Amtswäldchen: Treptow-Köpenick will 4000 Quadratmeter Wald für einen Parkplatz roden

29. Juni 2026 | Artenvielfalt, Bauen, Bäume, Flächenschutz, Kampagne Grüne Flächen retten, Klimaschutz, Stadtentwicklung, Stadtnatur

Bezirksverordnetenversammlung soll Bebauungsplan am 2. Juli beschließen

Foto: BUND Berlin/Andrea Gerbode

Gemeinsame Pressemitteilung

Berlin, 29. Juni 2026: Waldvernichtung im großen Stil – und das für einen Parkplatz. Das ist im sogenannten Amtswäldchen in der Köpenicker Alstadt vorgesehen. Der entsprechende Vorhabenbezogene Bebauungsplan 9-30 VE ist am 26. Mai 2026 vom Bezirksamt Treptow Köpenick beschlossen worden. In Kraft treten soll er durch Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick am 2. Juli 2026. Vorgesehen ist zudem der Bau eines Gebäudes mit einem Supermarkt und etwa 45 Wohnungen auf einer versiegelten Fläche.

Die in der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) zusammengeschlossenen Umweltverbände lehnen die Vernichtung von Wald für ebenerdige Stellplätze ab. Bereits seit 2007 weisen sie in Stellungnahmen darauf hin, dass es sich bei der Beseitigung des Amtswäldchens um einen schweren Eingriff in Natur und Landschaft handelt.

Rund 4000 Quadratmeter Wald sind in den letzten Jahrzehnten auf der Fläche entstanden, die Waldeigenschaft ist bereits lange von den Berliner Forsten bestätigt worden. Er steht somit unter gesetzlichem Schutz. Der Wald soll ersatzlos gerodet und der Naturverlust nur durch Geldzahlungen abgegolten werden. Das Vorhaben widerspricht eklatant dem einstimmig vom Abgeordnetenhaus in Folge des Baumentscheids beschlossenen Klimaanpassungsgesetz.

„Damit fällt nicht nur ein nicht zu ersetzendes Biotop weg. Auch die Hitzebelastung in der Köpenicker Altstadt steigt laut Berliner Umweltgerechtigkeitsatlas immer weiter an, so dass es unverantwortlich ist, das Wäldchen als letzte Kühlinsel abzuholzen und für Parkplätze zu asphaltieren“, sagt Andrea Gerbode, Vorstandsmitglied des BUND Berlin.

Selbst das sehr vorsichtig rechnende Statistische Landesamt Berlin-Brandenburg hat für die zurückliegenden drei Jahre 188 Hitzetote in Berlin errechnet – um die Hälfte mehr als die offizielle Zahl von 125 Verkehrstoten im selben Zeitraum von 2023 bis 2025. Andere Studien kommen auf 219 Hitzetote in Berlin allein im Jahr 2025. Mit seiner Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ für den Schutz grüner Freiflächen in Berlin.
 
Nahezu sämtliche Gutachten, auf die sich der Bebauungsplan stützt, sind hoffnungslos veraltet und somit nicht mehr aussagekräftig. Das fängt schon bei der Ermittlung des Bedarfs für einen zusätzlichen Lebensmittelmarkt mit ebenerdigen Parkplätzen an, die vor über einem Jahrzehnt erstellt worden ist.

Das waldfachliche Gutachten ist bereits fünf Jahre alt, basierend auf Erhebungen, die bis ins Jahr 2016 zurückreichen. Zu betroffenen Wildtieren liegt bisher nur eine Potenzialanalyse vor, trotz deutlichen Hinweisen auf Lebensräume von streng geschützten Vogel- und Fledermausarten. Zudem ist auch diese nicht ausreichende Erhebung viel zu alt.

„Wir fordern eine vollständige Kartierung von Brutvögeln, Fledermäusen und sonstigen Säugetieren. Wird es weiterhin unterlassen wird, diese zwingend notwendige Untersuchung durchzuführen, kann dies zu Verzögerungen im Bauablauf führen“, sagt Antje Stavorinus, Artenschutzreferentin der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN).

Gleichzeitig ist das „überwiegend öffentliche Interesse“ an der Realisierung des B-Plans in Bezug auf Wohnungen zu hinterfragen. Da weniger als 5000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen sollen, ist das Berliner Modell der Kooperativen Baulandentwicklung nicht anwendbar. Somit wird kein mietpreisgebundener Wohnraum geschaffen.

KORREKTURHINWEIS, 20.6.2026, 12 Uhr: Fehler in der Überschrift korrigiert: 4000 Quadratmeter statt 4 Hektar-

Kontakt:
Antje Stavorinus, Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN), 030-26 55 08 64, antje.stavorinus(at)bln-berlin.de
Andrea Gerbode, Vorstandsmitglied BUND Berlin, gerbode@bund-berlin.de

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