Senat springt beim Hitzeaktionsplan zu kurz

19. August 2025

BUND Berlin legt Sechs-Punkte-Plan der notwendigen Maßnahmen vor

Foto: Sascha Kohlmann (CC BY-SA 3.0)

Berln, 19. August 2025: Zu spät, aber nun doch hat der Senat einen Hitzeaktionsplan vorgelegt. Denn Berlin ist längst Hotspot des Klimawandels in Mitteleuropa: Die Sommer werden heißer, die Hitzebelastung extremer. Die Stadt, verdichtet und versiegelt, wirkt wie ein Brandbeschleuniger für den urbanen Hitzeinseleffekt. Eine akute Bedrohung, die bereits heute deutlich mehr Menschenleben fordert als Verkehrsunfälle.

Der nun dem Rat der Bürgermeister vorzulegende Hitzeaktionsplan des Senats ist weitgehend eine Zusammenstellung bereits laufender oder geplanter Projekte der Senatsverwaltungen und Bezirke. Ein übergeifender kohärenter Plan, der effektive und schnell umsetzbare Maßnahmen insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen umfasst, ist es nicht.  Letztlich handelt es sich großteils um eine unsystematische Klimaanpassungsstrategie statt eines akuten Hitzeaktionsplans. Das ist schon daran zu erkennen, dass 50 der 72 aufgelisteten Maßnahmen als "langfristig" gekennzeichnet sind.

Bezeichnend ist, dass sich dort auch Projekte wie neue BVG-Wartehallen mit Gründach finden. Dieses Vorhaben ist jedoch kurz vor der geplanten Umsetzung im Straßenland durch den der Senatsbaudirektorin zugeordneten Gestaltungsbeirat de facto beerdigt worden.

Dazu erklärt Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin: „Die amtierende Koalition schreibt sich das Thema Sicherheit groß auf ihre Fahnen. Es passt nicht dazu, den  Hitzeaktionsplan erst kurz vor Ende des meteorologischen Sommers vorzulegen. Eine sofortige Umsetzung gibt es sowieso nicht, die Verwaltungsmühlen mahlen weiter langsam vor sich hin. Der Hitzeaktionsplan des Senats ist genauso ambitionslos wie die gesamte Klimapolitik der schwarz-roten Koalition.

Vollkommen unzureichend sind auch die bisher diskutierten Budgets von 100.000 Euro pro Bezirk, was rund 33 Cent pro Berlinerin und Berliner entsprechen würden. Für einen wirksamen Hitzeaktionsplan, der Menschenleben rettet und die öffentliche Gesundheit schützt, sind jährlich mindestens 5 bis 10 Euro pro Einwohner*in realistisch und notwendig. Das würde einem jährlichen Budget von 18,5 bis 37 Millionen Euro entsprechen.“

Die Anzahl der Hitzetage mit 30 Grad Celsius oder mehr hat sich seit den 1950er Jahren fast verdreifacht, Prognosen gehen von weiteren Steigerungen aus. Gar nicht einkalkuliert dabei ist der anhaltende Verlust von grünen Flächen und Bäumen, der für eine weitere Zunahme tropischer Nächte sorgen dürfte, in denen Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius sinken.

Ein effektiver Hitzeaktionsplan konzentriert sich auf die akute Krisenbewältigung und den direkten Schutz vor Hitzeschäden. Er ist ein lebensrettendes Instrument für die unmittelbare Gefahr. Er unterscheidet sich grundlegend von einer umfassenderen Klimaanpassungsstrategie und erfordert eigene, substanzielle Budgets, die sowohl in den Bezirken als auch gesamtstädtisch verausgabt werden.
 
Sechs Punkte sind aus Sicht des BUND Berlin essenziell für den Hitzeaktionsplan:

  1. Ein sofortiger Schutz aller grünen Freiflächen in Berlin vor Bebauung sowie ein besserer Schutz von Bäumen auf öffentlichem und privatem Grund.
  2. Hochentwickelte Frühwarn- und Kommunikationssysteme
  3. Ein flächendeckendes Netz von "Kühlungszentren"
  4. Massiver Ausbau der blauen Infrastruktur
  5. Gezielte Unterstützung für vulnerable Gruppen
  6. Öffentliche Bewusstseinskampagnen und Verhaltensregeln

 
Darüber hinaus können beispielsweise auch akute Verkehrsberuhigungsmaßnahmen innerhalb des S-Bahnrings mit weitreichenden Park- und Fahrverboten einen Beitrag gegen Aufheizung leisten. Fahrzeugkarosserien speichern erhebliche Wärmemengen; insbesondere Verbrenner produzieren große Abwärmemengen.
 

 
Das vollständige Forderungspapier finden Sie unter diesem Link.

 

Kontakt:
Gabi Jung, Geschäftsführerin BUND Berlin: 0178-631 00 32, jung(at)bund-berlin.de

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