendes Netz von "Kühlungszentren"
     
  4. Massiver Ausbau der blauen Infrastruktur
     
  5. Gezielte Unterstützung für vulnerable Gruppen
     
  6. Öffentliche Bewusstseinskampagnen und Verhaltensregeln

Darüber hinaus können beispielsweise auch akute Verkehrsberuhigungsmaßnahmen innerhalb des S-Bahnrings mit weitreichenden Park- und Fahrverboten einen Beitrag gegen Aufheizung leisten. Fahrzeugkarosserien speichern erhebliche Wärmemengen; insbesondere Verbrenner produzieren große Abwärmemengen.

Das vollständige Forderungspapier finden Sie unter diesem Link.

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